Wird die Beschlussvorlage zum neuen Glücksspielstaatsvertrag zu geltendem Gesetz, droht dem Galoppsport das Aus. Foto: dpa

Neuer Glücksspielstaatsvertrag bedroht Finanzierung durch Pferdewetten und Iffezheim.

Köln/Iffezheim - Am Mittwoch entscheidet die Ministerpräsidenten-Konferenz über die Reform des Glücksspielstaatsvertrags. Der soll nicht nur Sportwetten im Internet maßregeln, sondern erstmals auch Pferdewetten einschränken. Der Galoppsport fürchtet um seine Existenz.

Wer im Pferderennsport arbeitet, ist es gewohnt, mitzufiebern. Wenn morgen aber auf den Rennbahnen gezittert wird, geht es nicht um schnelle Vollblüter. Es geht um nichts Geringeres als die Existenz des Galoppsports in Deutschland. Die sehen Rennbahnbetreiber und der Galopp-Dachverband gefährdet - durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag, der am Mittwoch von den Ministerpräsidenten der Bundesländer voraussichtlich beschlossen wird.

Mit der Novelle des Glücksspielstaatsvertrags soll das Rennwett- und Lotteriegesetz von 1922 abgelöst werden. "Da gibt es aber zwei Problemfelder", sagt Andreas Tiedtke, Geschäftsführer des Dachverbands Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen (DVR) in Köln. Zum einen geht es um die Buchmacher, zum anderen um die Besteuerung. Bislang zahlen die Rennbahnen zwar 16,7 Prozent Steuern auf jede Pferdewette. 96 Prozent der Zahlungen werden den Veranstaltern aber wieder zurückerstattet. Schließlich gelten die Rennen als gemeinnützige Veranstaltungen, als Leistungsprüfungen vor dem Hintergrund der Pferdezucht. Ein Verzicht auf die Rückzahlung ist für die Branche unvorstellbar. Benedikt Forndran, Geschäftsführer von Baden Racing, Betreiber der Bahn in Iffezheim, rechnet vor: "Alleine in Iffezheim würden Summen in der Größenordnung von anderthalb bis zwei Millionen fehlen." An den Zahlungen hingen in Deutschland mehr als 3000 Arbeitsplätze: "70 Prozent der Rückerstattung geht an die vier Bestplatzierten. Darüber wird der gesamte Rennsport finanziert." Jockeys, Hufschmiede, Stallburschen - für sie alle wäre plötzlich weniger Geld da.

"Die Wette ist lediglich ein Beiprodukt zum Rennbahnbesuch"

Und die fehlende Rückerstattung ist nur eine Seite des Problems. Hinzu kommt, dass die Beschlussvorlage Wetten außerhalb der Rennbahnen verbieten will. "50 Prozent der Umsätze werden aber bei Buchmachern gemacht", erklärt Forndran. Ein Buchmacher-Verbot zusätzlich zur Streichung der Steuerrückzahlung wäre wohl der endgültige Todesstoß für den Galopprennsport.

Das, befürchtet Tiedtke, werde als Kollateralschaden in Kauf genommen, um der Europäischen Union das deutsche Glücksspielmonopol schmackhaft zu machen. Der Dachverband plädiert dafür, den Galopprennsport und herkömmliches Glücksspiel nicht in denselben Topf zu werfen. "Wir haben einen jährlichen Umsatz von 31 Millionen Euro, mit Spielautomaten wird ein Umsatz von 9 Milliarden Euro erzielt. Die Wette ist lediglich ein Beiprodukt zum Rennbahnbesuch", sagt Tiedtke. Forndran stimmt zu: "Die Pferdewette ist ein Skill-Game, bei dem man Fachkenntnisse benötigt - anders als beim einarmigen Banditen, bei dem man nur einen Knopf drückt."

Wer im Rennen ums Monopol am Ende siegen wird, entscheiden die Ministerpräsidenten. Für den DVR steht fest: Wenn die Beschlussvorlage zu geltendem Recht wird, "würden wir das finanziell nicht überleben" (Tiedtke). In Iffezheim wäre dann die Zeit der schnellen Rösser wohl über kurz oder lang vorbei. "Wir würden uns um andere Events wie Konzerte bemühen, um die Location am Leben zu erhalten", sagt Forndran. Noch ist der Vertrag aber nicht beschlossen. Tiedtke wartet auf das Ergebnis der Konferenz - und wünscht seiner Branche nach alter Väter Sitte "Hals und Bein".

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