Wetter in Stuttgart und Region Deshalb sind Gewitter häufig nur lokal

Von Mathias Bury 

Oft lokal begrenzt, häufig stark: Gewitter mit Starkregen in der Region. Foto: dpa
Oft lokal begrenzt, häufig stark: Gewitter mit Starkregen in der Region. Foto: dpa

Am Nachmittag, am Abend und in der Nacht ist wieder mit Schauern und Gewittern in der Region Stuttgart zu rechnen. Auch unwetterartig und erneut eher lokal begrenzt. Das wirkt sich auch auf den Flugverkehr von und nach Stuttgart aus.

Stuttgart - In den vergangenen Tagen ist es in der Region Stuttgart immer wieder zu örtlich begrenzten Gewittern gekommen, gerne mal mit Starkregen. Wer vorher gerne gewusst hätte, wo genau sich da ein Umwetter zusammenbraut, dem konnten auch der Wetterdienst nicht weiterhelfen. „Die Schauer und Gewitter werden wieder sehr lokal sein“, erklärte Sarah Jäger, Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst in Stuttgart auf dem Schnarrenberg, dazu. Auch über die punktuelle Ergiebigkeit könne man keine Aussage treffen.

Und das war auch schon immer so, obwohl die Vorhersagbarkeit von Wetterphänomenen „sogar noch etwas besser geworden ist“, erklärt die Meteorologin. Denn eines sei unverändert: „Die Atmosphäre ist ein chaotischer Zustand.“ Insbesondere in der gegenwärtigen Wetterlage. Anders als die zurückliegenden Tage mit heißem und trockenem Wetter befinde sich auch die Region Stuttgart zwischen dem stabilen Hoch in Osteuropa und einem Tief über dem Nordatlantik. Letzteres „hat sich uns angenähert“ und bringe nun feuchte Luft mit – und eben Schauer und Gewitter.

Ein Tief bringt feuchte Luft

Wie so oft, wenn man zwischen Baum und Borke hängt, sind das eher komplizierte Verhältnisse. Trotz einströmender feuchter Luft sei die Wetterlage insgesamt immer noch ruhig. „Es gibt kaum Druckgegensätze, kaum Wind“, sagt Sarah Jäger. Das mache die Vorhersage schwierig. Das Verhalten eines Tiefs mit Kaltfront, starken Temperatur- und Druckunterschieden, mit Gewitter und Wind lasse sich jedenfalls besser vorhersagen.

Hitzeblasen steigen auf

Die Meteorologin vergleicht die derzeitige Situation mit einem Kochtopf voller Wasser, das man erhitzt. „Da kann man auch wetten, wo die erste Luftblase hochgeht.“ Ähnlich wie im flüssigen Medium erhitzt sich die Erdoberfläche, es entstehen Luftblasen mit Thermik, also Aufwinden, die feuchten Hitzeblasen steigen auf und bilden Wolken. Nur wo?

Zumeist bleiben die Gewitterzellen wegen des ruhigen Wetters stehen und regnen ihren Inhalt an Ort und Stelle ab. Das kann dann ziemlich viel sein. Diese „Starkregenwetterlagen“, sagt Sarah Jäger, haben „durch die Temperaturerwärmung der vergangenen Jahre“ potenziell zugenommen, weil warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. „Mehr Wärme, mehr Feuchtigkeit, mehr Starkregen“, sagt sie. Und das gelegentlich nur an einer Stelle. Wie Anfang Juni in Stuttgart-Mühlhausen, als sich bei einem Gewitter eine nie dagewesene Flutwelle durch den Ort wälzte und mehr als 30 Häuser und Autos beschädigte. „Diese Intensität kann vielleicht schon auf den Klimawandel zurückgeführt werden“, erklärt die Meteorologin.

Auch auf den Flugverkehr haben diese lokalen Gewitter Auswirkungen. Etwa weil Maschinen von und zum Stuttgarter Flughafen ihre Route ändern und an Stellen und in Höhen auftauchen, wo man sie sonst nicht erwartet. „So ein Gewitter ist eine richtige Krachmaschine“, sagt Holger Gorshöfer, Supervisor bei der Flugsicherung am Stuttgarter Flughafen. „Da stecken so ziemlich alle Gefahren drin: starke Aufwinde, starke Abwinde, Blitzschlag, Hagel, die ganze Palette“, erklärt der betriebliche Leiter der Flugsicherung. „Da fliegt keiner freiwillig rein, da kann eine Maschine ganz schön in die Bredouille kommen.“

Deshalb dürften die Piloten in Absprache mit der Flugsicherung ihre üblichen Strecken in solchen Fällen auch verlassen, sofern die geltenden Sicherheitsstandards noch gewährleistet seien, so Gorshöfer. So haben am Dienstagabend im Stuttgarter Westen Anwohner plötzlich Maschinen, die sonst sehr viel höher fliegen, deutlich wahrgenommen. „Im Umkreis des Flughafens sagen die Leute, wenn die Flugzeuge abdrehen, dann kommt was“, erzählt der Supervisor. Je nachdem, wie die Ausweichroute der Maschinen verläuft, könnten die Menschen auch vorhersagen, „woher das Gewitter kommt“, sagt Holger Gorshöfer.

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