Rund eine Stunde dauert es, bis das Software-Update überspielt ist. Foto: dpa

Die Autoindustrie hat zugesagt, mehr als fünf Millionen Dieselfahrzeuge mit einem Software-Update nachzurüsten. Damit wollen die deutschen Hersteller die NOx -Emissionen von Dieselfahrzeugen reduzieren. Aber wie funktioniert das?

Stuttgart - Umfassend und zügig“ sollen mehr als fünf Millionen Fahrzeuge mit dem Selbstzünder in den Emissionsklassen fünf und sechs nachgerüstet werden. So versprachen es jedenfalls die Autohersteller BMW, Daimler, Opel und Volkswagen unmittelbar nach dem Dieselgipfel in Berlin Anfang August. Zugesagt haben die Autobauer ein Software-Update. Rund eine Stunde müssen die Fahrzeuge dafür in die Werkstatt. Der Bordcomputer des Autos wird mit einem Laptop verbunden – und die neue Software überspielt.

Rund 500 Millionen Euro, schätzen Experten, muss die Industrie für die Maßnahmen berappen. Pro Auto sind das gerade mal etwa 100 Euro. Anschließend stoßen die Fahrzeuge auf der Straße zwischen 25 und 30 Prozent weniger Stickoxide (NOx) aus, versichert die Industrie, die wegen der hohen Emissionen massiv in der Kritik steht. Die Einsparungen klingen hoch, aber die Emissionen sind auch enorm – im Falle eines Euro-5-Diesels durchschnittlich bis zu fünfmal höher, als es der Grenzwert von 180 Milligramm erlaubt, heißt es aus dem Umweltbundesamt. Doch wie genau funktioniert das Update, das so günstig und flott vorgenommen ist, aber dennoch eine ansehnliche Wirkung haben soll?

Es gibt 1000 Software-Varianten

VW hat bereits Erfahrungen gesammelt. Denn bei der zugesagten Zahl von gut fünf Millionen Umrüstungen handelt es sich keineswegs ausschließlich um zusätzliche Autos; teilweise waren die Software-Updates schon vor einiger Zeit vom Kraftfahrt-Bundesamt angeordnet. Anfang 2016 fing der wegen Abgasmanipulationen kritisierte Wolfsburger Hersteller mit der Nachrüstung an. 2,5 Millionen Fahrzeuge, allesamt mit dem Motor EA 189 ausgestattet, wurde bereits eine neue Software aufgespielt. Dabei handelt es sich nicht um ein identisches Programm für alle Autos.

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Allein für den Motor EA 189 hat VW fast 1000 verschiedene Software-Varianten entwickelt, erläutert ein Sprecher. Es gebe eine Vielzahl an Stellschrauben, um die versprochene Emissionseinsparung zu erzielen. Es komme nicht nur auf den Motor selbst an, sondern auch auf das Gewicht des Fahrzeugs – so führe etwa ein Schiebedach zu einem Mehrgewicht von bis zu 70 Kilo. Und es komme auf die Ausstattung an – ob es sich um einen Front-, Heck- oder Allradantrieb handelt oder ob das Fahrzeug ein Automatik- oder Schaltgetriebe hat. Um an den Stellschrauben drehen zu können, mussten dem Sprecher zufolge bei VW 60 000 Seiten, auf denen die Steuerung dokumentiert ist, durchforstet werden.

Eine spezielle Software durchsucht die Software

Das klingt nach Mammutaufgabe für Entwickler, ist es aber nicht, erklärt der VW-Sprecher. Zunächst durchsuche – vereinfacht ausgedrückt – eine spezielle Software die „alte“ Steuerungssoftware und justiere an den entsprechenden Stellen nach. Dann kontrollierten die Entwickler die Arbeit ihrer elektronischen Kollegen. Es seien „viele Hundert Menschen beteiligt“, sagt der Sprecher vage. Erst dann würden die Tests an der Hardware beginnen. Zuerst würden die Motoren solo auf den Prüfstand kommen und anschließend das komplette Auto. Danach ­gehe es auf die Straße.

Der versprochene geringere Stickoxid­ausstoß werde nur bei normaler Fahrweise erreicht, so der Sprecher. Wer mit Vollgas über die Autobahn rast, schaffe das nicht. Die Hersteller versprechen, dass die NOx-Einsparungen nicht zu höheren CO2-Emissionen oder höherem Dieselverbrauch führen werden. Bevor die Test beginnen konnten, musste sich VW erst die betroffenen Fahrzeuge besorgen. Insgesamt 1000 Diesel-Pkw mit Euro 5 und 6, die teilweise neun Jahre zuvor die Fabrikhallen verlassen haben, haben die Wolfsburger dafür gebraucht gekauft. Für die Fahrzeuge mit dem EA-189-Motor hat VW die Software entwickelt. Die Lösung etwa für Audi-Modelle und den VW-Touareg mit V6- und V8-Motoren stehen aus. Wie viele Varianten es dafür geben wird, konnte der Sprecher nicht ­sagen.

Daimler will bis Ende 2018 die Umrüstung abgeschlossen haben

Nicht nur VW, auch Daimler ist an seinen Hausaufgaben dran. Allein in Deutschland werden die Stuttgarter drei Millionen Fahrzeuge nachrüsten. Für Fahrzeuge der Kompaktklasse mit einer bestimmten Motorvariante stehe die Lösung seit März 2017 zur Verfügung. Mehr als 45 Prozent dieser Autos seien mittlerweile auf den neuesten Stand gebracht. Auch für die V-Klasse – ein Van – stehe das Software-Update bereit; rund 78 Prozent dieser Autos in Deutschland seien nachgerüstet. Mehr will Daimler nicht preisgeben. Nur so viel: Bis Ende 2018 soll alles abgeschlossen sein.

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