Unter der Aufsicht von Christian Heneka (oben) nehmen die Sechstklässler ihre selbst geschriebenen Rapsongs auf. Am Ende wird Colin Götz (r.) gewinnen. Foto: Julia Bosch

Am Wilhelms-Gymnasium in Stuttgart-Degerloch hat Christian Heneka einen Workshop im Sprechgesang gegeben. Er ist Realschullehrer, Rapper und Produzent.

Degerloch - Anna kann sich nicht mehr halten vor Lachen. Ihr Mitschüler Colin hat soeben schon wieder zu früh angefangen zu rappen. Das Tablet hat erst das Intro des Lieds abgespielt; der Elfjährige dachte, er sei schon dran und hat begonnen, seinen selbst verfassten Text aufzusagen. Also: neuer Versuch.

Die beiden Sechstklässler des Degerlocher Wilhelms-Gymnasiums (WG) haben am Dienstag gemeinsam mit zehn anderen Klassenkameraden an einem Workshop von Christian Heneka teilgenommen. Heneka ist ein Realschullehrer aus Karlsruhe, der bereits seit Jahren nebenberuflich als Rapper, Produzent und DJ arbeitet. Der 39-Jährige hat Anfang dieses Jahres einen Wettbewerb namens Raptalent gegründet, bei dem er an mehreren Schulen und Jugendzentren in Baden-Württemberg jungen Menschen den Sprechgesang beibringt und sie gegeneinander antreten lässt. Die fünf Besten kommen ins Finale und treten am 21. Juli bei der Open-Air-Veranstaltung „Das Fest“ in Karlsruhe auf.

Es geht nicht nur ums Ergebnis

„Das Besondere ist, dass neben dem musikalischen Können der Schüler auch Teamgeist und soziale Fähigkeiten zählen“, sagt Christian Heneka. Wenn am Ende des halbtägigen Workshops jeder Schüler seinen Rap auf der Bühne vorgetragen hat, bewerten die Mitschüler nicht nur das reine Ergebnis, sondern auch, wie sich derjenige während des Workshops in der Gruppe verhalten hat und ob er als Teamplayer agiert hat. „Die jungen Menschen sollen dabei lernen, anderen etwas zuzugestehen.“

Bevor die Schüler am Dienstag ihre Raptexte geschrieben hatten, haben sie zunächst einiges über Rap gelernt – etwa, dass der Sprechgesang gemeinsam mit Graffiti, Breakdance und DJing die vier Säulen des Hip-Hops bildet. „Und Hip-Hop hat ursprünglich auch bedeutet, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.“ Nach dem theoretischen Teil sollten die Schüler gemeinsam ein Thema für ihre Vierzeiler festlegen; die Sechstklässler haben sich auf Egoismus und Teamarbeit geeinigt. Nachdem das Thema festgelegt war, ging es ans Schreiben – und dann ans Aufnehmen. Zunächst zur Probe auf dem Tablet, dann in ein echtes Studiomikrofon.

Nur ein einziges Mädchen nimmt teil

Ursprünglich wurde der Wettbewerb Raptalent für Kinder im Alter zwischen elf und 16 Jahren ausgelegt. Weil sich am WG aber sehr schnell zwölf Schüler aus der sechsten Klasse meldeten, die gerne teilnehmen wollten, wurde die Anmeldeliste direkt geschlossen. „Ich habe bereits vergangenes Jahr einen Workshop am WG gegeben, offenbar haben sich die Schüler davon erzählt“, sagt Christian Heneka. Und vor allem die Jungs waren offenbar angetan: Unter den zwölf Teilnehmern war am Dienstag nur ein einziges Mädchen. „Das ist üblicherweise gleichmäßiger verteilt, meist sind es etwa 40 Prozent Mädchen und 60 Prozent Jungs“, sagt Heneka.

Am Ende wird am WG Colin Götz zum Sieger gekürt – der Elfjährige, der anfangs noch belächelt wurde, weil er zu früh mit dem Rappen begonnen hatte. Er behauptet sich nun am 13. April beim Halbfinale gegen neun andere Schüler. Und wenn er dort weiterkommt, geht es auch für ihn am 21. Juli zum „Fest“ nach Karlsruhe.

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