Eigentlich ist vor fast 15 Jahren geplant gewesen, die Hauptstraße zur parkfreien Zone zu machen. Geklappt hat das nicht. Foto: Horst Rudel

Der Gemeinderat gibt dem Druck der Straße nach und verabschiedet das neue Parkkonzept. Es sieht eine Vielzahl von Änderungen vor – mit einer tun sich viele Stadträte ausgesprochen schwer.

Göppingen - Mit einem neuen Parkkonzept will die Stadt den Parkplatzmangel in der Innenstadt beheben. Der Gemeinderat hat das Bündel aus vielen kleinen Bausteinen nach langen Diskussionen und Workshops mit Bürgern und Innenstadthändlern geschnürt. Die Stadträte waren sich über den größten Teil der Maßnahmen einig. Allein die sogenannte Brezeltaste blieb bis zum Schluss heiß umstritten. Sie erlaubt Autofahrern künftig, an einigen ausgewählten Stellen in der Haupt- und Poststraße für 20 Minuten zu parken.

Eigentlich wollte man seit dem Bau der Neuen Mitte 2003 die Haupt- und Poststraße komplett frei von parkenden Autos zu halten. Doch schon nach kurzer Zeit gingen damals die Innenstadthändler auf die Barrikaden und forderten, das Parken zumindest für den Lieferverkehr zuzulassen. Die Stadt entsprach dem Wunsch – mit ungeahnten Folgen. Denn inzwischen nutzen auch viele private Autofahrer die Be- und Entladestreifen entlang der Hauptstraße als Dauerparkplätze.

Vor 15 Jahren als Flaniermeile gedacht gewesen

„In der Praxis ist die Hauptstraße bereits ein Parkplatz“, hielt der Chef des Gemeindevollzugsdienst, Klaus-Ulrich Laib, jenen Stadträten entgegen, die sich vom Traum von einer parkplatzfreien Hauptstraße nicht verabschieden wollten. So hatte etwa Werner Ziegler (CDU) in seltener Einmütigkeit mit den Grünen beklagt, die geplanten Parkplätze entwerteten die Innenstadt. „Die Hauptstraße ist mal als Flaniermeile gestartet.“

Tatsächlich, so erklärte Laib den Stadträten, gehe es bei der Brezeltaste eher darum, die aktuellen Auswüchse entlang der Hauptstraße in den Griff zu bekommen. „In der Ladezone müssen unsere Mitarbeiter erst zehn Minuten beobachten, ob dort jemand etwas ein- oder auslädt, bevor sie einen Strafzettel austeilen dürfen.“ Das sei fast nicht leistbar, weil derzeit entlang der ganzen Straße geparkt werde. Mit der Einführung der Brezeltaste hingegen könnten sie Verstöße viel leichter ahnden: Denn die Mitarbeiter könnten anhand der Parkscheine sofort erkennen, welches Auto schon länger dort stehe als erlaubt.

Statt wildem Parken „geregeltes wildes Parken“

Der Baubürgermeister Helmut Renftle wies außerdem darauf hin, dass die Stadt nur „einzelne Blöcke“ entlang der Straße für das Parken zulasse. Bisher sei hingegen alles zugeparkt. Aus städtebaulicher Sicht handle es sich daher um eine Verbesserung. Und der Oberbürgermeister Guido Till bekräftigte, dass eine parkplatzfreie Hauptstraße natürlich attraktiver wäre. „Aber das ist fast nicht machbar.“

Wolfram Feifel (FWG) konnte sich – wie viele andere Stadträte – nur schwer damit abfinden, dass man nun vor den Fakten kapituliere. „Wir machen jetzt halt ein geregeltes wildes Parken“, kritisierte er. Am Ende der Debatte rangen sich die Stadträte – von einer Gegenstimme und drei Enthaltungen abgesehen – aber doch noch zu einem Ja zu dem Gesamtkonzept durch – trotz des Ärgers über die Kapitulation vor den Parkern in der Hauptstraße.

Davor waren die Grünen mit ihrem Antrag gescheitert, über die Brezeltaste gesondert abzustimmen. Die Mehrheit hielt sich an die Argumentation von Jan Tielesch (CDU) und Klaus Rollmann (FDP), die darauf hinwiesen, dass es sich nicht um ein Konzept für die Ewigkeit handle und man bei Bedarf nachbessern könne.

Das sind die Neuerungen beim Parken

City:
Das Parken in der Innenstadt ist wie bisher von Montag bis Freitag zwischen 9 und 18 Uhr und samstags von 9 bis 16 Uhr gebührenpflichtig. Neu ist, dass die Kosten künftig einheitlich sind: Die ersten 20 Minuten sind frei, 21 bis 30 Minuten kosten 50 Cent, jede zusätzliche Viertelstunde kostet weitere 50 Cent. Die Höchstparkdauer beträgt 90 Minuten (2,50 Euro). Außerdem weitet die Stadt die Zahl der Anwohnerparkplätze aus.

Nachttarife:
Um die Parkhäuser künftig auch abends und nachts besser auszulasten, soll der Tarif von 18 Uhr an nur noch 50 Cent pro Stunde betragen. In der Bahnhofstraße und der Friedrichstraße testet die Stadt ein neues System für Anwohner: Bewohner des Untersuchungsgebiets können die Parkhäuser für eine Pauschale von 15 Euro im Monat werktags zwischen 17 und 8.30 Uhr sowie sonn- und feiertags ganztägig nutzen. Um die Vorschläge umzusetzen, muss sich die Stadt allerdings noch mit den Betreibern der Parkhäuser einigen.

Parkhäuser
: Insgesamt gibt es in der Stadt 2200 Stellplätze in Parkhäusern. Doch vor allem die Marktstraße und die Friedrichstraße sind tagsüber meist voll besetzt. Das Konzept sieht deshalb einen Bedarf für zusätzliche Parkhäuser im Südwesten und Nordosten der Stadt mit 250 bis 400 Plätzen für Dauerparker. Bereits an diesem Samstag wird der Erweiterungsbau des Parkhauses in der Jahnstraße mit 430 Plätzen eröffnet.

Handyparken:
Das Konzept soll das Parken in der Stadt auch komfortabler machen und den Parksuchverkehr begrenzen. Deshalb ist geplant, ein Parkleitsystem mit einer Anzeige der freien Plätze in den Parkhäusern einzurichten. Außerdem sollen Bürger künftig per Handy Parkscheine lösen können, Elektroautos parken kostenlos; zudem will die Stadt Angebote wie Carsharing oder den Citybus voranbringen, damit mehr Besucher von vorneherein ohne Auto in die Innenstadt kommen.

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