Im Robert-Bosch-Krankenhaus mussten zwei Touristinnen zwei Tage im Isolierzimmer ausharren. Der Verdacht auf Coronavirus bestätigte sich aber nicht. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Im Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus werden zwei Touristinnen auf das Coronavirus untersucht – doch der Verdacht bestätigt sich nicht. Die Kliniken wissen, was im Fall des Falles zu tun ist.

Stuttgart - Die Informationen des Ärztlichen Notdienstes klingen zunächst alarmierend: zwei Patientinnen aus China kommend, eine davon aus der Stadt Wuhan, mit Fieber und einer Erkrankung der Atemwege. So wurden die beiden Touristinnen am vergangenen Samstag ins Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart überwiesen. Doch das Team um die Oberärztin Katja Rothfuß lässt sich von den zwei Verdachtsfällen auf Coronaviren nicht aus der Ruhe bringen. Als Sonderisoliereinheit ist es für außergewöhnliche Erkrankungsfälle geschult, die durch hochansteckende oder unter Umständen gar lebensgefährliche Erreger hervorgerufen werden, so die Expertin für Infektionskrankheiten. „Wir wissen Bescheid, wie mit Patienten umzugehen ist, die sich mit dem neuartigen Virus angesteckt haben.“

 

Im Fachjargon entspricht dies Schutzmaßnahmen für Ärzte und Pfleger der Kategorie drei von insgesamt vier Kategorien. Das bedeutet: Spezielle Schutzmasken, die Mund und Nase überdecken, sind Pflicht, ebenso eine Haube, ein Schutzkittel und Handschuhe. Werden Eingriffe vorgenommen, ist auch eine Schutzbrille Vorschrift. „Im Grunde werden Verdachtsfälle auf Coronaviren ebenso behandelt wie jeder Patient, der bei uns mit schwerer Grippe eingeliefert wird“, sagt Jörg Albert, Chefarzt der Abteilung für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, zu der auch die Sonderisoliereinheit gehört.

Die Hustensekret-Proben wurden per Kurier nach Berlin zum Testen geschickt

Den beiden Patientinnen wurde zunächst Blut abgenommen. Sie mussten per Inhalation zum Husten gebracht werden, um eine Sekretprobe zu erhalten, die dann per Kurier nach Berlin in die Charité geschickt wurde. Denn im dortigen Deutschen Zentrum für Infektionsforschung können Proben auf das Coronavirus getestet werden. „In Stuttgart können wir diesen Nachweis bislang noch nicht leisten“, sagt Jörg Albert. Erst seit diesem Mittwoch ist ein Test am Landesgesundheitsamt möglich. Letzteres muss zudem auch bei Verdachtsfällen grundsätzlich immer informiert werden: „Es muss ja ausgeschlossen werden, dass im Falle eines positiven Befunds noch weitere Personen im Umfeld der beiden Frauen sich angesteckt haben könnten“, so Albert.

Ähnlich verfahren auch die anderen Kliniken in der Stadt, um im Ernstfall gerüstet zu sein: Im Klinikum Stuttgart etwa fand erst am vergangenen Dienstag eine Lagebesprechung mit dem Gesundheitsamt statt: „Intern haben wir erneut Ablaufpläne kommuniziert und das diagnostische Vorgehen in Verdachtsfällen über das Zentrallabor geschärft“, sagt der Sprecher Hartmut Kistenfeger. Auch Schutzkleidung und Isolationsmöglichkeiten seien vorhanden. Im Diakoniekrankenhaus wurden alle Mitarbeiter speziell für den Umgang mit dem Coronavirus geschult, so der Sprecher Frank Weberheinz. „Die Verfahrensanweisung wird täglich, bei Bedarf auch tagsüber aktualisiert, sobald neue Informationen vom Robert-Koch-Institut vorliegen.“

Hausärzte haben noch keine speziellen Verhaltensregeln erhalten

Problematisch ist, dass es wegen der beginnenden Grippewelle viele Erkrankte mit Symptomen gibt, die denen durch das Coronavirus ähnelten. Das bringt vor allem die Hausärzte in die Bredouille: Spezielle Verhaltensregeln haben sie bisher für so einen Fall noch nicht erhalten, sagt der niedergelassene Hausarzt in Bad Cannstatt und Vorsitzende der Stuttgarter Ärzteschaft, Markus Klett. Wenn einer mit einer schweren Atemschwäche komme, schicke er so einen Patienten „auf jeden Fall zum Lungenarzt“, so Klett. Schwerkranke seien ohnehin ein Fall für die Klinik. In seiner Praxis arbeitet Klett normalerweise ohne Mundschutz. Allerdings: „Wenn ich weiß, dass ein Patient aus China kommt, dann schon.“ Wenn ein solcher Verdacht bestehe, müsse man das schnell klären.

Das Gesundheitsamt Stuttgart hat bisher keinen Fall in Stuttgart registriert. Es rät zu den üblichen Hygieneregeln wie Händewaschen und In-die-Armbeuge- Husten. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt allen, die nach einer Chinareise oder nach Kontakt zu einer Person mit bestätigter Coronavirus-Infektion Fieber und Husten haben oder unter Atemnot leiden, Hausarzt oder Klinik telefonisch vorab zu informieren. „Grundsätzlich sollte man die Regeln beachten, die man auch im Umgang mit Grippekranken kennt“, sagt der Mediziner Jörg Albert vom RBK, „am besten ist es daher, sich jetzt noch gegen Grippe impfen zu lassen.“ Dann habe man zumindest die Gefahr der Ansteckung mit der wahrscheinlicheren der beiden Infektionskrankheiten gebannt.

Entwarnung für die beiden China-Touristinnen

Diesen Rat hätten auch die beiden Touristinnen aus China beherzigen sollen. Zwei Tage mussten sie in einem der Isolierzimmer des Robert-Bosch-Krankenhauses ausharren. Am Montag kam der erlösende Befund: Nicht das Coronavirus hat die Chinesinnen außer Gefecht gesetzt, sondern zum einen das Grippevirus und im anderen Fall ein grippaler Infekt.