Ein Traktor wirbelt bei der Arbeit auf dem Feld Staub auf. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der Wachstumsmonat April geizt mit Regen. Dafür wirft sich die Sonne ins Zeug und scheint knapp 250 Stunden. Wie schaut es an den Eisheiligen aus?

April 2026: Ein Traktor zerrt eine Egge über einen braunen Acker am Stadtrand von Stuttgart und zieht dabei eine Schleppe aus Staub hinter sich her, die der Wind größtmöglich verteilt und weitertreibt. Auf den oft schon frühlingsfrisch gereinigten Fenstern legt sich zu dem Ackerstaub zudem in der ganzen Stadt ein Film aus Blüten- und Saharastaub. Auf den Straßen rollen gepuderte Autos in der gleißenden Frühjahrssonne. Von Pollen geplagte Menschen tragen Masken und blicken flehentlich in den oft blauen Himmel.

 

Ach wäre das schön, wenn es endlich mal wieder ordentlich regnen und Staub und Pollen so richtig aus der Luft gewaschen werden würden. Klar wäre so ein richtiger Guss ein Segen für Allergiker und natürlich auch für die Natur gewesen. Stabile Hochs namens Peter, Quirin, Stefan, Tilman, Uli und Winfried (passend zur Verabschiedung von Winfried Kretschmann an Ende des Monats) hatten da aber etwas dagegen.

Platz sechs im Trockenranking seit Beginn der DWD-Aufzeichnungen 1951

„Es war in der Tat sehr trocken in der Stadt“, sagt Andreas Pfaffenzeller, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Stuttgart. „An der Messstation Schnarrenberg wurde gerade mal 15,4 Liter Niederschlag im gesamten Monat gemessen.“ Das sind wirklich nur ein paar mickrige Tropfen für einen Wachstumsmonat.

In Zahlen bedeutet das nur 40,5 Prozent der knapp 54 Liter, die man in einem durchschnittlichen April erwarten darf. Der zweite Frühlingsmonat schafft es damit auf Platz sechs im Trockenranking seit Beginn der DWD-Aufzeichnungen 1951. Und nachdem auch der März schon zu trocken war, ist der Überschuss an Regen vom Februar mehr als aufgebraucht.

„Es war in der Tat sehr trocken in der Stadt.“

Andreas Pfaffenzeller, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD)

Dass trotzdem außer bei Landwirten und Hobbygärtnern ohne Wasseranschluss oder Brunnen am Stückle keine schlechte Laune aufkam, lag am strahlenden Sonnenschein. Vor allem am Monatsende jubelten Photovoltaiker und passionierte Sonnenbader über den tiefblauen Himmel und Sonne satt. Bei der Eröffnung des Möhringer Freibads am letzten Samstag im April warfen sich denn auch etliche Badefans nach dem Schwimmen auf die Wiese. Volle Breitseite in praller Sonne und das oft ohne Creme mit Lichtschutzfaktor, da man so die im Winter schwächelnde Vitamin-D-Produktion ankurbeln wollte. Da aber aus den empfohlenen 15 Minuten oft Stunden wurden, gab es so manchen Sonnenschaden, der in einigen Jahren Dermatologen beschäftigen könnte. Aber gut, der Himmel war Ende des Monats derart aufgeräumt, die Luft so trocken, dass man abends bei der Pflege des Sonnenbrandes auf der Terrasse bei dem hell strahlenden Vollmond fast ohne Lampe lesen konnte. „Die Sonne schien im April knapp 248 Stunden, das entspricht etwa 133 Prozent des vieljährigen Mittels“, bilanziert Meteorologe Pfaffenzeller.

Der April macht ja bekanntlich was er will. Bei der Temperatur blieben die berüchtigten Extremschwankungen zwischen Hitze und Graupelschauern aber weitgehend aus. Es war man mal ein bisschen kühler und mal etwas wärmer als der langjährige Schnitt von 10,7 Grad aber ohne die ganz großen Ausschläge.

Obwohl es abends und nachts oft empfindlich kühl war, wurde nur am 2. April mit minus 0,2 Grad leichter Frost am Schnarrenberg gemessen. Hitzerekorde gab es allerdings auch nicht. Natürlich war der Monat mit 11,5 Grad im Schnitt 0,8 Grad zu warm, aber das ist in Zeiten des ungebrochenen Klimawandels mittlerweile normal. Wie sich das Klima verändert hat sieht man im Vergleich zur Periode 1991 bis 1990. Da war ein durchschnittlicher April 2,6 Grad kühler als der aktuell und es gab mindestens an drei Tagen Minustemperaturen.

15,4 Liter Niederschlag wurden an der Messstation Schnarrenberg für den Monat April gemessen.

Frost ist im Übrigen auch für die Eisheiligen zwischen dem 11. und 15. Mai nicht in Sicht. Viel Regen, der die Trockenheit ausgleichen könnte, auch nicht. Es wird wohl im letzten Frühlingsmonat mehr Regen geben als im April und wohl auch wie im März. Richtig ergiebige Niederschläge sind allerdings zumindest bis Mitte des Monats nicht zu erwarten. Aber danach wäre ja noch genug Zeit das Grundwasser ein wenig zu pflegen und entspannt auf den Sommer zu warten.

Seriöse Prognosen für die zweite Hälfte des Mais gibt es freilich noch nicht. Aber eine Bauernregel, die Nässe verspricht: „Ist der April zu schön, kann im Mai der Schnee noch gehn.“ Na dann.