Die Hochwasser-Katastrophe Anfang Juni hätte ihr Aus bedeuten können, doch die Wieslauftalbahn wird erneuert – und besser als zuvor. Bis wann die Strecke voraussichtlich wieder befahrbar ist und welche Verbesserungen kommen.
Ein Lob aus den Reihen der Lokalpolitik hat für den Rems-Murr-Landrat Richard Sigel an sich keinen Seltenheitswert. Doch was ihm und seinem ÖPNV-Amtsleiter Daniel Wiedmann in der letzten Sitzung vor der Weihnachtspause im Zweckverband Wieslauftalbahn an Hochachtung geradezu entgegen brandete, dürfte auch für den anerkennungserfahrenen Behördenchef deutlich mehr als Standard gewesen sein. „Wir sind Ihnen zutiefst dankbar. Das war brillante, geniale Arbeit“, verneigte sich der Schorndorfer Oberbürgermeister Bernd Hornikel verbal – und sein Rudersberger Amtskollege Raimon Ahrens schloss sich vorbehaltlos an.
Die Ehrerbietung der beiden Rathauschefs galt den Bemühungen, die seit Anfang Juni stillgelegte Wieslauftalbahn wieder auf die Schiene zu heben. Sowohl die Infrastruktur als auch die Züge der von den beiden Kommunen und dem Landkreis getragenen Bahnverbindung waren bei der Hochwasserkatastrophe, die das Wieslauftal heftig getroffen hat, stark in Mitleidenschaft gezogen worden. So stark, dass anfangs nicht klar war, ob der Zweckverband eine Wiederinbetriebnahme finanziell würde schultern können.
Schäden an Infrastruktur jetzt bei 7,2 Millionen Euro
Zwar wurden die zuletzt mit knapp fünf Millionen Euro taxierten Schäden an Schienen, Gleisbett, Elektrik & Co. bei genauerem Hinsehen auf jetzt 7,2 Millionen Euro angehoben. Doch mit dieser Summe liegt man immer noch deutlich unter der mit 20 Millionen Euro gedeckelten Versicherungssumme. Noch besser aber ist, dass nach engagierten Verhandlungen eine komplette Übernahme durch den Versicherer zugesagt ist sowie weitere bis zu 2,2 Millionen Euro pro beschädigten Zug.
Die Arbeiten zum Wiederaufbau haben laut Daniel Wiedmann bereits am Montag vergangener Woche begonnen. Das Ziel ist, bis Mitte Februar einen Teilabschnitt der Strecke zwischen Schorndorf und Miedelsbach wieder in Betrieb zu nehmen. Bis dahin werden vom Winterferienende an mehr Ersatzbusse als bisher eingesetzt, um die Kapazitätsprobleme, die in Spitzenzeiten insbesondere durch den Schülerverkehr aufgetreten sind, zu beheben. Bis zum Ende des kommenden Jahres sollen die Züge dann wieder auf der kompletten Strecke bis nach Oberndorf rollen.
Ab Miedelsbach wird es aufwendig
Dazu müssen allerdings unter anderem zwei erhebliche und ausgedehnte Unterspülungen vor dem Bahnhof Miedelsbach sowie am Ortseingang von Schlechtbach repariert werden, und beim dritten Abschnitt vom Rudersberger Bahnhof bis Oberndorf sind erhebliche Bauarbeiten rund um den Bahnhof in Rudersberg sowie dem direkt dahinterliegenden Bahnübergang erforderlich. Am Rudersberger Bahnhof müssen voraussichtlich alle Gleise, die Weichen sowie der Bahnsteig ausgegraben und erneuert werden. Im weiteren Streckenabschnitt nach Oberndorf allerdings werden die Schäden eher als geringfügig eingeschätzt.
Zwei Züge in Spezialwerkstatt
Im Einsatz sollen dann wieder sechs Züge sein. Während bereits für vier ältere Modelle schon vor dem Hochwasserereignis ohnehin ein Austausch durch modernere Gebrauchte in die Wege geleitet worden war, sind die zwei neueren Regio-Shuttles, Baujahr 2009, in eine Spezialwerkstatt abgeschleppt worden, wo zurzeit noch begutachtet wird, ob sie durch eine Reparatur zu retten sind. Für die Übergangszeit sind bereits zwei Wagen angemietet, eventuell aber wird man sich noch für eine dauerhafte Lösung auf die Suche begeben müssen.
Auf jeden Fall aber soll der bisherige Standard verbessert werden. Richard Sigel traut es sich kaum zu sagen: aber am Ende werde die Wieslauftalbahn um einiges besser dastehen, als vor der Hochwasserkatastrophe, so der Landrat. Für Heidi Apel, Kreisrätin der Grünen, hat die Art, wie der Landkreis seine marode Schienen-Infrastruktur auf Vordermann bringt, Vorbildcharakter: „Was dem Bund und der Deutschen Bahn nicht gelingt, hat der Rems-Murr-Kreis hier beispielhaft gezeigt.“ Dass die Versicherung alles bezahle, sei toll, aber noch mehr Wert sei das Vertrauen, das durch den geordneten Wiederaufbau gewonnen werde. „Das ist mit Geld gar nicht zu bezahlen.“