Die Kläranlage muss 365 Tage im Jahr laufen. Deshalb sind dort zwei Teams unter den Mitarbeitern gebildet worden, damit immer eine Mannschaft einsatzfähig ist. Foto: Werner Kuhnle

Marbach - Mehrere Wochen grassiert die Corona-Pandemie nun schon auf dem ganzen Globus. An manche Begleiterscheinungen wie das penible Einhalten der Abstandsregeln hat man sich fast schon gewöhnt. Dennoch leben die Menschen weiter jeden Tag in einer absoluten Ausnahmesituation. Davon kann auch der Marbacher Bürgermeister Jan Trost ein Lied singen, der im Gemeinderat auf Nachfrage von SPD-Frau Ute Rößner erläuterte, wie Covid-19 und seine Folgen die Arbeit in der Verwaltung bestimmen. „Wir haben täglich eine Corona-Runde“, sagte der Rathauschef. Mit im Boot seien hier unter anderem alle Amtsleiter sowie die stellvertretende Chefin des Ordnungsamts, Christine Schläfle. Der Austausch erfolgt mittels eines spezielles Moduls, über das man telefonisch oder per Videoschalte kommunizieren kann, um den persönlichen Kontakt zu minimieren – vor allem zwischen Christine Schläfle und ihrem direkten Vorgesetzten Andreas Seiberling. Die strikte Trennung der beiden Hauptverantwortlichen im Ordnungsamt hängt damit zusammen, dass in diesem Ressort viele Corona-bedingte Themen einlaufen, bearbeitet und umgesetzt werden müssen. Das reiche von den Ladenöffnungen und Schließungen bis hin zur Überwachung der Quarantäne von infizierten Bürgern, erläutert Jan Trost auf Nachfrage. „Das Ordnungsamt ist in der Situation unentbehrlich“, stellt er fest. Es dürfe also nicht passieren, dass Andreas Seiberling und Christine Schläfle gleichzeitig ausfallen. Zumal es sehr aufwendig sei, die Kontaktpersonen von Infizierten ausfindig zu machen, hatte Trost schon im Gemeinderat erläutert. „Und das machen wir auch konsequent“, betonte er. Man versuche, jeden Betroffenen zu erreichen. Sollte das telefonisch nicht gelingen, werde sogar zu Hause vorbeigeschaut. „Wir wollen wissen, ob es den Leuten gut geht oder ob sie ein gesundheitliches Problem haben“, sagte der Bürgermeister

Elementar wichtig sei aber auch, dass die Kläranlage trotz Corona-Krise reibungslos läuft. „Da darf kein Komplettausfall stattfinden“, stellte der Verwaltungsleiter klar. Folglich seien zwei Teams gebildet worden, die unabhängig voneinander tageweise am Start sind, sodass wenigstens immer ein Teil der Mannschaft einsatzfähig bleibt. Auch im Bauhof seien die Mitarbeiter in Gruppen untergliedert worden. Die Wasserversorgung und das Fließen von Strom müssten gewährleistet sein.

Trost berichtete zudem, dass man zwischendurch kurzerhand neue Aufgabenfelder kreiert habe. Die Mannschaft der Bücherei, die infolge der Pandemie geschlossen worden war, habe sich darum gekümmert, die Nachbarschaftshilfe aufzubauen. Darüber hinaus seien die Kindergartenkinder mit Material für Zuhause versorgt worden, damit ihnen ohne die Zeit in den dichtgemachten Betreuungsstätten die Decke nicht auf den Kopf fällt. Sehr profitiert habe man überdies von der Vita von Andrea von Smercek. Die Beauftragte für bürgerschaftliches Engagement habe Erfahrung als Pressesprecherin und den Außenauftritt koordiniert. „Da arbeiten wirklich alle Hand in Hand zusammen“, fasste Trost zusammen, der sich auch glücklich darüber zeigte, dass die Ausfälle im Rathaus wegen des Virus überschaubar blieben. Bei drei Mitarbeitern in der Verwaltung sei eine Covid-19-Erkrankung nachgewiesen worden.

In ganz Marbach gebe es momentan insgesamt 63 bestätigte Fälle. Eine Zahl, die seit dem 26. April unverändert sei, wie Jan Trost am Donnerstagmorgen auf Nachfrage erklärte. „Seitdem wurden keine Neuinfektionen für Marbach gemeldet. Wir gehen deshalb, angesichts einer Infektionszeit von zwei Wochen, davon aus, dass fast alle Betroffenen mittlerweile genesen sind“, sagt er. Wobei man nie wissen könne, in welchen Sphären sich die Dunkelziffer bewege. Trost weist außerdem darauf hin, dass man die Zahl der Fälle nicht mit denen der infizierten Personen verwechseln dürfe. Manche Betroffene würden in einem gewissen zeitlichem Abstand zwei- oder dreimal positiv auf das Virus getestet und tauchten dann jeweils als Einzelfall in der Statistik auf. Realistisch sei demnach, dass in Marbach bei ungefähr 55 Personen Corona bestätigt wurde. Vier Bürger der Schillerstadt seien im Zusammenhang mit Corona gestorben.

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