Es schmerzt. Es zieht. Es brennt. Wespenstiche sind unangenehm. Auch im Kreis Esslingen können die Insekten in diesen Tagen Kaffeekränzchen, Biergartenbesuche oder das Eisessen stören. Herumfuchteln ist dann schlecht. In der Ruhe liegt auch hier die Kraft.
Sie fliegen wieder. Und sie können wehtun. Wespen sind im Landkreis Esslingen auch in diesem Jahr wie in der gesamten Republik weit verbreitet, teilt Kreissprecherin Andrea Wangner nach Rücksprache mit den Fachbehörden im Landratsamt Esslingen mit. Wie zahlreich die kleinen Plagegeister auftreten, ist unterschiedlich. Jahre mit einem größeren Aufkommen wechseln sich laut Kreisbehörde mit Jahren geringerer Häufigkeit ab. Entscheidend für den Grad des Vorkommens sei auch die Witterung beim Bau der Nester. Bei Wärme fühlten sich die Völker wohler als bei feuchtem, kühlem Wetter: „Im Jahresverlauf kann sich das aber ausgleichen.“
Einfach zuschlagen, ist keine Lösung. Die nützlichen Schädlingsbekämpfer sind kein Freiwild. Manche Arten wie die Gemeine Wespe oder die Deutsche Wespe sind zwar nicht besonders geschützt. Sie fallen laut Esslinger Landratsamt aber unter die allgemeinen Regeln des Artenschutzes gemäß Paragraf 39 des Bundesnaturschutzgesetzes, der für alle heimischen und wild lebenden Tier- und Pflanzenarten gilt: „Demnach ist es verboten, Wespen mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Auch ihre Nester dürfen nicht ohne vernünftigen Grund beeinträchtigt oder zerstört werden.“ Für andere Arten wie die Hornisse gelten „als echte heimische Wespe“ strengere Vorschriften. Denn: „Gerade die Hornisse wurde in der Vergangenheit vor ihrer Unterschutzstellung rücksichtslos bekämpft und hatte infolgedessen starke Bestandsrückläufe zu verzeichnen.“ Sie gehört laut Bundesartenschutzverordnung zu den besonders geschützten Arten. Das vorsätzliche oder fahrlässige Anlocken, Fangen oder Töten einer Hornissenkönigin oder eines Hornissenvolkes kann ein Strafverfahren nach sich ziehen und mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe von bis zu 50 000 Euro geahndet werden.
Abflug im Herbst
Dabei können sie sehr lästig sein: Beim Öffnen eines Fensters kann es in diesen Tagen passieren, dass es im Zimmer plötzlich surrt, schwirrt und summt und aufgeschreckte Wespen durch den Raum fliegen. Wer ein Nest entdeckt, sollte sich laut Andrea Wangner mit der unteren Naturschutzbehörde in Verbindung setzen: „Die Kontaktdaten sind auf der Homepage des jeweiligen Land- oder Stadtkreises zu finden.“ Abwarten und Geduld können auch helfen. Wespen und Hornissen machen im Herbst einen Abflug und verlassen ihr Nest, sagt Andrea Wangner. Dieser Vorgang könne allerdings bis Ende Oktober dauern. Die Angst vor einem erneuten Beziehen des Nestes im Folgejahr ist laut Landratsamt unbegründet. Die Insekten würden ihr einmal aufgegebenes Heim kein zweites Mal aufsuchen. Es könne daher nach dem Verschwinden der Tiere gefahrlos im Restmüll oder auf dem Kompost entsorgt werden. Zurückkommen können sie dennoch – unabhängig davon, ob die Brutstätte noch hängt oder nicht: „Um zu verhindern, dass sich Tiere beispielsweise wieder auf dem Dachboden ansiedeln, sollten über den Winter weitestgehend alle Zugangsmöglichkeiten verschlossen werden.“
Panik ist kein guter Ratgeber. Ruhe dagegen schon. Hektische Bewegungen oder ein Schlagen nach den Tieren gilt es laut Kreisbehörde zu vermeiden. Denn Wespen würden zustechen, sobald sie sich oder ihr Nest in Gefahr sehen. Auch ein sanftes Anpusten wäre eine denkbar schlechte Lösung: „Das Kohlendioxid in der Atemluft ist ein Alarmsignal für die Tiere und versetzt sie in Angriffshaltung.“ Wespen und ihre Nester sollten daher prinzipiell in Ruhe gelassen werden. Auch Erschütterungen wie das Schlagen von Türen oder laute Musik mit Bass mache sie aggressiv. Auf Parfüms, Haarspray oder parfümierte Sonnencremes sei in Nähe der Tiere ebenfalls zu verzichten. Insektengitter könnten Schutz bieten. Bei harmlosen Wespenarten genüge aber das Anbringen einer Blende etwa durch ein Stück Stoff als Sichtschutz ungefähr zehn Zentimeter unter dem Nest: „Dadurch sehen die Wespen die menschlichen Bewegungen nicht mehr und fühlen sich nicht bedroht.“
Gewürznelken mögen sie nicht
Süßes auf dem Balkon zu genießen, kann zur Plage werden. Bei Wespen-Attacken ist es vorbei mit dem ungestörten Open-Air-Snack. Auch am Essenstisch sollten heftige oder schlagende Bewegungen laut Landratsamt vermieden werden. Lebensmittel und Getränke können durch ein Abdecken oder Verschließen vor dem Wespenflug geschützt werden. Das Aufstellen eines alternativen Nahrungsmittelangebots wie einer Schale mit Zuckerwasser in weiter Entfernung zum Tisch kann die Insekten ablenken: „Zudem ist es einen Versuch wert, eine halbe Zitrone mit Gewürznelken zu spicken und auf den Tisch zu stellen, da die meisten Wespen diesen Duft nicht mögen. Ansonsten kann versucht werden, das Tier mit ruhigen Bewegungen zum Gehen zu veranlassen.“
Wenn Wespen zustechen
Stiche
Wenn es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch zu einem Wespenstich kommt, ist das schmerzhaft. Bei gesunden Menschen führt er laut Landratsamt Esslingen zu einer druckempfindlichen Hautschwellung an der Einstichstelle und einem anfangs ziehenden Schmerz. Die Beschwerden würden normalerweise schnell nachlassen und nach zwei bis drei Tagen gänzlich verschwinden.
Hilfsmittel
Die Beschwerden in Folge eines Wespenstiches lassen sich laut Landratsamt Esslingen durch eine unverzügliche Kühlung durch Kühlpads oder kalte Umschläge lindern. Auch lokal angewandte Hausmittel wie eine halbe Zwiebel oder ein zerdrückter Spitzwegerich könnten helfen.
Gefahr Wespenstiche in Mund oder Rachen können laut Landratsamt Esslingen aber lebensgefährlich sein. Durch eine starke Schwellung in diesem Bereich könne die Atmung behindert werden: „Daher ist bei einem Stich in Mund- oder Rachenraum umgehend ein Notarzt zu verständigen und die Stichstelle zu kühlen.“ Helfen können kalte Umschläge, Kühlpads oder das Lutschen von Eiswürfeln.