Weltmeisterin Simone Blum beim Reitturnier in der Stuttgarter Schleyerhalle Foto: Baumann

Beim Stuttgarter Reitturnier steigt die Weltelite in den Sattel. Damit das reibungslos funktionieren kann, ist eine perfekte Logistik nötig. Wir haben hinter die Kulissen geschaut.

Stuttgart - Wenn schon Kleinvieh Mist macht, wie ein Sprichwort versichert, was machen dann knapp 300 Pferde? Etwa 180 Kubikmeter Mist, und das pro Tag. Das sind etwa 20 Tonnen die beim Reitturnier in den drei Stallungen anfallen, also Pferdeäpfel, Stroh und Einstreu. Jeden zweiten Tag kommt die Abfuhr und entsorgt den Biomüll – allerdings nicht auf den Kompost. „Wir müssten eine sortenreine Trennung vornehmen, um das zu kompostieren“, sagt Erich Hinz, „das können wir nicht auch noch leisten.“ Der Stallmeister und sein neunköpfiges Team haben allerhand andere Aufgaben als auch noch Pferdeäpfel von Papierservietten und Müslipackungen zu trennen.

„Das Reitturnier ist die größte logistische Herausforderung in der Schleyerhalle“, sagt Claus Lederer, der Projektleiter des Reitturniers, „gerade auch deshalb, weil es sich um eine Veranstaltung von Mensch und Tier handelt.“ Weil neben den Stallungen rund um die Halle zudem an die 100 Aussteller von Reitartikeln in der Arena sind und Zuschauer wie VIPs verköstigt werden wollen – und weil an die 100 noblen Pferde-Trucks irgendwo geparkt werden müssen.

Drei Tage bis der Boden perfekt ist

Am Sonntagmorgen, sobald der Lehm der Supercross-Piste abtransportiert wurde, beginnt der Aufbau des Geläufs – 1280 Tonnen Terratex-Boden, ein Gemisch aus Sand und Stofffasern, wird in die Schleyerhalle und die Porsche-Arena verfrachtet; das Material wird schichtenweise aufgebracht, gewässert und gewalzt. Immer wieder. Nach zwei Tagen ist die Prozedur am Montagabend abgeschlossen. Währenddessen hat längst der Aufbau der Stallboxen in drei Bereichen begonnen, 354 sind es in diesem Jahr. Davor wurden die dort gelagerten Stühle, Tische und sonstigen Gegenstände aus der Schleyerhalle ausgeräumt und in ein Zelt auf dem Wasen gekarrt.

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Bevor die Pferde kommen, muss Erich Hinz puzzeln. Weil es so kompliziert ist, aus den Vorgaben der Verbände und den Wünschen der Reiter ein stimmiges Bild zu entwerfen. Ein Hengst darf nicht zwischen Stuten stehen, Reiter X will eine Eckbox, Reiterin Y ihr Pferd neben dem von Freundin Z stehen haben. „Wenn wir nach vier Stunden einen fertigen Plan haben“, sagt Hinz, „meldet sich sofort einer, dem das so nicht passt.“ Bis Mittwoch dürfen die Reiter untereinander tauschen, und manches muss bleiben. Stallmeister sein ist nicht unbedingt ein Kinderspiel.

Ein Sicherheitsdienst bewacht die edlen Trucks

Wenn die edlen Rösser vorgefahren werden, geht’s vor den Ställen rund wie auf einem Bahnhof zu Ferienbeginn. Die Trucks rollen an, Pfleger laden bis zu drei Tiere aus dem Fahrzeug und führen sie in die Boxen. Das dauert pro Tierladung mindestens eine halbe Stunde. Da ist eine konzertierte Aktion nötig, die Handgriffe müssen sitzen, dahinter warten vier Trucks, die ebenfalls ihre ungeduldige Fracht loswerden wollen. Die mehrere 100 000 Euro teuren Trucks, eine rollende, komplett ausgestattete Anderthalb-Zimmer-Wohnung mit Pferdeboxen, werden nach dem Entladen auf dem Wasen geparkt, in einer Art Wagenburg in zwei Reihen à 50 Fahrzeuge. Ein Sicherheitsdienst wacht rund um die Uhr.

Während des Turniers muss ein Rädchen ins nächste greifen. Sonst wird das German Master zum German Desaster. Die richtigen Hinternisse müssen rechtzeitig aus dem Lager auf dem Anhänger gebracht werden, der Auf- und Abbau zeitgerecht erfolgen. Wenn die Showpferde am Donnerstag ausziehen, müssen die Boxen für die ankommenden Ponys gereinigt werden. Eine Viertelstunde ist pro Box Zeit, damit sie besenrein an die Pferdepfleger übergeben werden kann – fürs Einrichten sind sie zuständig, weil sie die Vorlieben ihrer Vierbeiner kennen.

Viele freiwillige Helfer

Dann ist da Jessica Völker. Die 23-Jährige ist eine freiwillige Helferin und Hobby-Reiterin – sie sammelt in der Porsche Arena Pferdeäpfel ein, dafür ist sich die Wirtschafts-Studentin nicht zu fein. Sie entlohnt sich, indem sie in der freien Zeit gratis den Reitstars zusieht. „Und ich erhalte einen Blick hinter die Kulissen“, sagt die Frau aus Sachsenheim. Vier bis fünf Stunden täglich sammelt sie Pferdeäpfel, da kommt einiges zusammen. Jeden Tag beim Reitturnier insgesamt etwa 20 Tonnen.

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