Es ist an der Zeit, dass sich unsere Kolumnist KNITZ staatstragend gibt und für eine oft zu unrecht gescholtene Zunft eintritt.
Als KNITZ vor vielen Wintern sein Arbeitsvertrag vorgelegt wurde, blieb er an einer Passage hängen: Als Mitglied der Redaktion, stand da sinngemäß, verpflichte er sich, seine Arbeit im Sinne der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu verrichten. Klingt staatstragend, ist wohl auch so gemeint.
KNITZ hat die Passage gefallen. Und er würde einen solchen Vertrag auch heute jederzeit unterschreiben.
Der Mensch menschelt halt
Kann man Fan einer Verfassung sein? Falls ja, dann würde KNITZ das für sich in Anspruch nehmen. Er ist felsenfest davon überzeugt, dass ein gutes Staatsgefüge eine Gewaltenteilung braucht. Er hält nichts von einem Staat, der im Wesentlichen auf die Geschicke eines starken Mannes oder einer starken Frau baut. Ein Land braucht viele gute Männer und gute Frauen und gern auch Leute, die sich nicht eindeutig einem Geschlecht zuordnen lassen – und die sich dabei gegenseitig auf die Finger schauen.
Nicht weil KNITZ meint, dass der Mensch von Grund auf schlecht sei, sondern weil der Mensch eben Mensch ist – er also irren kann und verführbar ist.
Aber mit dem Irren, fürchtet KNITZ, haben wir es ohnehin nicht mehr so. Wenn irgendwo ein Menschenkind mal daneben langt, dann ist das Geschrei groß, dann hagelt es Rücktrittsforderungen oder mehr. Dann laufen geborene Rechthaber zur Höchstform auf und posaunen ihr Gottesurteil hinaus auf allen ihnen zur Verfügung stehenden Kanälen.
Wie man dem Getriebe entkommen kann? Ganz einfach: Indem man keine Verantwortung übernimmt, Entscheidungen nur noch in Teams trifft – auf dass hinterher, wenn was schief läuft, keiner wie ein begossener Pudel dasteht. KNITZ meint, einer solchen Haltung auch immer öfter im Arbeitsleben zu begegnen – und fragt sich: Was ist eigentlich so schlimm dran, wenn man mal daneben liegt?
Als seien Politiker allesamt Schwerverbrecher
Man kann in diesen Tagen viel über gewaltsame Übergriffe auf Amtsträgerinnen und Amtsträger lesen – und was die Gesellschaft dagegen tun muss. Doch wenn wir uns allesamt mal an die eigene Nase fassen (die von KNITZ ist groß und hervorragend dazu geeignet), dann müssen wir uns eingestehen, dass wir im Urteil mit Amtsträgern hin und wieder auch fürchterlich radikal und ungerecht sind – womit wir bei der Kaste der Politikerinnen und Politiker gelandet sind.
Schon erstaunlich, wie der sogenannte Volkszorn sich manchmal über Menschen ergießt, die für sich immerhin in Anspruch nehmen können, vom Volk gewählt worden zu sein. Selbst Leute, die sich selbst wohl als liberal bezeichnen würden, ziehen über Parlamentarierinnen und Parlamentarier her, als handle es sich um eine Gruppe von Schwerverbrechern.
KNITZ wagt die These, dass es in der Politik zugeht wie in jeder Berufssparte. Da gibt es Leute, die versuchen, mit möglichst geringem Kraftaufwand über die Runden zu kommen. Aber es gibt auch jene, die ihren Job mit Leidenschaft und hohem Einsatz betreiben. Und die haben verdient, dass wir ihnen mit Respekt begegnen.
Oje, jetzt ist KNITZ so kurz nach Pfingsten fast ins Predigen gekommen. Ist eigentlich nicht so sein Ding. Aber das musste jetzt einfach mal raus.