Der Musikpark in Mannheim – die Stadt setzt auch stark auf die Kreativwirtschaft. Foto: Start-up Mannheim

Das Land sucht in einem neuen Wettbewerb die besten Konzepte für eine innovative Gründerförderung. Städte und Gemeinden, die mitmachen wollen, müssen sich auch in knackigen Präsentationen üben.

Stuttgart - Die Kommunen im Land sollen kreative Ideen zum Thema Gründer- und Start-up-Förderung besser miteinander austauschen. Das baden-württembergische Wirtschaftsministerium, die Kommunalverbände und die Kammern des Landes haben deshalb unter dem Titel „Start-up BW local – gründungsfreundliche Kommune“ einen neuen Wettbewerb aufgesetzt, der ganz nach Gründermanier die Kommunen zu einem offenen Wettbewerb untereinander anspornen soll.

„Unser Ziel ist es, die Angebote zur kommunalen und regionalen Gründerkultur öffentlich besser sichtbar zu machen,“ sagte die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut am Donnerstag bei der Präsentation des Programms vor Kommunalvertretern in Stuttgart. Es gebe hier noch viele „verborgene Perlen“. Das Konzept sei bundesweit einmalig. Dabei sind für die Sieger des Wettbewerbs einerseits Fördergelder von bis zu 100 000 Euro zu gewinnen, mit denen zwei Jahre lang das eingereichte Konzept mit externer Hilfe weiterentwickelt werden kann. Doch vor allem sollen Vertreter von Städten, Gemeinden und Kommunalverbänden neue Ideen kennenlernen und dabei auch die bei Start-ups üblichen, griffigen Präsentationsformate einüben.

Fördergelder von bis zu 100 000 Euro

Um die Einstiegshürde zu senken, kann man sogar schon die erste Projektskizze für den Wettbewerb durch Fördergelder des Landes unterstützen lassen – etwa für das Engagement von mit Start-ups erfahrenen externen Beratern. Nach einer regionalen Auswahl im Sommer wird dann im Dezember ein Landessieger gekürt, der sich mit dem Titel einer „Gründerfreundlichen Kommune“ schmücken kann.

Alle zwei Jahre soll es dann eine weiter Runde des Wettbewerbs gebe. Bei den möglichen Ideen gibt es keine Vorfestlegungen. Dazu können Gründerlotsen für den Weg durch die Bürokratie gehören, Wettbewerbe und Eventformate, Start-up-freundliche Gründerzentren oder die Kooperation mit örtlichen Hochschulen.

Präsentieren wie ein Start-up

„Sie werden da pitchen müssen – um Sie mal mit der Begrifflichkeit der Gründerszene vertraut zu machen“, sagte Hoffmeister-Kraut. Ein Pitch ist die Bezeichnung für eine prägnante, nur wenige Minuten dauernde Projektpräsentation. Bei manchen Start-up-Wettbewerben dauert sie nicht länger als drei Minuten. „Wir sind da etwas großzügiger: Sie bekommen zehn Minuten für die Präsentation und fünf Minuten für die Nachfragen der Jury.“ Wer in der Lage sei, wie ein Start-up knapp zu präsentieren, der zeige, dass er sein Thema im Griff habe, sagte die Ministerin.

Drei Erfolgsbeispiele zum Auftakt

In Stuttgart wurden aus allen drei Wettbewerbskategorien Kommune, Stadt und Kreise vorbildliche Beispiele präsentiert. So sieht sich beispielsweise Niedereschach im Schwarzwald-Baar-Kreis selbst als „Gründerdorf“. Obwohl der Ort weniger als 5900 Einwohner hat, konnten dort seit dem Beginn der Gründerinitiative 51 Gründungen angestoßen werden. Nicht nur der Bürgermeister, sondern auch ehrenamtliche Helfer unterstützen Gründungswillige von den ersten Schritten an – ob bei der Bewerbung für einen Bankkredit, der Raumbeschaffung oder sogar bei Konflikten mit dem Internetanbieter. Nun sind zwei Nachbarkommunen zum Programm dazugestoßen, das deutsche und europäische Innovationspreise gewonnen hat.

Als Vorbild für eine Großstadt präsentierte sich Mannheim. Mit acht Gründerzentren und einem breiten Spektrum an Themen, die von der Kreativwirtschaft bis zur Medizintechnologie reichen, liegt die Stadt bei der Gründungsintensität im Land in der Spitzengruppe und besitzt sogar einen eigenen Risikokapitalfonds, um Unternehmen in der Frühphase zu unterstützen. „Auf die Standortentscheidungen von Großunternehmen haben sie als Stadt keinen Einfluss“, sagte Christiane Ram von der Wirtschaftsförderung: „Aber Start-ups sind ihr Mittelstand von morgen“.

Ähnlich wie in Mannheim war für den Ortenaukreis, der erst 2017 seine Start-up-Offensive begonnen hat, der ökonomische Druck entscheidend. Während Mannheim von der Schließung von Industriebetrieben betroffen war, wurde man in der Ortenau vom schlechten Platz in einer Innovations-Rangliste für das Land aufgerüttelt. Inzwischen bietet man dort neben Start-up-Zentren, Veranstaltungen und Beratungsangeboten ein ungewöhnliches Teilzeit-Förderprogramm. Dort können Gründer zunächst neben dem Beruf ihre Start-up-Idee zur Marktreife entwickeln.

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Wie läuft der Wettbewerb ab?

Konzept
– Bis zum 6. April können sich Kommunen für die Unterstützung bei der Erarbeitung eines Konzepts bewerben. Sie können hier bis zu 2500 Euro bekommen. Das Konzept muss dann bis zum 30. Juli eingereicht werden. Auch ohne diese Startförderung ist die Teilnahme möglich. Gründungen sind hier breit definiert und umfassen nicht nur Technologie-Start-ups, sondern können auch traditionelle Ideen etwa aus Handwerk und Dienstleistung umfassen.

Regionalentscheid
– In regionalen Vorentscheiden werden dann in den drei Wettbewerbskategorien Gemeinde, Stadt, Landkreis/interkommunale Projekte die Vorschläge bewertet. Kriterien sind die Orientierung am örtlichen Bedarf, die passende Ansprache der Zielgruppe, die Realisierbarkeit, sowie die Nachhaltigkeit und die Präsentation.

Finale
– Das Finale der Regionalsieger findet dann im Dezember 2018 statt. Die drei Gesamtsieger können dann durch das Wirtschaftsministerium über zwei Jahre hinweg eine Projektförderung von bis zu 100 000 Euro erhalten.

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