Der Schönbuchturm bietet tolle Ausblicke auf das Nebelmeer. Foto: Siegfried Dannecker/Archiv

Zwei Wetterexperten geben eine Einschätzung für den Kreis Böblingen und erklären, was die Bildung von Nebel begünstigt.

Es ist ein Bild, das sich dieser Tage beim morgendlichen Blick aus dem Fenster oft zeigt: Dichter Nebel hüllt Stadt, Wald und Feld ein. Tritt in diesem Winter also überdurchschnittlich häufig Nebel auf? Eine Antwort des Deutschen Wetterdienst (DWD) legt nahe, dass die Antwort „Ja“ lauten dürfte.

 

Allerdings gibt es im Kreis Böblingen keine Messstation des DWD, die kontinuierlich die Sichtweite misst, teilt Meteorologe Hanns Ulrich Kümmerle mit. Er habe daher stellvertretend für den Kreis Messdaten vom Stuttgarter Schnarrenberg ausgewertet. Diese geben demnach eine grobe Orientierung, eins zu eins übertragbar sind sie nicht. Denn Kümmerle geht davon aus, dass in feuchten Tälern und Senken, wie es sie im Kreis Böblingen gibt, noch häufiger Nebel auftritt als am Schnarrenberg.

Was die Daten sagen

Aber allein am Schnarrenberg wurden in der ersten Januarhälfte 20 Nebelstunden registriert. „Damit ist bereits zur Monatsmitte der langjährige Nebelmittelwert 2005 bis 2023 von 18,8 Stunden überschritten“, sagt Kümmerle. Von Nebel sei übrigens dann die Rede, wenn die horizontale Sichtweite unter einem Kilometer liegt.

Blick vom Schönbuchturm: Die Sonne versinkt im Nebelmeer /Jan-Philipp Schlecht

Einer der das Wetter im Kreis gut kennt ist Michael Schatt. Er betreibt seit 2013 auf Facebook eine Wetter-Seite und hatte lange eine eigene Wetterstation in Magstadt. „Es ist auffällig, dass es so viele Nebeltage gibt“, sagt der 29-Jährige. „Aber es ist nichts Außergewöhnliches.“ Die topografischen Bedingungen im Kreis, die Täler und Höhen, bildeten eine gute Voraussetzung für Nebel, vor allem in der kalten Jahreszeit.

Als Erklärung für die wohl überdurchschnittlich vielen trüben Stunden in diesem Winter verweisen Kümmerle und Schatt auf die Wetterlage. „Diesen Winter gab es lang anhaltende Hochdruckgebiete mit klaren Nächten und hoher Luftfeuchtigkeit“, sagt Schatt und beschreibt anschaulich, wie sich Nebel bildet. „Stellen Sie sich vor, Sie decken eine Schüssel mit warmem Wasser ab. Die warme Luft steigt auf und trifft auf die kalte Unterseite der Abdeckung. Dort kondensiert der Wasserdampf zu kleinen Wassertröpfchen – es entsteht Nebel.“ Ähnlich verhalte es sich in der Atmosphäre bei Hochdruckwetterlagen. „Hochdruckgebiete bringen meist windstille Bedingungen mit sich, bei denen die Luftmassen ruhig übereinander liegen“, erklärt Schatt. In klaren Nächten kühle der Boden stark ab, die Luft darüber dementsprechend auch. Kalte Luft nehme allerdings weniger Feuchtigkeit auf und ein Austausch mit der höheren, wärmeren Schicht finde kaum statt. Die Folge: „Wenn die Luftfeuchtigkeit hundert Prozent erreicht, kann der Wasserdampf nicht mehr in der Luft bleiben.“ Es gibt: Nebel.

Nebel kommt eigentlich seltener vor

DWD-Meteorologe Kümmerle weist darauf hin, dass die zahlreicheren Nebelstunden keinen übergeordneten Trend widerspiegelten. Im Gegenteil: Insgesamt sei deren Zahl sogar rückläufig. Über die Gründe könne er nur spekulieren, zwei Ursachen würden demnach aber als wahrscheinlich gelten. Zum einen eine sauberere Luft, in der es weniger Ruß- und Staubpartikel gebe, an die sich Wassertröpfchen lagern könnten. Zum anderen der Klimawandel, denn wärmere Luft könne mehr Wasserdampf aufnehmen, sodass sich möglicherweise seltener Nebel bilde, so der Experte.