Alles im Blick: der Wetterdiensttechniker. Hans Juchert an seiner Wetterstation im heimischen Garten in Eislingen. Foto: /Dirk Hülser

Noch nie wurde im Kreis Göppingen bei der Temperatur ein höherer Durchschnittswert gemessen als im abgelaufenen Jahr 2024. Es gab auch erheblich zu viel Regen.

Weltweit war 2024 das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen und auch im Filstal zeigen sich die Folgen des menschengemachten Klimawandels. Der Eislinger Wetterdiensttechniker Hans Juchert hat seine Messungen ausgewertet und zieht diese Bilanz: „Das Jahr 2024 schloss mit einer Mitteltemperatur von 11,6 Grad ab. Damit war das Jahr noch um ein Zehntel wärmer als das vorangegangene Jahr 2023 und damit wohl das vorläufig wärmste Jahr in unserer Gegend seit Beginn der Industrialisierung.“ Damit war das Jahr um 1,8 Grad wärmer als das langjährige Mittel.

 

Dabei waren die Temperaturen an sich gar nicht rekordverdächtig, der bisherige Höchstwert in Eislingen von 37 Grad am 25. Juli 2019 wurde nicht annähernd erreicht. Als höchste Temperatur im abgelaufenen Jahr hat Juchert 34,6 Grad am 13. August notiert. In den beiden Vorjahren lagen die Höchstwerte bei deutlich wärmeren 36,6 und 36,8 Grad. Kalt war es natürlich auch, doch auch der Frost war 2024 nicht extrem: Jucherts Thermometer zeigte nie weniger als minus 8,4 Grad an, die wurden am 12. Januar gemessen.

Das Hochwasser führte zu erheblichen Schäden

Jedoch hatte das vergangene Jahr erhebliche Niederschlagsmengen zu bieten – exakt 120 Prozent des langjährigen Solls haben Jucherts Messgeräte registriert: 1106 Liter pro Quadratmeter. Zum Vergleich: 2023 wurde mit 930 Litern und 101 Prozent ziemlich genau der erwartbare Durchschnittswert erreicht, 2022 entsprachen 898 Liter 97 Prozent des Solls.

Das vergangene Jahr begann frisch, dann ging es aber warm weiter, berichtet Juchert: „Nach einem kalten, aber schneearmen Januar zeigte sich der Februar schon vielfach vorfrühlingshaft. Während es im Januar 19 Frosttage, davon zwei Eistage gab, ging im Februar die Temperatur nur zwei Mal unter den Gefrierpunkt.“ Die Temperaturabweichung lag dabei bei „beachtlichen“ 5,6 Grad, die höchste Temperatur bei 16,7 Grad.

Darauf folgte ein überwiegend wechselhaftes Frühjahr mit nur seltenen Schönwetterperioden. „Dabei lag die Mitteltemperatur leicht über dem langjährigen Wert, während zum Teil extrem viel Niederschlag fiel“, sagt Juchert, der im Ruhestand ist und beruflich beim Deutschen Wetterdienst am Flughafen Stuttgart gearbeitet hat. „Im Mai fiel mehr als das Doppelte vom 30-jährigen Niederschlagsoll. Innerhalb von nur drei Tagen fielen Ende Mai und Anfang Juni 160,7 Liter, was verbreitet zu Hochwasser führte.“ Die Folge waren erhebliche Schäden im Raum Eislingen, aber auch im oberen Filstal.

Nasser und dabei doch sommerlicher September

Und es ging laut Juchert gerade so weiter: „Auch der erste Sommermonat, der Juni, war extrem nass. Erneut fiel mehr als das Doppelte der langjährig gemittelten Menge.“ Aber die Temperaturen hätten sich der Jahreszeit angepasst: „In den Monaten Juni bis August zählte ich 56 Sommertage, davon 18 heiße Tage mit Temperaturen über 30 Grad. Im August nahmen auch die Sonnentage zu, es wurde auch trockener.“ Der September war dann wieder oft nass, aber noch sommerlich. Anfang des Monats stieg die Temperatur noch über 30 Grad. „Doch im weiteren Verlauf gingen die Temperaturen doch allmählich zurück. Der Herbst zeigte sich sehr wechselhaft mit häufigen Niederschlägen. Der November gestaltete sich oft trüb mit viel Nebel“, bilanziert der Eislinger Wetterdiensttechniker. „Im Dezember war von echtem Winterwetter noch nicht viel zu spüren. Immerhin gab es aber 16 Frosttage.“

Das Wetterjahr 2024 in Zahlen

Wetterstation
 Der wärmste Tag des Jahres in Eislingen an der Station von Hans Juchert war der 13. August mit 34,6 Grad. Der kälteste Tag war der 12. Januar mit minus 8,4 Grad. Der wärmste Monat war der August mit durchschnittlich 21,3 Grad, der Januar sorgte für den Kälterekord mit im Schnitt 2,1 Grad.

Regen
Den meisten Regen brachte der Mai mit 202 und der Juni mit 211 Litern pro Quadratmeter, das waren mehr als 200 Prozent der üblichen Mengen.

Statistik
Jucherts Statistik zeigt, dass es im gesamten Jahr an 27 Tagen gewitterte, an 43 Tagen gab es Frost. Nur an fünf sogenannten Eistagen erreichte die Temperatur nicht den Plusbereich. Für 2024 sind in Eislingen 71 Sommertage (mit mindestens 25 Grad) verzeichnet sowie 20 heiße Tage mit Temperaturen von mehr als 30 Grad.