Schnee in Stuttgart am 25. Dezember 2010 vor dem Neuen Schloss Foto: dpa

Die Chance auf weiße Weihnachten in Stuttgart gehen wie in den vergangenen sieben Jahren gegen Null. Dafür wird es wieder länger hell. Kommt der Winter ab dem 26. Dezember?

Stuttgart - Sagen wir es, wie es ist: Die Chancen auf weiße Weihnachten in Stuttgart gehen gegen null. Im Gegenteil – bis zum Sonntag wird es kontinuierlich wärmer, windiger und nasser. Am vierten Advent kann es dann mit einer südwestlichen Warmluftströmung bis zu zehn Grad mild werden. Das Ganze auch noch bei teilweise kräftigem Regen, der den Glühwein verwässert und die Laune trübt. Von Heiligabend an soll es dann ein wenig kühler werden, für Schnee in tiefen Lagen dürfte es aber nicht reichen, allenfalls ein paar Flocken am 26. Vielleicht. Bis dahin spricht vieles für das typische Weihnachtstauwetter, das statistisch in hiesigen Breitengraden deutlich wahrscheinlicher ist als Schnee.

Rekorschneefälle im Jahr 2010

Weiße Weihnachten gibt’s also auch 2018 nur im Hochschwarzwald und im Fernsehen. Ungewöhnlich ist das grün-braune Ambiente zum Fest in Stuttgart freilich nicht. ­Insgesamt gab es seit Beginn der Wetter­aufzeichnungen vor 67 Jahren (1951) gerade 17-mal eine messbare Schneedecke am 24. und 25. Dezember in der Stadt. Seit dem Jahr 2000 zählte man nur drei weiße Weihnachten in Stuttgart, das letzte 2010. Aber da war es dann so, wie man es sich wünscht. Am Morgen des Heiligabends war noch alles grün, der Vormittag begann dann mit Schneeregen, der rasch in Schneefall überging. Und der wurde immer stärker. Wer dann am Abend das Haus verließ, hatte bereits zehn Zentimeter knirschenden Neuschnee unter den Stiefeln. Am nächsten Morgen wurden sogar stolze 20 Zentimeter Schnee an der DWD-Wetterstation Schnarrenberg gemessen. Das war und ist Rekord für Stuttgart an Weihnachten. Seither ist freilich Pause – nun bereits seit acht Jahren, der längsten Auszeit seit Beginn der Aufzeichnungen 1951.

Viel Weiß in den 1960er Jahren

Man darf die lange Pause getrost auch als Zeichen des Klimawandels werten. Im Mittel gibt es in der Stadt alle vier Jahre weiße Weihnachten. Und es gab schließlich auch schon Phasen, da war die Farbe Grün eher die Ausnahme. Zwischen 1960 und 1970 lag an sieben Weihnachten Schnee, von 1961 bis 1964 sogar viermal nacheinander. Das war die längste Weiße-Weihnachts-Periode in Stuttgarts Wetterhistorie.

Davon sind wir jetzt weit entfernt. Und ob der Winter vor Silvester doch noch Fahrt aufnimmt, ist offen. Vorhersagen über fünf Tage hinaus sind zwar Lotterie, die meisten Wettermodelle stehen allerdings mehr auf mild als auf kalt. An den Weihnachtsagen soll die Temperatur zwar langsam sinken, für tiefe Lagen wie den Stuttgarter Kessel, dürfte das aber nicht für Flocken reichen. Und was danach kommt, hängt ab von der Entwicklung des Polarwirbels, einem „Major Warming“ und anderen meteorologischen Phänomenen, deren weitere Entwicklung über Weihnachten hinaus kein Mensch seriös einschätzen kann.

Die Tage werden bald wieder länger

Exakt kann man dagegen sagen, dass am 21. Dezember um 23.23 Uhr die Wintersonnenwende sein wird. An diesem Tag, der auch den kalendarischen Winteranfang markiert, geht die Sonne in Stuttgart um 8.14 Uhr auf und um 16.29 Uhr wieder unter. Es ist der kürzeste Tag des Jahres, von da an geht es langsam wieder bergauf. Bis Silvester hat der Tag am Nachmittag schon wieder sieben Minuten zugelegt, am Morgen tut sich bis dahin aber noch gar nichts. Im Gegenteil: Am 1. Januar wird es sogar zwei Minuten später hell als bei der Sonnenwende, die Zunahme des Lichts beschränkt sich bis 6. Januar rein auf den Nachmittag. Vereinfacht liegt das daran, dass sich die Position der Sonne am Firmament nach dem 21. Dezember nicht nur nach oben, sondern auch nach Osten verlagert.

Höchst kompliziert, aber einfach in der Wahrnehmung. Bis Ende Januar hat ein Tag nachmittags etwa 50 Minuten gewonnen, vormittags nur 20. Aber ob dann in Stuttgart Schnee liegt? Statistisch ist die Chance deutlich höher als an Weihnachten. Seriös kann man aktuell aber nur eine Antwort geben – keine Ahnung.

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