Ob mit Zwiebeln garniert, in der Brühe, oder geröstet: Jede Rezeptur kann die Meisterschaft gewinnen. Foto: Stefan Puchner dpa/lsw

Wie essen Sie ihre Maultaschen? Fünf Passanten aus Stuttgart erzählen, wie sie die „Herrgottsbscheißerle“ am liebsten mögen. Und in einem Wettbewerb wird das beste Rezept gesucht.

Die Maultasche ist weit über das Schwabenland hinaus bekannt. Doch Maultasche ist nicht gleich Maultasche: Für die „Herrgottsbscheißerle“ gibt es unzählbar viele Rezepte. Im Rahmen der baden-württembergischen Maultaschenmeisterschaft suchen wir nun die besten Koch-Ideen. Bis zum 15. Februar können Vorschläge eingesendet werden. Doch nicht nur die Rezepte unterscheiden sich – auch die Vorlieben der Maultaschenesser gehen weit auseinander. Wir haben in Stuttgart deshalb fünf Liebhaber gefragt: „Wie essen Sie denn Ihre Maultaschen?“

 

Franziska Kühl aus Stuttgart mag Maultaschen mit Kartoffelsalat

Franziska Kühl hofft, dass ihre kleine Tochter später nicht so verrückt nach Maultaschen ist, wie es ihr Sohn gerade ist. Foto: Tanja Simoncev

„Ich kann sie nicht mehr sehen und riechen“, sagt Franziska Kühl. Und das, obwohl die Stuttgarterin Maultaschen eigentlich mag. Ihr Sohn ist an dieser Aussage schuld. Der vierjährige Junge isst nur noch Maultaschen, erzählt die Stuttgarterin. „Bei ihm gibt es drei Mal die Woche Maultaschen nach der Kita, gebraten mit Ei und Gurkensalat.“ Sonst esse er nur Nudeln und Ravioli. Wenn Maultaschen in der Brühe in der Kita auf seinem Teller landen, wundert er sich warum er nun Maultaschen mit Wasser essen solle, so die Mutter.

Wenn Franziska Kühl selbst doch einmal Appetit auf Maultaschen bekommt, geht sie zu ihrer Mutter. Die rollt sie noch selbst und serviert sie dann mit geschmelzten Zwiebeln und Kartoffelsalat. Ihr Sohn isst diese Version aber nicht. „Zu eklig“ sei das für ihn. Er esse nur die gekauften, aus dem Supermarkt.

Schon einmal selbst Maultaschen gemacht? „Die würden nie so gut werden, also lasse ich meine Mutter das machen“, sagt Kühl. Zwei Mal im Jahr produziert Oma die Teigtaschen und gibt Sie dann an Familienmitglieder weiter.

Wolfgang und Christine Saur aus Stuttgart sind sich uneins bei Maggi und Bratensoße

Das Ehepaar Saur ist sich uneinig über Maultaschen mit einem Schuss Maggi. Foto: Tanja Simoncev

Wolfgang Saur isst seine Maultaschen gerne geschmelzt mit Zwiebeln, Bratensoße und Kartoffelsalat oder angeröstet mit Ei und einem Schuss Maggi. „Das ist was ganz ganz gutes“, sagt er. Seine Gattin lehnt das jedoch entschieden ab. Sie mag die eigenen Maultaschen am liebsten. Christine Saur kam vor 60 Jahren aus dem Allgäu in den Kessel, und wusste anfangs nichts vom schwäbischen Traditionsgericht. Dann lernte sie eine Köchin kennen, die ihr schließlich zeigte, wie man Maultaschen selbst macht. Seitdem läuft die Eigenproduktion der Teigtaschen. Und trotzdem mache sie „viel zu wenige“, meint ihr Ehemann mit einem Augenzwinkern.

Die 79 Jährige bestellt für ihre Eigenkreation der „Herrgottsbscheißerle“ immer drei Pfund Nudelteig. Dazu kommen Hackfleisch, Brät, Petersilie, Ei und Zwiebeln. Und der Zeitaufwand lohne sich. „Sie macht es auch für die Großfamilie“, sagt Wolfgang Saur.

Jasmine und Marcel Seidel aus Stuttgart-Vaihingen überbacken ihre Maultaschen

Marcel und Jasmine Seidel essen ihre Maultaschen am liebsten überbacken mit Käse. Foto: Tanja Simoncev

Angebraten und mit Käse überbacken, aber ohne Zwiebeln und Ei. So mag Marcel Seidel seine Maultaschen. „Zum kurz wegsnacken halt“, sagt der Stuttgarter. Inzwischen isst er sie nicht mehr so oft. „Man versucht ja seinen Fleischkonsum ein bisschen zu reduzieren“. Die vegetarische Variante habe es ihm geschmacklich nicht so angetan, sagt er.

Manchmal macht er mit seiner Ehefrau Jasmine auch die kleinen Maultaschen in der Suppe. Aber grundsätzlich gibt es im Haushalt Seidel nur die Variante mit Käse überbacken. Und wenn Maultaschen eingekauft werden, dann immer die gerollten. „Wenn ich etwas anderes kaufe, bekomme ich Ärger“, scherzt Jasmine Seidel.

Irmgard Hoog aus Stuttgart kauft ihre Maultaschen beim Metzger

Irmgard Hoog weiß ganz genau, wie gut die Maultaschen vom Metzger sind. Foto: Tanja Simoncev

Irmgard Hoog macht Maultaschen meistens in der Brühe. Auch wenn sie Besuch hat, werden sie so serviert, dazu gibt es noch Kartoffelsalat. Ist die Brühe aufgegessen, kommt die Zwiebelschmelze zum Einsatz.

Selbst in die Herstellung der Teigtaschen eingestiegen ist Hoog aber bislang nicht. Sie geht zum Metzger und kauft ihre Maultaschen an der Theke. „Dort bieten sie so gute Qualität an, wie hausgemacht“, sagt die Stuttgarterin. Sie scheint zu wissen, von was sie spricht: Irmgard Hoog hat selbst einmal bei einem Metzger gearbeitet. Ganze 22 Jahre war die jetzige Rentnerin dort angestellt.

Manuela aus Sindelfingen füllt ihre Maultaschen mit fünf Zutaten

Manuela macht ihre Maultaschen am liebsten selbst. Foto: Tanja Simoncev

„Immer alles so, wie es die Oma gemacht hat. So wie man es eben halt macht.“ So konsumiert Manuela ihre Maultaschen. Aber wie genau sieht das Maultaschenrezept von Oma aus? Landjäger, Schinkenwurst, Brät, Hackfleisch und Zwiebeln. Bis heute macht die Sindelfingerin ihre Maultaschenfüllung genau mit diesen fünf Zutaten. „Ich stehe sehr gerne in der Küche“, sagt Manuela.

Die Sindelfingerin gibt aber nicht nur Maultaschen eine Chance, auch Teigtaschen anderer Nationen kommen bei ihr auf den Tisch. Ihr Motto: „Jedes Land hat seine Maultasche“. Chinesischen Wan Tans gab es zuletzt zum Beispiel. Die seien lecker gewesen. Am Ende komme sie aber immer wieder zu dem Schluss, dass die schwäbische Maultasche von Oma unerreicht sei.

Die Maultaschenmeisterschaft erklärt

Am Ende bleibt die Frage: Gibt es DIE richtige Art Maultaschen zu essen überhaupt? Wir haben fünf Passanten gefragt und fünf unterschiedliche Meinungen zu Zutaten und Beilagen gehört. Bei der Maultaschenmeisterschaft entscheidet am Ende aus diesem Grund eine Experten-Jury über das beste Rezept. Die fünf Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die es ins Finale geschafft haben, kochen ihre Maultaschen für die Blindverkostung selbst.

Unterstützt wird der Maultaschen-Wettbewerb übrigens von Landesernährungsminister Peter Hauk (CDU). „Bei der Suche nach Vielfalt, Genuss und regionalen Spezialitäten führt kein Weg am Genießerland Baden-Württemberg vorbei“, ist er sich sicher. Deshalb setze sein Ministerium sich dafür ein, „die heimische Agrar- und Ernährungswirtschaft aufrechtzuerhalten und zu stärken.“

So können Sie an der Meisterschaft teilnehmen

Rezept
Wer teilnehmen möchte, benötigt ein eigenes Maultaschenrezept. Gesucht werden kreative, traditionelle oder außergewöhnliche Interpretationen des schwäbischen Klassikers in den drei Kategorien: klassisch, vegetarisch und süß.

Teilnahme
Alle Informationen zur Teilnahme, die bis zum 15. Februar möglich ist, gibt es im Internet unter www.maultaschenmeisterschaft.de.