Tom Smith von den Editors beim Auftritt in Stuttgart Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Die britische Band Editors hat am Dienstagabend im Wizemann in Stuttgart mit Post-Punk der Premiumklasse rund 1000 Musikfreunde begeistert.

Stuttgart - In den etwa vierzig Jahren seit seiner Geburt haben rund drei Musikergenerationen den angelsächsischen Post-Punk mit so viel Drama aufgeladen, dass von seinem Ursprungsgestus phasenweise nicht mehr viel übriggeblieben war – Bands wie U2 oder Echo & The Bunnymen verwandelten ihr Genre gerne mal in eine elegische Erlösungsmusik, die sich wie Weihrauch über ihrer punkigen Ursuppe erhob. Wie es auch anders geht, demonstrierten am Dienstagabend die Editors im Wizemann.

Jede Menge Druck und Schönklang zugleich

Rund eintausend Besucher erleben ein kräftig zupackendes Quintett, die seinen Sound mit einem regelrechten Gitarrengewitter wieder vom Kopf auf die Füße stellt. Mit wechselweise bis zu drei Gitarren, zwei Synthesizern sowie Bass und Schlagzeug im XXL-Format sorgen die Editors für jede Menge Druck und Schönklang zugleich: ein Gewinn nicht zuletzt für die in ihren Studioversionen nicht ganz überzeugenden Songs des aktuellen Albums „Violence“, das mit immerhin fünf Titeln im Programm vertreten ist. Dass auch die 2003 in der Grafschaft Staffordshire gestartete Formation das ein oder andere Kapitel in Sachen pathoslastiger britischer Gitarrenrock mitgeschrieben hat, klammert dieses Konzert übrigens keineswegs aus.

Stürmischer Applaus nach „Munich“ und „Smokers outside the Hospital Door“

Doch Sänger Tom Smith hat seinen feierlichen Bariton im Wizemann ebenso gut unter Kontrolle wie seine Körpersprache – und substanzlose, redundant auf Vokallauten herumkauende Chorpassagen und schale Publikumsanbiederungen gehörten dankenswerter Weise ohnehin noch nie zum Handwerkszeug der Editors. Glänzend bringt dieses Set harsche bis atmosphärisch dichte Saitenpower und mal melodienselige, mal technoid pluckernde Elektronik auf einen Nenner, gibt sich bisweilen sogar dancefloortauglich und kann sich bestens auf das Repertoire von inzwischen sechs Studiowerken verlassen, darunter Genrehighlights wie „All Sparks“, „An End has a Start“, „Papillon“ und „Bullets“. Nach einhundert Minuten und „Munich“ sowie „Smokers outside the Hospital Door“ als Showdown: stürmischer Applaus für eine an diesem Abend prächtig disponierte Band, der man gerne noch ein halbes Stündchen länger zugehört hätte.

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