Die Wespenplage im Kreis Esslingen ist dieses Jahr besonders schlimm. Grund dafür ist der milde Winter und der trockene Sommer.
Kreis Esslingen - Wer an diesem Wochenende bei angekündigten sommerlichen Temperaturen draußen gemütlich frühstücken möchte, kann sich sicher sein: Es werden ungebetene Gäste am Tisch Platz nehmen. Sehr zum Verdruss aller, die vor allem auf Süßes wie Marmelade oder Honig nicht verzichten mögen, werden Wespen um sie herumschwirren. Für Rolf Frey ist das nichts Ungewöhnliches. So sehr er den Ärger um die Störenfriede verstehen kann, so viel Verständnis hat er für die gleichermaßen gefürchtete wie nützliche Insektenart. Erst ein milder Winter, dann ein trockener Sommer – geradezu ideale Bedingungen für ein großes Aufkommen der gelb-schwarzen Plagegeister. „Wir haben diesmal ein starkes Wespenjahr“, sagt der Industriemechaniker aus Grabenstetten. „Sie sind, wenn man so will, Gewinner des Klimawandels.“ Frey muss es wissen: Denn er ist nach einer Ausbildung in der Umweltakademie offizieller Wespen- und Hornissen-Fachberater beim Nabu-Kreisverband Esslingen und gehört damit zu den rund 800 ausgewiesenen Experten im Land.
„Normalerweise trauen sich nur zwei der 16 heimischen Wespenarten an unsere gedeckten Tische, die Gewöhnliche Wespe und die Deutsche Wespe“, erklärt Lilith Stelzner, Naturschutzreferentin beim BUND Baden-Württemberg. „Alle anderen Wespen-Arten interessieren sich nicht für unser Essen. Viele vertilgen vor allem Fliegen, Mücken, Raupen, Motten oder Spinnen.“ Deswegen seien Wespen sehr nützlich für die Natur. Selbst im Garten verrichteten sie gute Dienste. „Ein Wespenstaat kann bis zu zwei Kilogramm Insekten pro Tag vertilgen, zum Beispiel Blattläuse“, erklärt Stelzner. Nicht zuletzt könnten sie auch Pflanzen bestäuben. Es mache also Sinn, sich mit den so unliebsamen Untermietern zu arrangieren.
Einfach austricksen
Nicht zu Unrecht sind sie besonders geschützt. Das Fangen, Verletzen oder Töten von Wespen „ohne vernünftigen Grund“ kann laut Bußgeldkatalog in Baden-Württemberg bis zu 15 000 Euro kosten. Bei besonders geschützten Arten sei sogar ein Bußgeld von bis zu 50 000 Euro möglich, erklärt Rolf Frey. Eine Ausnahme gelte für Allergiker. Sie müssten kein Bußgeld fürchten.
Jeder kennt das Problem: Angezogen werden die Mitesser vor allem von süßen Speisen wie Marmelade oder Kuchen. „Dazu gehören auch sämtliche Säfte“, erklärt Frey. Dabei seien die Wespen recht wählerisch. Denn hochwertigere Säfte zögen sie stärker an als Saftkonzentrate. Gerne mögen sie auch eiweißhaltige Produkte wie Schinken. Viele neigen dazu, hektisch um sich zu schlagen oder die Tiere auch anzupusten, um sie zu vertreiben. Das sei grundfalsch, sagt Fachberater Frey. „Alles Gefuchtel wird von den Wespen als Aggression wahrgenommen. Viel besser ist, in solchen Situationen ruhig zu bleiben.“
Was sonst tun, um sich die Plagegeister vom Leib zu halten? Frey empfiehlt einen einfachen Trick: Eine Viertelstunde vor dem Essen einen Teller mit Marmelade oder ein Glas Apfelsaft drei bis fünf Meter entfernt platzieren. Das sei meist ein wirksames Mittel. Denn solange es diese Futterquelle gebe, suchten sich die Wespen keine neue. Immer gut beraten sei man damit, Speisen und Getränke, die sie mögen, abzudecken.
Kühlender Umschlag hilft
Wer auf die Störenfriede besonders panisch reagiert, dem rät Frey dazu, an heißen Tagen tagsüber gar nicht draußen zu essen. „Ihre Hauptflugzeit ist morgens beim Frühstück, abends sind sie deutlich weniger aktiv.“ Wer trotzdem von einer Wespe gestochen werde, brauche nicht in Panik zu verfallen, so Frey. Denn die Stiche seien zwar schmerzhaft, aber in aller Regel ungefährlich. Das gelte allerdings nicht für Allergiker. Ein bewährtes Hausmittel nach einem Stich sei ein kühlender Umschlag. Der lindere die Schwellung und den Schmerz.
Immer wieder kommt es vor, dass Frey gerufen wird, wenn Wespen- oder Hornissennester zu einer Gefahr werden können und deshalb umgesiedelt werden müssen. Etwa 15 Mal sei er in diesem Jahr schon ausgerückt, erklärt der Fachberater. Wer mit solchen Nestern Probleme hat, sollte sich zuerst an die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt wenden. Von dort werde dann der Fachberater informiert.
Mehr Informationen zum Thema unter www.aktion-wespenschutz.de