Trendforscher Prof. Peter Wippermann blickt auf das Zuhause von übermorgen. Foto: QVC

Trendforscher Peter Wippermann blickt im Interview auf das Zuhause von übermorgen und das Homeoffice der Zukunft. Wird das Büroleben, wie wir es kennen, bis 2040 ganz verschwinden?

Drei Tage Büro, zwei Tage Homeoffice - sieht so der neue Arbeitsalltag aus? Und wie werden wir in Zukunft wohnen? Durch die Flexibilisierung und Individualisierung von Arbeit gewinnen die eigenen vier Wände enorm an Bedeutung. Das zeigt auch die QVC Zukunftsstudie. Im Interview blickt Trendforscher Prof. Peter Wippermann auf das Zuhause von übermorgen und das Büroleben der Zukunft.

Herr Prof. Wippermann, wie wohnen wir übermorgen?

Prof. Wippermann: Das Zuhause der Zukunft wird zur Schaltzentrale des Lebens - bewusst und selbstbestimmt. Während der Pandemie fand von jetzt auf sofort alles in den eigenen vier Wänden statt. Das war zunächst ungewohnt, auch mühsam. Inzwischen sagen laut der QVC Zukunftsstudie aber 71 Prozent der Deutschen, dass ein gutes Zuhause für sie ein Ort für Freizeit, Entertainment, Shopping und Arbeit ist. Das wertet das Zuhause der Zukunft enorm auf, und es erfordert multifunktionale Wohnlösungen.

Das Wohnzimmer wird auf Knopfdruck zum Homeoffice?

Prof. Wippermann: Multifunktionale Räume sind im Next-Home-Alltag, ja. Parallel kommt es zu neuen Modellen des Zusammenlebens. Jeder Zweite aus der Gen Y, also der von 1985 bis 2000 Geborenen, wünscht sich laut der Studie Co-Working-Räume zur gemeinsamen Nutzung.

Wird das Büroleben, wie wir es kennen, bis 2040 ganz verschwinden?

Prof. Wippermann: Es wird sich stark verändern. Unternehmen, die nur noch Vollzeit im Büro anbieten, könnte ein Exodus der Talente bevorstehen. Workation-Konzepte gewinnen schon jetzt an Beliebtheit: Gearbeitet wird auch dort, wo wir gerne sind, beispielsweise im Schrebergarten. Tiny Offices, Ein-Raum-Kabinen im Garten oder am Urlaubsort könnten Trend werden. Das Normal der Zukunft ist drei Tage Büro, zwei Tage Homeoffice. Sich in den eigenen vier Wänden wohlfühlen wird wichtiger denn je. Schon während der Corona-Krise gaben laut der Studie 58 Prozent der Deutschen mehr Geld aus, um ihr Zuhause zu verschönern.

Wie verändert der neue Wohnsinn unser Freizeitverhalten?

Prof. Wippermann: Entertainment und Socialising verlagern sich in den kommenden Jahren noch stärker ins Metaversum. Wir shoppen, trainieren und besuchen Kultur-Events, ohne das Zuhause der Zukunft zu verlassen, gerne mit Freunden im Echtzeit-Stream. Für 45 Prozent der Gen Y ist Fitnesscoaching mit einer VR-Brille denkbar. Smarte Technik wird zum Mitbewohner und zunehmend unsichtbar. Jeder Zweite möchte laut der Zukunftsstudie, dass die Next-Home-Geräte auf Sprache reagieren. Voice-basierte Anwendungen könnten den Touchscreen bis 2040 ersetzen. Digitale Helfer entlasten aber auch und sorgen für Sicherheit: Drei Viertel wünschen sich einen Reinigungsroboter, und jeder Zweite aus der Gen Y möchte Indoor-Drohnen nutzen, die bei Verdacht Aufnahmen machen. Der zunehmend digitalisierte Alltag wird aber auch einen Gegentrend begründen.

Wie sieht der Ausgleich zum digitalisierten Leben aus?

Prof. Wippermann: Haptik wertet Hobbys auf, Selbermachen erfährt einen Boom. 62 Prozent der Gen Y sagen: Durch die Zunahme virtueller Welten unterfordern wir unsere Sinne. Jeder Zweite möchte deshalb künftig noch mehr mit den Händen arbeiten. DIY und Reparieren wird aber auch als Bekenntnis zu einem nachhaltigen Lebensstil verstanden werden - und da schließt sich der Kreis: 64 Prozent der nach 2000 Geborenen sind bereit, mehr Geld für ein klimafreundliches Produkt zu zahlen. Das ist der höchste Wert aller befragten Altersgruppen. Das wird sich in unseren Wohnräumen spiegeln. Biophilic Design heißt der Trend, der natürliche Elemente integriert und beispielsweise für ein frisches Raumklima Moos in den Wänden verbaut. Wo Balkone fehlen, ziehen Indoor-Gärten ein, die sich praktischerweise selbst bewässern. Jeder Zweite kann sich vorstellen, Indoor-Gardening-Geräte zu nutzen.