Noch steht die Ursache für den Brand im Biergarten Kleinaspergle (Kreis Ludwigsburg) nicht fest. Die Wirtin Alma Beaumont vermutet in den Ladegeräten der Pager den Grund.
Die Ursache des verheerenden Brands an Heiligabend im Kleinaspergle-Biergarten im Asperger Osterholz steht weiterhin nicht genau fest. Die Polizei geht von einem technischen Defekt aus. Die Wirtin Alma Beaumont hält einen Akkuschaden im Pager-System für möglich, das täglich in ihrem Betrieb eingesetzt wird. „Nur die Pager waren an“, sagt sie. Andere elektrische Geräte seien zum Zeitpunkt des Brandes ausgeschaltet gewesen.
Die Pager dienen im Biergarten dazu, Gäste zu informieren, wann ihr Essen abholbereit ist. An stark frequentierten Tagen geben die Beschäftigten 500 bis 700 Essen aus. Für Beaumont ist das System unverzichtbar für den reibungslosen Ablauf. Umso größer ist nun die Verunsicherung: „Man sieht den Geräten nicht an, ob sie innen beschädigt sind.“
Pager arbeiten in der Regel mit Akkus, häufig Lithium-Ionen-Technik. Fachleute weisen seit Jahren darauf hin, dass Defekte in solchen Energiespeichern Brände auslösen können – insbesondere beim Laden oder bei Materialermüdung. Ob ein solcher Defekt hier tatsächlich die Ursache war, ist jedoch offen.
Polizei geht nicht von Brandstiftung aus
Die Polizei schließt einen Fall von Brandstiftung aus. „Wir gehen derzeit von einem technischen Schaden aus“, sagt Steffen Grabenstein, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Allerdings kämen mehrere Geräte und Leitungen als Auslöser infrage. „Die Ladestation der Pager ist eine der Möglichkeiten, wo der technische Defekt entstanden sein könnte.“ Die Ermittlungen seien noch im Gange, so Grabenstein weiter. Eine eindeutige Brandursache sei bislang nicht festgestellt worden.
„Die Ladestation der Pager ist eine der Möglichkeiten, wo der technische Defekt entstanden sein könnte.“
Steffen Grabenstein, Pressesprecher im Polizeipräsidium Ludwigsburg
Der Schaden ist enorm: Alma Beaumont beziffert ihn auf 500.000 Euro. Besonders bitter für die Betreiberin: Auch das Gebäude ist abgebrannt – und nicht versichert. Vor allem der Verlust der Küche trifft den Betrieb hart. „Wir haben ständig renoviert und Geld in die Einrichtung gesteckt“, sagt Beaumont. Die Küche sei über Jahre modernisiert worden und das Herzstück des Gastronomiebetriebs gewesen.
Zwar läuft der Betrieb grundsätzlich weiter, doch der Alltag ist eingeschränkt. „Das Restaurant ist geöffnet, aber Gäste kommen aktuell fast nur zu Veranstaltungen“, berichtet die Wirtin. Immerhin kämen regelmäßig Besucher, um im Freien einen Glühwein und Speisen am aufgestellten Ausgabewagen zu sich zu nehmen.
Zahlt die Versicherung nun?
Nun ruht viel Hoffnung auf der Versicherung. Beaumont hofft, dass zumindest der versicherte Teil des Schadens bald reguliert wird, um einen Wiederaufbau zu ermöglichen. Gleichzeitig wirft der Brand Fragen auf: Wie sicher sind akkubetriebene Geräte im Dauerbetrieb? Und wie gut sind Gastronomiebetriebe auf solche technischen Risiken vorbereitet?
Überrascht ist der Affalterbacher 7-Eichen-Wirt Bernd Feinauer von dem Risiko. Er setze Pager in dem Kulturbiergarten ganz selbstverständlich ein. „Ich ziehe nun aber vorsichtshalber alle Stecker heraus, wenn ich nicht da bin.“ In den Pagern seien kleine Akkuzellen, die nach der Ausgabe an Gäste maximal Strom für eine Stunde liefern. „Ich stecke die Pager nach der Rückgabe immer gleich wieder in eine Come-In-Aufladestation.“ Der Brand in Asperg mahne ihn zur Vorsicht: „Ich werde meine Pager schnellstmöglich technisch überprüfen lassen.“
Feuerwehr-Kommandant: „Akkus nicht ohne Aufsicht laden“
Einen Akkubrand in nächster Nähe des Biergartens im Lembergweg musste der Affalterbacher Kommandant Sascha Hänig im vergangenen Jahr mit seiner Wehr löschen. „Die Akkus für ein Lasermessgerät brannten.“ Hänig hält den Ladevorgang für den kritischen Punkt: „Man sollte besonders die leistungsstarken Geräte niemals ohne Aufsicht aufladen.“
Die Tendenz zu Akkubränden nehme zu, erklärt Sascha Hänig. Man müsse klar unterscheiden, ob es Akkus für Geräte im Dauerbetrieb seien oder nicht. „Wenn ich ein Balkonkraftwerk habe, muss ich mich darauf verlassen können, dass die Akkus auch dann gefahrlos aufgeladen werden, wenn ich fortgehe.“ Im Zweifelsfall müsse man der Betriebsanleitung folgen. Auch sollte das Produkt ein CE-Prüfzeichen haben. „Es bringt nichts, billige Ware aus dem Internet zu nehmen.“
Was auch immer der Grund für den Brand im Asperger Biergarten war – Pager rücken nun in den Fokus. So mancher Betreiber dürfte seine Geräte in der Folge überprüfen. Pager waren im September 2024 weltweit in die Schlagzeilen geraten, als das israelische Militär durch Explosionen von Funkempfängern zahlreiche Hisbollah-Kämpfer tötete oder schwer verletzte.
Die ersten Pager sind in den 1950er Jahren in den USA entwickelt worden. Solche Geräte konnten schon in den 1980er Jahren Telefonnummern anzeigen, inzwischen auch Textnachrichten. Die Pager gelten im Katastrophenschutz als zuverlässiger als Smartphones, da sie wegen des Batteriebetriebs bei einem Blackout nicht ausfallen. Außerdem sind sie anders als Handys nicht ortbar.