Der geheime Schatz des Whiskybrenners sind seine Fässer: Wolfgang Fessler kontrolliert Qualität und Farbe. Foto: factum/Granville

Whiskybrennen ist Kult: Am Samstag wurde in der Fessler-Mühle der erste schwäbische Whiskyday gefeiert. Stilecht mit Dudelsack, kubanischen Zigarren sowie selbstgebranntem Gin und Whisky.

Sersheim - Vor 20 Jahren wurden sie noch für verrückt erklärt: Bauern, die erklärten, sie wollten das Brennen von Gin und Whisky in Württemberg heimisch machen. Inzwischen boomt die junge Branche. Was zunächst als Überlebensstrategie gedacht war, ist für einige eine prima Geldquelle geworden. Die Sache ist Kult, die Zahl der Fans steigend. Der vor zwei Jahren gegründete Württembergische Whisky- und Ginklub zählt 800 Mitglieder. Am Samstag wurde in der Sersheimer Fessler-Mühle der erste „Glencoe Swabian Whiskyday“ gefeiert – mit Dudelsack, kubanischen Zigarren und Whisky made in Schwaben.

Von den Schotten lernen heißt sparen lernen. So das landläufige Vorurteil. Und man sollte meinen, Schwaben seien die letzten, die bei Schotten in die Lehre gehen müssten. Trotzdem tun es immer mehr, und Hans-Gerhard Fink bringt es auf den Punkt: „Ich dachte mir, wenn es Schotten, die für ihre Sparsamkeit bekannt sind, fertig bringen, so guten Whisky zu brennen, dann sollten wir Schwaben das auch hinbekommen.“

Die hohe Kunst der Lagerung

Der Landwirt hat vor 19 Jahren mit ersten Experimenten begonnen und gehört mit seiner Destillerie Finch inzwischen zu den größten in Deutschland. Bei dem Unternehmen „aus dem Hochland“ (besser bekannt als Schwäbische Alb) werden pro Tag 800 Liter Hochprozentiges abgefüllt.

Dagegen sei er ein Waisenknabe, meint Wolfgang Fessel. Der Sersheimer Mühlenbetreiber, Landwirt und Veranstalter des ersten Whiskydays mischt erst seit vier Jahren im Geschäft mit Whisky und Gin mit. Eben erst durfte er einen ersten Single Malt-Whisky aus eigener Produktion präsentieren – ein Single Malt muss mindestens drei Jahre gereift sein. Fessler produziert bisher etwa 1000 Liter pro Jahr. „Das sind so 2000 bis 2500 Flaschen.“ Das große Plus, das beide Whisky-Hersteller für sich reklamieren: Vom Korn bis zur Abfüllung – alles kommt aus der Region.

„Um das Handwerk zu lernen, braucht man gute Tutoren“, sagt Wolfgang Fessler (63). Ergänzend zu deren Tipps und Hilfestellung habe er einen Destillierkurs an der Uni Hohenheim besucht. Als Müller, Bäcker und studierter Ernährungswissenschaftler sei ihm der Einstieg leicht gefallen. Zur hohen Kunst aber gehöre weniger das Destillieren als die Fassführung. Darunter versteht man die Auswahl der Fässer, in denen der hochprozentige Saft lagert und reift. Erst das Fass gibt die Geschmacks- und die Farbnote. „Man braucht eben Geduld“, sagt Fessler.

Lord oder Lady für 40 Euro?

„Geduld ist für mich ein Fremdwort“, sagt Hans-Gerhard Fink (53). Darum sei das Whiskybrennen eigentlich nicht das Richtige für ihn. Es habe gedauert, aber dann habe es ihn doch gepackt. „Irgendwann habe ich mich in diese Prozedur vernarrt“, sagt er. Das Wort Geduld komme aber weiterhin in seinem Wortschatz nicht vor: „Ich sage lieber, ich nehme mir Zeit.“

Am Nachmittag zogen dann die Stromberg District Pipes and Drums ein – eine Formation von Trommlern und Dudelsackpfeifern in stilechtem Schottenlook. Die Stromberg-Schotten spielten zu Ehren von Lord Stephen Rossiter, der zum Ehrenmitglied des Whiskyklubs ernannt wurde. Der echte Lord war in noblen Angelegenheiten unterwegs: Rossiter verkauft Grundstücke in einem Naturschutzgebiet in den schottischen Highlands. Wer ein Stück Land erwirbt , darf sich Lord oder Lady nennen. „Ein schönes Geschenk zu einem runden Geburtstag“, meinte Fessler. Bei einem Einstiegspreis von 40 Euro „für einen Quadratfuß“ Schottland konkurrierte der Landkauf mit dem Kauf von Whisky.

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