Auch am vergangenen Freitag haben Schüler vor dem Rathaus gegen die Klimakatastrophe demonstriert. Foto: Hans Jörg Wangner

Das WG West hat eine Bildungspartnerschaft mit der BW Bank abgeschlossen. Der noch recht neue Schulleiter Klaus Beringer möchte seine Schule auch nach außen in den Stadtbezirk öffnen.

S-West - Den Teestand hatten die Schülerinnen und Schüler dann doch fast umsonst aufgebaut. Eigentlich wollten sie sich am internationalen „Warm sweather day“ beteiligen – ein Tag, an dem man warme Pullover tragen und im Gegenzug die Heizung herunterdrehen soll, um Energie zu sparen. „Bei uns im Gebäude ist es leider gar nicht so richtig kalt geworden“, sagt Klaus Beringer, seit April Schulleiter am Wirtschaftsgymnasium West (WG West). Dabei habe man schon am Freitag die Heizung auf 18 Grad eingestellt. Die Wände des Gebäudes an der Rotebühlstraße 101 scheinen noch gut isoliert zu sein. Aber insgesamt sei dies ja auch nur eine „kleinere Aktion“ gewesen.

Die Schüler engagieren sich selbst viel für Umwelt- und Klimaschutz

Die aber den Schülern trotzdem etwas gebracht hat. Denn es habe Workshops zum Thema Umwelt und Nachhaltigkeit gegeben, an denen die Umweltbeauftragten aus den einzelnen Klassen und die Teilnehmer des Seminarkurs Umweltmanagement teilnehmen durften. Vor kurzem hat das WG West mit der BW-Bank im Westen, also dem Beratungscenter Westend und der Filiale am Moltkeplatz eine Bildungspartnerschaft abgeschlossen. „Wir haben uns überlegt, was wir gemeinsam zum Thema Ökologie und Umweltschutz machen können“, so Beringer. Das WG habe auch verschiedene Umweltzertifikate erhalten, für die sich die Schülerinnen und Schüler immer selbst einsetzten, wie zum Beispiel eine Auszeichnung des städtischen Umweltamtes für die „Beschäftigung mit den Themen Energie, Klimaschutz und Umwelt“.

Seine Schüler sollen nicht in der Schule lernen, sondern auch außerhalb

Beringer, der den Schulleiterposten von seinem erkrankten Vorgänger im Frühjahr übernommen hat, findet es wichtig, dass seine Schüler sich mit aktuellen Problemen beschäftigen, auch über den reinen Unterricht hinaus. Dabei gehe es zum einen um die Berufsvorbereitung, aber eben auch darum „die Schüler mit Welten zu konfrontieren, die sie nicht kennen“. Das könnten Ausflüge ins Ballett oder ins Theater sein oder auch ein Tag bei der Straßenzeitung Trottwar oder in der Vesperkirche. „Themen eben, die zum Leben dazugehören, die zeigen, was Vielfalt ist.“ Manche Schüler seien noch nie im Theater gewesen davor.

Das WG West ist eines von vier Wirtschaftsgymnasien in Stuttgart. Vor mehreren Jahren stand die Zukunft der Schule im Zuge der regionalen Schulentwicklung der Stadt Stuttgart auf der Kippe. Letztlich entschied sich das Regierungspräsidium aber dann, die kaufmännische Schule Süd in die im Westen zu integrieren. Dadurch konnte man das WG West erhalten.

Beringer ist seit 29 Jahren dort Lehrer, wohnt auch seit jeher im Stuttgarter Westen. In den letzten 15 Jahren war er aber kaum an der Schule tätig, sondern hauptsächlich für das Regierungspräsidium und das Kultusministerium. Seine Ziele für die Schule? „Die Schüler sollen gerne hier herkommen, auch weil sie bei uns etwas lernen – auch außerhalb des Unterrichtes.“

Das umweltpolitische Engagement seiner Schüler schätzt er. Inzwischen ist dies ja auch eine große Bewegung geworden. Seit Dezember protestieren Schüler unter dem Motto „Fridays for Future“ (Freitage für die Zukunft“ für wirksame Maßnahmen in der Umwelt- und Klimapolitik. Inspiriert hat sie dazu die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg. Vom WG West hätten bisher keine Schüler daran teilgenommen, glaubt Beringer. „Wenn sie es tun würden, würde ich rollenadäquat darauf reagieren“, sagt er. Natürlich müsse er dann darauf hinweisen, dass es auch außerhalb der Schulzeit Möglichkeiten gäbe seine Meinung kundzutun. „Aber ich habe selbstverständlich auch eine gewisse Sympathie für Jugendliche, die sich engagieren“, sagt er.

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