Wolfgang Hellstern hat die alte Wibele-Teigpresse in den Verkaufsraum gestellt, der kein Outlet sein soll. Foto: Horst Rudel

Neue Genusswelt in Hochglanzoptik: Die Confiserie Bosch in Uhingen setzt auf ihre traditionellen Wibele und andere süße Verführungen.

Uhingen - Als Kinder haben wir die Wibele immer für unseren Kaufladen bekommen. Die passten gut in unsere kleinen Schubladen“, erinnert sich eine Kreisbewohnerin, die den neuen Firmensitz der Confiserie Bosch zusammen mit ihrem Mann am Eröffnungstag besucht. Auch diesmal hat das Paar zum traditionellen Biskuitgebäck in Miniformat gegriffen. Und sich am neuen Standort umgeschaut, der nur einen Steinwurf vom 1911 gegründeten Stammsitz entfernt liegt.

Die Kundschaft soll schon am Eingang staunen

„Wir kaufen schon immer den Wibele-Bruch“, erklärt der Ehemann. Von Bruch sei in der prall gefüllten Klarsichttüte allerdings nichts zu sehen. „Vielleicht sind sie nicht so perfekt und etwas dunkler gebacken“, vermutet der Kunde. Perfektion ist das Stichwort für den Bosch-Inhaber Wolfgang Hellstern, der den neuen Firmenauftritt seit Jahren vorangetrieben hat, seit er den Betrieb 2010 kaufte.

„Ich wollte, dass es die Leute gleich am Eingang umhaut, wenn sie unsere Genusswelt betreten, denn das ist kein Outlet auf dem Acker“, erklärt der Kaufmann spitzbübisch mit Blick auf die meterlangen Glasvitrinen voller Pralinen und Schokolade, die von einem ausgeklügelten Lichtkonzept raffiniert in Szene gesetzt werden. „Das würde auch nach Dubai oder Singapur passen“, urteilt Matthias Füchtner über das neue Bosch-Image in Hochglanzoptik. Füchtner ist als Vorstandsmitglied der Göppinger Konsumgenossenschaft auch Kunde der Confiserie aus dem Nachbarort. „Die Kunden fragen immer mehr nach Produkten von hier, regional ist das neue Bio“, bezeichnet er den neuen Trend. Unter der Marke Staufers betreibt die Konsumgenossenschaft als Partner der Edeka-Gruppe elf Filialen in den beiden Landkreisen Göppingen und Esslingen.

Einblicke bietet die gläserne Produktion

Schon am Vorabend der Eröffnung in Uhingen haben Füchtner und viele weitere Geschäftspartner mit Hellstern den neuen Standort an der alten Bundesstraße 10 gefeiert mit Livemusik und Tanzeinlagen, bis das Fest mit einem krachend lauten Feuerwerk endete. Auch Hellstern ist ein Edeka-Mann. Bis heute betreibt der gebürtige Tübinger unter der Flagge Edeka zwei Lebensmittelvollsortimenter am Bodensee. Wenn er, wie unter Kaufleuten üblich, mit spitzer Feder rechnen würde, dürfte es einige Produkte bei Bosch nicht mehr geben, denn hier sei alles zeitaufwendige Handarbeit. Besonders knifflig sei die Herstellung von alkoholgefüllten Krustenpralinen wie beispielsweise Weinbrandbohnen.

Die einzelnen Arbeitsschritte möchte Hellstern seinen Besuchern bei Werksführungen zeigen. Die beginnt der Hausherr am liebsten Seite an Seite mit der alten Erika, der Teigpresse von 1950 für Wibele, die mit dem Umzug in den Ruhestand versetzt wurde. „Wir haben alte und neue Maschinen verknüpft, sonst wäre es zu teuer geworden“, sagt Hellstern, der hier im oberen einstelligen Millionenbereich investiert hat. Vorbei geht es an Krokantrührmaschinen, einer Presse für Kokosflocken aus dem Jahr 1914 bis zur zwölf Meter langen Schokoliermaschine samt Kühlkanal.

Per Bus in die Genusswelt

„Wenn Sie immer nur Hüftgold, Hüftgold jammern, sind Sie hier fehl am Platz“, ruft Hellstern seinen Besuchern noch zu. Und bald sollen wieder Busgesellschaften anlanden, die er selbst vom Bodensee herlotse – auch zur Wilhelma, zum Fernsehturm und zu Märklin, versteht sich.

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