Der Stuttgarter Wirt Stefan Gauß hat mit einem Jogginghosen-Verbot einen Medienwirbel ausgelöst. Foto: Gauß

Erst hat er Jogginghosen in seinem Café Le Théatre in der Gloria-Passage in Stuttgart verboten – jetzt sucht er genau dort die schönsten. Der Gastronom Stefan Gauß geht locker mit dem Medienwirbel um.

Stuttgart - So schnell wird man zum Medienstar. „Wie die Jungfrau zum Kind“, sagt Stefan Gauß, Chef des Cafés Le Théatre, sei er zu einer für ihn ungewohnten Rolle gekommen. Von RTL bis Sat 1, von „Spiegel online“ bis zur „Welt“ – der Wirt von der Gloria-Passage gab an einem Tag mehr überregionale Interviews als der Stuttgarter OB in der Vorweihnachtszeit in einer Woche. Mit einem Verbotsschild am Eingang seines Cafés, auf dem „We say no to Sweatpants“ mit dem Bild einer durchgestrichenen Jogginghose steht, hat er für Furore gesorgt, wie sich dies ein Marketingexperte kaum besser ausdenken könnte.

Offensichtlich hat Gauß Spaß am Wirbel gefunden. Für den 26. Januar legt er noch eins drauf – da veranstaltet er plötzlich einen Wettbewerb um die schönste Jogginghose. Wird er vom Saulus zum Paulus?

Bisher wurde niemand rausgeworfen

Ach, das hitzig diskutierte Verbotsschild sei gar nicht neu, erzählt der Wirt schmunzelnd. Bereits im April 2017 habe er es aufgehängt, als Signal und als Bitte an die Gäste, sich ein bisschen schicker zu machen und nicht im Schlabberlook zu kommen. Erst Monate später habe man seine „Kleiderordnung“ ohne sein Zutun in den sozialen Netzwerken hochgespielt. Rausgeworfen wegen falscher Kleidung habe er noch nie jemanden. Nach vielen Gesprächen ist ihm längst klar: Jogginghose ist nicht gleich Jogginghose – und sie ist nicht nur zum Joggen da.

„Zehn Prozent“ der Reaktionen seien negativ gewesen, sagt Gauß. Man habe ihm Diskriminierung oder Spießertum vorgeworfen. „Zu 90 Prozent“ stünden die Leute aber hinter ihm. So wie jetzt war sein Lokal noch nie im Gespräch. Damit dies so bleibt, stellt er nun die Sexy-Version der umstrittenen Kleidung in den Fokus, wie die Designer sie lieben. Der Berliner Michael Michalsky etwa empfiehlt ein enges T-Shirt und einen kurz geschnittenen Blazer zu Oversized-Hosen aus Sweatshirt-Stoff.

Werden weiße Socken in Adiletten der nächste Trend?

Wirt Gauß, der bei der Arbeit meist Jeans, Sneakers und ein weißes Hemd trägt, daheim aber auch Jogginghosen „für die Garage und fürs Sofa“ besitzt, lobt 500 Euro für das schönste Outfit aus. Auf die Idee kam der Café-Chef, als er vom „Tag der Jogginghose“ erfuhr, an dem die einstige Modesünde am 21. Januar gerühmt wird.

Für seinen Sweatpants-Contest könnte man auch den „Tag des Marketings“ ausrufen. Als nächstes feiern wir weiße Tennissocken in Adiletten und Leggings für Vollschlanke. Bitte, wenn’s der Werbung dient!

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