Wespen mögen es nicht nur süß, sie nehmen auch Schinken Foto: dpa

Jährlich gibt es im Land 24 000 ärztliche Behandlungen von Insektenstichen – Tipps zum Umgang mit Wespen und Ähnlichem

Stuttgart - Profis, die gegen allzu lästige Wespen vorgehen sollen, sind derzeit bestens beschäftigt. Ob sie sich nun Kammerjäger oder Schädlingsbekämpfer nennen – wer einen Termin mit diesen jetzt vereinbaren will, braucht Geduld. Der Stuttgarter Schädlingsbekämpfer Stephan Burkhardt bestätigt: „Derzeit haben wir täglich etwa 20 bis 30 Einsätze täglich. In den Sommermonaten der früheren Jahre waren das etwa zehn am Tag.“

In der Tat sind derzeit mehr Wespen unterwegs als in früheren Vergleichsmonaten. Der Grund ist naheliegend: Insekten lieben warmes bis heißes und gleichzeitig trockenes Klima. Und das gab es ja nun reichlich in den vergangenen Wochen und Monaten. Und größere Temperaturschwankungen gab es da auch nicht.

Der Unterschied: Bienen, Wespen oder Hornissen

Wobei Burkhardt keineswegs nur unterwegs ist, um Wespenvölker zu vernichten: „Häufig sind es auch Beratungstermine. Wer unterscheidet denn schon, ob es sich um Bienen, Wespen oder Hornissen handelt. Die Leute sehen halt: Da summt etwas gelb-schwarzes und dann rufen uns an.“

Dabei kommt es gerade auf den Unterschied an, ob es sich hier um Bienen, Wespen oder Hornissen handelt. Sowohl, was das Gefahrenpotenzial für den Menschen betrifft als auch den Umgang mit diesen. „Prinzipiell sind das alles geschützte Tiere. Und wenn wir sehen, dass es sich um Bienen, Hummeln oder Hornissen handelt, dann sind wir eh erst mal auf einen Bescheid der unteren Naturschutzbehörde angewiesen“, so Burkhardt.

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Überhaupt: „Man muss nicht immer gleich töten. In vielen Fällen reicht es völlig aus, ein Fliegengitter anzubringen“, so Burkhardt. Zumal etliche dieser gelb-schwarzen Tiere weder etwas vom Menschen, noch von dessen Nahrung etwas wollen. Allerdings: Zwei Arten, die deutsche und die gemeine Wespe, die sind jetzt sehr aktiv und gieren nach menschlicher Nahrung, sind deshalb auch ziemlich aufdringlich. Doch auch diese habe ihre aktivsten Zeiten hinter sich: „Die Nester sind jetzt alle fertig gebaut, die Völker werden nicht mehr größer“, weiß Burkhardt. Üblicherweise stellen sie ihre Aktivitäten im Oktober ein. „Und im nächsten Jahr sind die woanders. Ein Nest wird nicht zwei mal benutzt“.

Mehr Behandlungen auf dem Land als in der Stadt

Jährlich lassen sich in Baden-Württemberg etwa 24 000 Menschen wegen eines Insektenstichs ärztlich behandeln. Das hat die AOK Baden-Württemberg in einer Analyse ihrer Daten aus den Jahren 2008 bis 2014 herausgefunden. Kinder zwischen fünf und neun Jahren sind davon am meisten betroffen. Von etwa 23 000 Fällen im Jahre 2014 waren 2040 Patienten in dieser Altersgruppe. Das liegt aber auch daran, dass besorgte Eltern schneller zum Arzt gehen, wenn ihre Kinder wehklagen als wenn bei ihnen selbst Stichsymptome auftauchen. Was die AOK-Auswertung noch herausgefunden hat: Im Stadtgebiet Stuttgart gibt es seit 2008 immer weniger Behandlungen durch Insektenstiche – der Rückgang liegt bei 0,8 Prozent jährlich, auf dem Land gibt es immer mehr Fälle – im Landkreis Böblingen sind es plus 1,9 Prozent jährlich. Das spiegelt sich auch in den absoluten Zahlen wider: Im Stadtgebiet Stuttgart gehen jährlich etwa 655 Menschen wegen eines Insektenstichs zum Arzt, im Landkreis Böblingen sind es 861. Letzter nimmt damit im landesweiten Vergleich den dritten Platz unter allen Landkreisen ein. Allerdings muss hier hinzugefügt werden, dass es sich bei den hier aufgezählten Fällen nicht ausschließlich um Wespenstiche handeln muss. Denn die Diagnosebögen der Ärzte als Basismaterial der AOK-Untersuchung unterscheiden nur zwischen „Unfall durch Kontakt mit giftigen Pflanzen oder Tieren, giftiger Tierbiss oder Insektenstich“ sowie „nichtgiftiger Insektenstich“.

Hilfe für Allergiker

Dass dennoch derzeit viele Wespen unterwegs sein müssen, darauf verweist die Barmer-Krankenkasse. „Wegen eines Lieferengpasses bei allen Herstellern von Adrenalin-Pens übernimmt die Barmer derzeit die Kosten für Importe aus dem Ausland“, heißt es in einer Mitteilung. Speziell bei Allergikern können solche Adrenalinpens lebensrettend sein. Denn wenn diese nach einem Wespenstich einen allergischen Schock bekommen, können sie sich über diesen Fertigpen binnen Sekunden Adrenalin spritzen.

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Der Barmer-Landesgeschäftsführer Winfried Plötze: „Für die Versicherten ändert sich nichts, sie können ihr Kassenrezept wie gewohnt in der Apotheke einreichen. Der Arzt muss auf dem Rezept auch nicht den ausländischen Pen namentlich verordnen“.

Auf etwa fünf Prozent der Bevölkerung schätzt die Barmer den Anteil jener, die allergisch auf Wespenstiche reagieren. Das wären dann etwa 548 000 Baden-Württemberger. Plötze: „Wegen der vielen Wespen und den aktuellen Lieferengpässen raten wir Allergikern, ihre Notfallapotheke zu prüfen.“

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