Routine-OP: Gut 190 000 künstliche Kniegelenke wurden 2018 in Deutschland implantiert. Foto: picture alliance/dpa/Florian Schuh

Wer vor einer planbaren Operation steht, kann sich den Ort des Eingriffs aussuchen. Doch wie findet man eigentlich ein gutes Krankenhaus? Ein Kriterium sollten Patienten unbedingt beachten.

Stuttgart - Ins Krankenhaus muss fast jeder irgendwann einmal. Das ist in Deutschland zum Glück kein Problem. Es gibt fast 1600 allgemeine Krankenhäuser, die über eine ausreichende Bettenzahl verfügen. Deshalb sind nennenswerte Wartezeiten, wie es sie in vielen europäischen Ländern vor planbaren Eingriffen gibt, im deutschen Versorgungsalltag so gut wie unbekannt. Patienten haben vielmehr die Qual der Wahl – sie können sich eine Klinik aussuchen, wenn sie es möchten.

 

Vor allem in fortgeschrittenem Alter stehen viele Menschen vor planbaren Operationen. Neue Hüft- und Kniegelenke oder Herzklappen beispielsweise werden hierzulande routinemäßig in hohen Stückzahlen implantiert. Man kann sich die Entscheidung für ein Krankenhaus leicht machen, indem man einfach die nächstgelegene Klinik nimmt, die die OP anbietet. Das gibt ein heimeliges Gefühl und ist zudem eine bequeme Sache, weil die Anfahrt unproblematisch ist. Auch für Besucher des Patienten, die häufiger kommen wollen.

Allerdings: Das nächstgelegene und vertraut scheinende Krankenhaus muss nicht unbedingt dasjenige sein, welches für den Eingriff das Beste ist. Ob zum Beispiel die Ergebnisqualität stimmt, sieht man einer Klinik nicht schon von außen an. Bei der Versorgung mit einem neuen Hüftgelenk geht es zum Beispiel um die Frage, wie häufig es in einer Klinik zu Re-Operationen aufgrund von Komplikationen kommt. Die Unterschiede können beträchtlich sein. Vor einigen Jahren zeigte eine Studie, dass das Risiko eines erneuten Eingriffs nach Erstimplantation eines künstlichen Gelenks in manchen Kliniken bis zu 20-mal höher sein kann als in Häusern, die den Eingriff ohne hohe Komplikationsrate bewältigen. Dabei muss man allerdings im Hinterkopf behalten, dass Kliniken manche Risiken nicht beeinflussen können. Hat ein Patient Vorerkrankungen, kann das Komplikationen begünstigen.

Große Unterschiede bei Komplikationsraten

Das Problem für Patienten besteht darin, dass Zahlen etwa zu Komplikationsraten und Re-Operationen für sie nicht ohne weiteres verfügbar sind. Kliniken sind zwar seit vielen Jahren verpflichtet, eine ganze Reihe von Qualitätsdaten zu erheben, an staatliche Aufsichtsbehörden weiterzugeben und in Form von Qualitätsberichten zu veröffentlichen. Die Berichte, die sich auf der Seite des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken (G-BA) finden, sind aber für Laien völlig ungenießbar. Und selbst nach intensiver Einarbeitung ermöglichen sie keinen direkten Vergleich zwischen Kliniken, die für eine OP in Frage kommen.

Für den Gesundheitswissenschaftler Gerd Glaeske ist das ein Ärgernis. „Es ist längst überfällig, mehr Transparenz für wichtige Qualitätsindikatoren zu schaffen“, sagt das langjährige Mitglied des Sachverständigenrats Gesundheit unserer Zeitung. Zwar habe die Bundesregierung 2014 mit großem Aufwand ein neues Institut auf den Weg gebracht, das genau diesen Zweck erfüllen soll. Das IQTIG (Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen) habe die Erwartungen aber bisher kaum erfüllen können, so Glaeske. Es sei bezeichnend, dass sich auf einschlägigen Verbraucherschutzseiten kein Hinweis auf das Institut finde.

Hohe Fallzahlen sind ein gutes Zeichen

Glaeske empfiehlt Patienten, die vor einer OP stehen und die sich nicht nur auf den Rat des Haus- oder Facharztes verlassen möchten, zunächst Rat bei den Verbraucherzentralen zu suchen. Auf deren Internetseiten finden sich Checklisten für die Kliniksuche im Internet. Mit ihrer Hilfe lässt sich beispielsweise eingrenzen, nach welchen Informationen man eigentlich suchen möchte. Als beste Suchmaschine für Kliniken im Netz gilt vielen die „Weiße Liste“, ein Angebot der Bertelsmann-Stiftung. Eine Reihe von Krankenkassen empfehlen die Webseite, die bereits seit 2008 online ist, ihren Versicherten.

Auf der Webseite kann man mit der Postleitzahl nach Krankenhäusern im Umkreis suchen und die Auswahl je nach Behandlungsanlass verfeinern. Die gesetzlich vorgeschriebenen Daten zur Qualitätssicherung, die auch in den Qualitätsberichten der Krankenhäuser hinterlegt sind, werden von der Seite ausgewertet und mit Hilfe eines gut verständlichen Ampelsystems übersetzt. Auch Patientenbefragungen fließen in die Bewertung ein.

Immer wieder betonen Experten den Zusammenhang zwischen der Qualität einer Behandlung und der Häufigkeit, mit der die entsprechende Leistung vom Krankenhaus erbracht wird. Darauf sollten Patienten unbedingt achten. Hohe Fallzahlen stehen für Spezialisierung und sind grundsätzlich ein gutes Zeichen.

Denn wer einen Eingriff häufig macht, der kann es irgendwann und erzielt bessere Ergebnisse als jemand, der denselben Eingriff nur selten vornimmt. Um bei Hüftprothesen zu bleiben: In Deutschland bieten rund 1000 Kliniken eine Implantation an. Es gibt viele Häuser mit hohen dreistelligen Fallzahlen, aber nicht wenige erreichen nur knapp die gesetzlich vorgeschriebene Mindestmenge von 50 Operationen.