Viele Stuttgarter Studenten stoßen bei der Wohnungssuche auf hochpreisige Angebote Foto: dpa

Stuttgarter, die derzeit auf der Suche nach einem WG-Zimmer sind, können trotz Mietpreisbremse bei ihrer Recherche über überteuerte Angebote stolpern. Wie sieht ein solches Inserat aus?

Stuttgart - Wer heutzutage in Stuttgart ein WG-Zimmer sucht, stolpert immer wieder über sehr hochpreisige Angebote. Mieten jenseits der 500 Euro für ein Zimmer sind nicht selten. Das liegt auch an der Nachfrage: Mehr als 4000 Studenten stehen beim Stuttgarter Studierendenwerk auf der Warteliste für einen Platz im Wohnheim (Stand: September 2016).

Auf diversen Portalen finden sich Inserate für WG–Zimmer mit Rekordpreisen. Ein aktuelles Angebot für ein Zimmer im Stuttgarter Zentrum nahe dem Marienplatz beispielsweise liegt deutlich über dem ortsüblichen Durchschnittspreis. Das „Top Altbauzimmer in großer 3er WG im Stuttgarter Süden — mega Hausgemeinschaft“ ist für 560 Euro Gesamtmiete (davon sind 515 Euro Kaltmiete) zu haben.

„Nicht nur vor sich hin gammeln“

Neben den Kosten für die Miete stellen die Inserenten noch weitere Bedingungen: Sie fordern „einige Abschlags– (750 Euro) und Kautionskosten (1200 Euro)“. Außerdem sollte der neue Mitbewohner auch am sozialen Leben innerhalb der Wohngemeinschaft Interesse zeigen und „nicht nur in seinem Zimmer vor sich hin gammeln.“ Die Inserenten warten nun auf Kontaktanfragen von Leuten, die „das alles ganz geil finden“.

Die Fläche des in diesem Inserat beworbenen WG–Zimmers beträgt 17 Quadratmeter, die gesamte Wohnung ist 110 Quadratmeter groß. Vorausgesetzt, alle privaten Zimmer sind gleich groß, käme man auf einen Quadratmeterpreis von 13,90 Euro für die Fläche, die einer der drei Mitbewohner zur Verfügung hat. Laut dem Mietpreisspiegel der Stadt Stuttgart beträgt der durchschnittliche Quadratmeterpreis in einer Altbauwohnung dieser Größe mit bestmöglicher Ausstattung und in einer Lage mit Vorteilen aber nur zwischen 8 Euro und 10,50 Euro.

Studenten leiden besonders unter der Situation

Laut Mietpreisbremse dürfte die Miete jedoch lediglich zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. „Tatsächlich merken wir leider gar nichts von der Mietpreisbremse, was an den gesetzlichen Ausführungen liegt, bei denen aus unserer Sicht dringend Nachbesserungen notwendig sind“, erklärt Udo Casper, der Landesgeschäftsführer des Deutschen Mieterbunds Baden–Württemberg. Das große Problem für Betroffene sieht er darin, dass ein Pochen auf die Mietpreisbremse bei Wohnungsbesichtigungen die Chancen erheblich verschlechtert, überhaupt eine Wohnung zu bekommen.

„Die WG–Problematik hängt mit der allgemeinen Wohnsituation zusammen,“ erklärt Udo Casper. Für die über die letzten Jahre kontinuierlich gewachsene Konkurrenz auf dem WG-Markt führt der Geschäftsführer des Mieterbundes die steigende Anzahl an Single-Haushalten und den Trend zu multilokalem Wohnen an, den es auf Grund der häufig bestehenden, räumlichen Distanz zwischen Wohn- und Arbeitsort gibt. Außerdem habe sich die allgemeine Nachfrage nach Wohnraum im letzten Jahr noch durch die steigende Anzahl an Flüchtlingen verschärft. „Wenn nicht deutlich mehr Wohnungen gebaut werden, wird sich die derzeitige Situation nicht entspannen“, resümiert Udo Casper.

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum und die dadurch hohen Mieten sind vor allem für Studenten ein großes Problem. Aus diesem Anlass stellt die Uni Hohenheim seit einigen Jahren Notunterkünfte mit Feldbetten und sanitären Anlagen, damit die Studenten wenigstens ein Dach über dem Kopf haben.

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