Staub zieht über eine vertrocknete ehemalige Waldfläche an der Autobahn A9 bei Fichtenwalde in Brandeburg, die bei einem Feuer 2018 abgebrannt war. Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Der Tag des Baumes am 25. April steht unter keinem guten Stern: Viele Bäume leiden noch immer unter den Spätfolgen des Dürrejahres 2018, haben Stress oder sterben. Und 2019 könnte es noch mal schlimmer werden.

Stuttgart - Der Dürresommer hat Deutschlands Wäldern extrem zugesetzt. Nach den Berechnungen von Klimaforschern wird es künftig häufiger extreme und lang anhaltende Trockenheitsphasen wie 2018 geben.

Die Schäden solcher Jahre zeigen sich schon jetzt: Viele neu gepflanzte Bäume haben nicht mal den Winter überlebt und sind verdorrt und vertrocknet, wie die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald berichtet.

„Auf anhaltende Dürren sind unsere Wälder nicht eingestellt“

Wir sprachen mit Jerg Hilt, Geschäftsführer der Forstkammer Baden-Württemberg Waldbesitzerverband, über die Lage der Wälder im Südwesten.

Herr Hilt, wie stehen Baden-Württembergs Wälder nach dem Dürrejahr 2018 da?

Der Dürresommer 2018 hat erhebliche Schäden an allen Baumarten in Baden-Württemberg verursacht. Wir haben deutliche Probleme an Fichten, Tannen, Kiefern und Buchen. Drei Millionen Festmeter Schadholz waren 2018 im Südwesten angefallen – das sind ein Drittel des durchschnittlichen Gesamteinschlags von neun Millionen Festmeter. Wenn das in diesem Jahr so weitergeht und die Schäden noch zunehmen, ist das sehr kritisch.

Was bedeutet diese hohe Schadholzmenge für die Waldbesitzer und Forstindustrie?

Es ist mit einem deutlich höheren Aufwand verbunden, das Holz aus dem Wald zu holen. Gleichzeitig sind die Erlöse niedriger und die Folgekosten für die Wiederaufforstung höher.

Wie groß sind die durch die lang anhaltende Trockenheit des vergangenen Jahres angerichteten Schäden?

Im Moment kann man davon ausgehen, dass es keine Waldfläche in Baden-Württemberg gibt, die nicht unter dem Hitzestress leidet. Wir haben diese Schäden aber nicht nur in Baden-Württemberg und in Deutschland, sondern in ganz Europa.

Sonniges Wetter ist gut fürs menschliche Gemüt. Was bedeuten die vielen schönen Tage für die Bäume?

Die Ostertage waren für die Menschen herrlich, aber für den Wald ein schlechtes Signal. Wenn es so weitergeht, stellt sich die Frage, wie wir unsere Wälder noch erhalten können. Auf anhaltende Dürren sind unsere Baumarten und Wälder nicht eingestellt. Deshalb laufen Untersuchungen mit anderen Baumarten.

. . . die aber wahrscheinlich keine schnellen Resultate bringen.

Selbst wenn man neue Baumarten findet, können die nicht von heute auf morgen angebaut werden. Es ist in der Forstwirtschaft nicht wie in der Landwirtschaft, in der man jedes Jahr die Feldfrucht wechseln kann. Wir arbeiten in sehr langen Zeiträumen.

Welche Schäden stellen Sie an den heimischen Wäldern fest?

Bei vielen Baumarten ist es nicht so, dass sie infolge eines Dürrejahres vertrocknen wie Wiesen in der Sonne. Bäume erleiden durch Trockenheit Schäden – etwa an der Feinwurzelmasse in der Erde, die geschädigt wird. Laubbäume haben weniger Wasser, das Laub fällt früher ab. Nadelbäume produzieren weniger Harz, mit der sie sich gegen Schädlinge wehren können. Dadurch ergeben sich in den Folgejahren zunehmende Schäden. Die Bäume werden geschwächt und anfällig für Schädlinge. Das ist genau das, was wir beobachten. Und wir haben die große Sorge, dass sich diese Entwicklung weiter verstärkt.

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