Die Tage vom 11. bis 15. Mai sind als die letzten kalten Tage des Frühjahrs bekannt. Was ist dieses Jahr los? Und beachten Bauern überhaupt noch die Wetterregel?
Dieses Jahr sind die Eisheiligen eher so etwas wie Heißheilige: die Temperaturen klettern auf den Fildern teils über die 25-Grad-Marke und gelten damit aus meteorologischer Sicht als Sommertage. Was ist da los? Haben die Eisheiligen und der damit verbundene Kälteeinbruch dieses Jahr ihren Auftritt verpasst?
Das Phänomen, dass es auch im vorangeschrittenen Frühling noch einmal zu einem Kälteeinbruch kommen kann, finde nicht immer zwingend zwischen dem 11. und 15. Mai statt, also den Tagen, die nach den Heiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia benannt sind, erklärt der Meteorologe Uwe Schickedanz vom Deutschen Wetterdienst (DWD). „Aber bis Mitte Mai können Kälterückfälle das letzte Mal auch noch Nachtfrost bringen.“ Trete nach dem 15. Mai noch einmal eine Kältewelle ein, komme es in unseren Breitengraden in der Regel nicht mehr zu Bodenfrösten – außer vielleicht in höheren Lagen, nicht aber auf der Filderebene. Wobei es nicht so sei, dass das Risiko für Nachtfröste am 15. Mai noch groß und am 16. Mai gleich Null sei. Aber das Risiko nehme ab. „Empfindliche Pflanzen können dann eigentlich raus“, sagt Schickedanz.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Warum gewittert es häufig auf den Fildern?
Kälteeinbrüche könne es natürlich auch später im Jahr noch geben – bekannt sei etwa die Schafskälte im Juni. „Das ist im Prinzip etwas ähnliches. Aber dann gibt es keinen Bodenfrost mehr, sondern es ist einfach lästig kalt“, sagt der Wettermann aus Filderstadt, der die Regionale Wetterberatung Stuttgart leitet. Daher seien die Eisheiligen bei Landwirten und Gärtnern ein viel beachtetes Datum, um auszuschließen, dass frisch ausgetriebene Saat Frost abbekommt. Und auch Schickedanz selbst hat die Eisheiligen im Kopf, wenn er den Zeitpunkt festlegt, wann Zitronenbäumchen und Tomatenpflanzen bei ihm daheim in die Loggia raus sollen. Normalerweise warte er damit bis nach der Kalten Sophie, nur dieses Jahr habe er sich mit Blick auf den Wetterbericht schon früher getraut. Seit einer Woche stünden seine Pflanzen draußen, „und ich bin guter Dinge, dass es passt“, sagt Schickedanz.
Beachten Filder-Bauern noch die Eisheiligen?
Wie ist es bei Landwirten – spielen die Eisheiligen für sie heute noch eine Rolle bei der Entscheidung, wann was gesät oder gepflanzt werden soll? Für den Bernhäuser Bauern Christian Briem haben die Eisheiligen durchaus noch eine Relevanz, wenngleich die uralte Wetterregel mal zutreffe, mal nicht. „Meine Generation guckt noch eher drauf als die jüngere“, sagt der 70-Jährige. „Die verlassen sich eher auf den Wetterbericht auf ihrem Handy.“ Auch wenn es auf den Fildern in diesem Jahr rund um die Eisheiligen sehr milde Nächte mit mehr als zehn Grad gegeben habe, so habe es bei den Kollegen in Norddeutschland Nachtfröste gegeben. „Die Zeit muss man im Auge behalten“, ist sich Briem sicher. Denn die verschiedenen Kohlarten, die er und sein Sohn anbauen, seien zwar nicht so kälteempfindlich wie etwa Tomaten, aber auch ihnen tue es nicht gut, wenn über die Jungpflanzen ein Frost komme.
Der Möhringer Bio-Bauer Klaus Brodbeck hat die Eisheiligen ebenfalls jedes Jahr im Blick. „Ob man die nun Eisheilige nennt oder meteorologisches Phänomen – es ist auf jeden Fall ein Erfahrungswert, dass es Mitte Mai noch mal Frost geben kann“, sagt er. Besonders Zucchini, Gurken, Kürbisse, Bohnen und Erbsen seien sehr kälteempfindlich. „Da reichen minus 0,5 Grad, dann haben sie schon einen dauerhaften Schaden.“ Im Vergleich dazu sei Wintergetreide gar nicht empfindlich. Das würde bereits im Herbst gesät und komme gut mit Frösten klar.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Kommt jetzt der Sommer?
Tatsächlich hat Klaus Brodbeck die Bohnen und Erbsen dieses Jahr sogar schon vor dem ersten Mai gesät. Hat er etwa gezockt? Nein, sagt er, schließlich brauche es eine Woche bis zehn Tage, bis die kleinen Pflänzchen aus der Erde schauten. Solange die Köpfchen noch unter der Erde seien, würde ihnen auch ein Bodenfrost nichts ausmachen. „Und ein bissle Risiko geht man immer ein“, meint er und lacht. Zur Not könne man sich auch mit etwas Flies behelfen und den Jungpflänzchen damit eine Art Mütze aufsetzen. Dieses Jahr war das aber nicht nötig. Bohnen und Erbsen können pralle Sonne tanken. Bleibt nur zu hoffen, dass der Wettergott dieses Jahr den Regen nicht vergisst.