Wie umgehen mit einem Stromausfall? Winnenden wappnet sich für einen Blackout

Von Thomas Schwarz 

Einen „Musternotfallplan Strom“ gibt es im Land seit dem Jahr 2014. Foto: Stoppel/Archiv
Einen „Musternotfallplan Strom“ gibt es im Land seit dem Jahr 2014. Foto: Stoppel/Archiv

Überschwemmungen, Stürme, Hacker-Angriffe: die lebenswichtige Stromversorgung kann lahmgelegt werden. Die EnBW berät Kommunen, wie sie auf einen gravierenden Stromausfall reagieren können.

Winnenden - Das Szenario wirkt apokalyptisch, wie aus einem Katastrophenfilm, in dem die Infrastruktur flächendeckend zusammenbricht. Dabei geht es nur um einen Stromausfall, aber um einen, der nicht nur ein paar Stunden dauert, sondern auch noch ein größeres Gebiet betrifft. „Stellen Sie sich vor, sie wachen morgens auf und es geht kein Licht mehr an, weil der Strom weg ist. Kein Herd, kein Kühlschrank funktioniert mehr. ISDN-Geräte fallen aus, Mobilfunknetze werden schnell überlastet.“ Harald Müller von der EnBW skizzierte zu Beginn seines Vortrages im Winnender Gemeinderat, welche Folgen sich durch einen Stromausfall in einer Stadt ergeben. Und diese können schnell gravierend werden.

Kommunen im gesamten Gebiet der EnBW lassen sich beraten

Da keine Pumpen mehr funktionieren, wird Trinkwasser nur noch aus Hochbehältern lieferbar. In Winnenden geht man davon aus, dass die Bevölkerung zwei bis vier Tage versorgt werden kann. Nach nur zwei Stunden sei ein Verkehrschaos möglich, führte Tim Kazenmaier, Projektleiter Energietechnik bei der EnBW-Tochter RBS Wave aus, da S- und U-Bahnen nicht mehr fahren und Ampeln ausfallen.. Nach acht Stunden sind bereits Engpässe beim Trinkwasser möglich, nach mehr als drei Tagen ohne Strom werden Güter des täglichen Bedarfs knapp, was zu einer „Destabilisierung gesellschaftlicher Strukturen führt“ – zum Beispiel Plünderungen.

RBS Wave berät seit zwei Jahren Kommunen im Auftrag des Energieversorgers, wie sie sich auf derartige Fälle vorbereiten können. „Wir sind mittlerweile mit zahlreichen Kommunen im kompletten Versorgungsgebiet im Gespräch, was Konzepte für Stromausfälle angeht und zwar in allen verschiedenen Stadien des Prozesses“, so eine Sprecherin der EnBW.

Während Städte wie Winnenden erst ganz am Anfang sind, haben Kommunen wie Großbottwar (Kreis Ludwigsburg) bereits Konzepte erstellt, wie sie sich für den Fall eines Blackouts rüsten wollen. „Eine gründliche Vorbereitung ist notwendig, um im Notfall schnell reagieren zu können“, sagt Jürgen Franke, der Kommunalberater, der die Stadt dabei betreute. Fünf Monate lang wurde die Versorgungs-Infrastruktur Großbottwars untersucht. Auf dieser Basis wurde anschließend das Konzept mit der Gemeinde entwickelt, das Schwachstellen in der Stromversorgung beseitigen soll. Die Maßnahmen gleichen denen, die in Winnenden vorgeschlagen werden.

Erste Maßnehme: Nostromaggregate anschaffen

Dort wurde bisher eine stichprobenartige Bestandsaufnahme vorgenommen. Neben dem Rathaus wurde das Feuerwehrgebäude in der Innenstadt untersucht, wo im Fall des Falles ein Krisenstab tagen soll, die Gemeindehalle Höfen-Baach als Notunterkunft und Anlaufstelle sowie der städtische Bauhof, dessen Kräfte während eines Stromausfalls als Unterstützung benötigt werden.

Wie sich zeigte, verfügt keines der Gebäude außer dem Feuerwehrgerätehaus über eine Notstromversorgung. Deshalb wird als erste Maßnahme vorgeschlagen, für alle Notstromaggregate anzuschaffen. Da diese mit Diesel betrieben werden, müsste auch Treibstoff eingelagert werden. „Oder mit den örtlichen Tankstellen werden entsprechende Verträge abgeschlossen“, schlägt Tim Kazenmaier vor. Da in den Tankstellen bei Stromausfall keine Pumpen funktionierten, müsste dazu die Feuerwehr einbezogen werden.

Als weitere Maßnahmen in Winnenden schlägt Kazenmaier unter anderem die Überprüfung weiterer Notunterkünfte vor, um drei bis fünf Prozent der Bevölkerung versorgen zu können. Ein kommunales Krisenmanagement sollte erstellt werden, Absprachen mit Krankenhäusern wegen der medizinischen Versorgung getroffen und die Bevölkerung für das Thema sensibilisiert werden.

Der Gemeinderat stimmte mit großer Mehrheit diesen weiteren Maßnahmen zu,. Unter anderem auch deshalb, weil die Stadt verpflichtet sei, ein Krisenmanagement auf die Beine zu stellen, wie der Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth erklärte. Für 2020 sind dafür 190 000 Euro vorgesehen.

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