Schwere Stürze oder Infekte bleiben bei den Olympischen Spielen nicht aus. Wie schnell Athleten wieder fit gemacht werden können, erläutert der Sportarzt vom Profi-Kader des VfB Stuttgart. [Aktualisierung]
Sie sei noch ziemlich unbeweglich, schildert die US-Skirennfahrerin Lindsey Vonn in ihrer Videobotschaft vom Krankenbett der Klinik Ca’ Foncello in Treviso aus. Vergangene Woche war die 41-Jährige kurz nach ihrem Start bei den olympischen Spielen schwer gestürzt und hatte sich einen komplizierten Schienbeinbruch zugezogen.
Sie müsse noch dreimal operiert werden, schildert die Sportlerin und fügte später auf dem Messengerdienst X an:„Das ist ein schwieriger Weg, den ich da einschlage, aber ich schaffe das.“
Lindsey Vonns Hund Leo mit 13 gestorben
Inzwischen konnte Vonn zur weiteren Behandlung in die USA geflogen werden. Nur einen Tag nach dem Sturz war auch Vonns Hund Leo im Alter von 13 Jahren gestorben. "Die letzten Tage waren unglaublich hart. Wahrscheinlich die härtesten meines Lebens", teilte die Sportlerin per Video mit. Zudem postete sie Bewegtbilder von einer Hobby-Abfahrt und teilte den Fans mit, dass sie irgendwann wieder auf der Piste stehen will.
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Sportarzt aus Fellbach: So schnell wird Lindsey Vonn wieder fit
Nicht nur bei Lindsey Vonn stellt sich indes die Frage, wie schnell Spitzensportler nach schweren Verletzungen oder Infekten wieder wettkampffähig werden können. Welche Verletzungen entstehen können und wie diese therapiert werden, sagt der Sportarzt, Orthopäde und Mannschaftsarzt des VfB Stuttgart, Raymond Best.
Herr Best, heilen Knochenbrüche bei Spitzensportlern schneller?
Wenn der Knochen bei einem Spitzensportler bricht, ist das genau das Gleiche, als wenn der Knochen bei Ihnen oder mir bricht. Der einzige Unterschied ist, dass Profisportler anderen Belastungen ausgesetzt sind, anders trainiert sind und damit gesamtkörperlich andere Voraussetzungen für eine Heilung mitbringen als der Rest der Bevölkerung. Hinzu kommt natürlich die Frage, welchem Anforderungsprofil der verheilte Knochen entsprechen muss: Den meisten Menschen ist es erst mal wichtig, etwa nach einem Schienbeinbruch gehen und stehen zu können. Profi-Fußballer oder Skirennläuferinnen beispielsweise haben ganz andere Erwartungen, was ihr Bein nach einem verheilten Bruch wieder leisten muss.
Wie lange dauert es denn, bis ein Bruch wieder verheilt ist?
So pauschal lässt sich das nicht sagen. Das kommt darauf an, um welchen Knochen es sich handelt und an welcher Stelle er gebrochen ist. Ein Außenknöchelbruch zum Beispiel ist eine häufige Verletzung, die in fünf bis sechs Wochen gut ausheilt. Der Oberschenkelknochen dagegen ist ein sehr starker Knochen, der unser ganzes Körpergewicht trägt. Der braucht für eine Heilung zwischen circa acht bis zwölf Wochen. Zudem muss berücksichtigt werden, ob es ein einfacher oder komplizierter Bruch ist. Wichtig ist auch die Frage, ob das Gelenk vom Bruch betroffen ist. Letzteres ist ein ganz wichtiger Aspekt, denn eine Schädigung des Gelenks kann durchaus Auswirkungen auf den Fortgang der Karriere eines Sportlers haben.
„Die Muskelkraft, die bei sechs Wochen Ruhigstellung verloren geht, braucht fast drei- bis viermal so lange, um wieder aufgebaut zu werden.“
Dr. Raymond Best, Orthopäde
Eine lange Heilungsdauer kann Auswirkungen auf die Muskeln des verletzten Arms oder Beins haben. Wie vermeiden Spitzensportler, dass ihre Muskeln zu stark abbauen?
Das ist tatsächlich das größte Problem bei solchen Verletzungen von Profisportlern. Daher wird von Anfang an die Therapie so ausgerichtet, dass die Leistung des Herz-Kreislauf-Systems und die Kraft möglichst erhalten bleiben. Dazu braucht es neben Ärzten auch die Erfahrung von Physiotherapeuten und Athletiktrainern. Denn die Muskelkraft, die beispielsweise bei sechs Wochen Ruhigstellung verloren geht, braucht fast drei- bis viermal so lange, um wieder aufgebaut zu werden.
Werden Knochenbrüche bei Profisportlern immer operiert?
Prinzipiell braucht ein Knochen Ruhe und Druck, dann wächst er gut zusammen. Wenn man eine Fraktur hat, bei der die Bruchstücke nicht oder wenig verschoben sind, dann kann eine konservative Behandlung durchaus sinnvoll sein – also eine Ruhigstellung mittels Schiene oder Kunststoffgips. Was aber auch stimmt: Man neigt bei einem Sportler vielleicht etwas großzügiger dazu, einen Knochenbruch zu operieren. Einfach, weil selbst ein gut stehender Bruch durch eine operative Versorgung eventuell schneller funktionell belastet werden kann. Da lautet die Abwägung manchmal: Komm, wir machen da eine Platte drauf, dann ist die Gesamtbelastbarkeit vielleicht etwas schneller wieder hergestellt.
Und was können Ärzte unternehmen, wenn sich die Sportler kurz vor dem Wettkampf einen grippalen Infekt einfangen?
Bei Virusinfektionen können Ärzte Sportlern oft nur Medikamente geben, die ihre Krankheitssymptome einigermaßen lindern. Aber das kennt Grenzen: Mit Erkältungssymptomen wie etwa einer verstopften Nase und etwas Halskratzen kann man bei einem Wettkampf oder einem Turnier durchaus starten – sofern die Fitness nicht weiter beeinträchtigt ist. Bei Auftreten von Fieber ändert sich das schnell: Hier werden in der Regel auch keine Medikamente gegeben, die das Fieber senken – nur, damit der Sportler seine Leistung vollbringen kann. Ein solches Vorgehen kann für die nachhaltige Gesundung eher nachteilig sein.
Gilt das auch bei Wettkämpfen, die so wichtig sind wie die Olympischen Spiele?
So sollte es sein. Aber natürlich sind solche Entscheidungen bei erkrankten Sportlern schwer, wenn diese vier Jahre lang auf einen Tag hin trainiert haben. Aus diesem Grund sind fast immer sehr erfahrene Team-Ärzte und Therapeuten vor Ort, um mit einzuschätzen und zu entscheiden. Grundlegend gilt dann: Der Körper ist bei fiebrigen Infekten nicht in seinem optimalen Leistungsmodus. Und gerade im Hochleistungssport wie bei den Olympischen Spielen geht es um Millisekunden oder wenige Zentimeter, die entscheidend sein können. Wenn der Körper da geschwächt ist, sind die Chancen der Profis bei Wettkämpfen auf diesem hohen Niveau möglicherweise deutlich gemindert.
Dieser Artikel erschien am 15. Februar 2026 und wurde am 18. Februar aktualisiert.
Sprechstunde mit Profisportlern
Experte
Raymond Best ist Facharzt für Orthopädie, Chirurgie, Unfallchirurgie, Notfallmedizin und Sportmedizin. Er ist Mitbegründer der Sportheum Sportklinik Fellbach.
Fußball
Der 58-jährige gebürtige Heidelberger hat langjährige Erfahrung im Profisport: Seit dem Jahr 2006 ist er Mannschaftsarzt beim VfB Stuttgart.