Der in Aalen geborene Architekt Werner Sobek setzt schon seit vielen Jahren auf Nachhaltigkeit beim Bauen. Foto: Zooeye Braun

Der Architekt Werner Sobek aus Stuttgart-Degerloch ist in Paris mit dem von der Unesco vergebenen Global Award for Sustainable Architecture ausgezeichnet worden. Er setzt seit Jahren auf Nachhaltigkeit – trotz mancher Widerstände, die er überwinden musste.

Degerloch - Für seine „bahnbrechenden Forschungen“, die er seit 25 Jahren als Leiter des Instituts für Leichtbau, Entwerfen und Konstruieren (Ilek) an der Universität Stuttgart initiiert und betreut, ist der Degerlocher Architekt Werner Sobek in Paris mit dem Global Award for Sustainable Architecture der Unesco ausgezeichnet worden. „Diese Auszeichnung“, sagt Werner Sobek, „ist für mich auch emotional sehr wichtig“. Einerseits, weil damit sein jahrelanges und nicht immer widerstandsfreies Wirken für nachhaltiges Konstruieren und Bauen gewürdigt wurde. Andererseits, weil er die Auszeichnung in der französischen Hauptstadt erhalten hat. Denn dort, so verrät er, tummelt er sich immer wieder gerne, „um Inspirationen zu sammeln“.

Es liegt also auf der Hand, das jemand wie er eine der treibenden Kräfte hinter der Internationalen Bauausstellung (IBA) ist, die 2027 in der Region Stuttgart gastieren wird und die zeigen soll, wie die Zukunft des Bauens aussehen könnte. Sein Institut an der Uni Stuttgart, meint er, sei so etwas wie die Keimzelle der Idee gewesen. Das Projekt leiten zwar andere, er ist aber eines der Schwergewichte, die die IBA im Hintergrund unterstützen. Für Leinfelden-Echterdingen etwa arbeitet er an der Neuen Grünen Mitte.

Nachhaltigkeit ist wichtig

Vor vielen Jahren schon hat es sich der heute 66-Jährige zur Aufgabe gemacht, nachhaltig und ressourcenschonend zu bauen. Dabei hat sich der Architekt und Ingenieur, der seit den 1990er Jahren auch als Professor an der Universität Stuttgart tätig ist, mit seinen Ideen nicht immer nur Freunde gemacht. Als er vor mehr als einem Vierteljahrhundert begonnen hat, recyclinggerechte Architektur zu propagieren, „haben mich die Leute für verrückt gehalten“. Sobek hat sich von den Reaktionen seiner Kollegen und Kritiker aber nie beirren lassen. Mit Erfolg. Rund 380 Mitarbeiter arbeiten heute unter dem Dach der Werner Sobek Group in 13 Büros weltweit. Dass er eines Tages ein weltumspannendes Unternehmen führen würde, dessen Hauptsitz in Degerloch an der Albstraße ist, davon hat der gebürtige Aalener freilich nicht zu träumen gewagt, „als ich mich 1992 als Einmannbüro selbstständig gemacht habe“.

An zahlreichen international viel beachteten Architekturprojekte hat Werner Sobek mit seinem Team in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten mitgewirkt. Der 246 Meter hohe Thyssen-Krupp-Testturm für Aufzüge in Rottweil ist mit der Kompetenz aus Degerloch entstanden, die Tragwerks- und Fassadenkonstruktion des Mercedes-Benz-Museums stammt aus dem Büro Werner Sobeks, nicht anders sieht es bei den Dancing Dragons im neuen Yongsan International Business District in Seoul in Südkorea aus oder beim Heydar Aliyev Center in Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan.

Idee vom rückstandfreien Recycling

Viele seiner Projekte sind besonders geprägt von der Idee, die konstruierten Bauwerke am Ende ihrer Nutzungszeit möglichst rückstandsfrei zu recyceln. Ein Gebäude müsse „auch wieder mit Anstand verschwinden können, wenn es nicht mehr benötigt wird“, sagt Sobek. Denn in der Bauwirtschaft, aber auch gesamtgesellschaftlich, „gibt es vor allem ein Emissions- und Materialproblem“, sagt Sobek. Die globale Erderwärmung müsse gestoppt werden – auch durch gezielte Maßnahmen der Bauwirtschaft. „Wir müssen unsere Art zu leben und zu bauen verändern“, sagt Sobek, der mit seinen Entwicklungen seit Jahren dafür sorgt, dass „unsere Bauwerke ohne eine Reduktion von Qualität“, weniger Material verbrauchen und weniger Emissionen erzeugen, wie Sobek erläutert. Dabei versucht er stets, das von ihm entwickelte Triple-Zero-Nachhaltigkeitskonzept umzusetzen. Heißt: die Gebäude sollen mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen, das Gebäude produziert keine Kohlendioxid-Emissionen und beim Um- oder Abbau soll kein Abfall entstehen.

Schon 1968 ein „nachhaltiges Erlebnis“ gehabt

Den Impuls für Nachhaltigkeit hat Sobek übrigens nicht beim Studium oder bei der praktischen Arbeit erhalten. Vielmehr, so verrät er, habe er als Teenager schon 1968 ein im wahrsten Sinne „nachhaltiges Erlebnis“ gehabt. Eine Cousine sei mit einer Wegwerf-Tüte aus Kunststoff nach einem Einkauf zur Großmutter gekommen und habe sich darüber gefreut, dass sie diese nach dem Gebrauch einfach wegwerfen könne. Die Großmutter indes hatte einen anderen Blick auf die neumodische Verpackung und teilte die Begeisterung der jungen Frau nicht. Die Wegwerfmentalität war ihr völlig fern. Diese Begegnung habe Spuren hinterlassen, die bis heute nachwirken.

Als Professor versucht Werner Sobek aus Degerloch, seinen Studenten zu vermitteln, dass es wichtig ist, auch über den Tellerrand zu blicken. Der 66-jährige Architekt will der Jugend weitergeben, wie wichtig es ist, Neues zu wagen und bisweilen gegen den Strom zu schwimmen. Dies auch mittels Youtube, denn auch dort veröffentlichte er Beiträge über seine Philosophie. „Wir werden die digitalen Kommunikationskanäle in Zukunft noch viel stärker nutzen als bisher“, sagt der Architekt, der Stuttgart für sein Wirken stets als den besten Platz erlebt hat. „Denn diese Stadt war für mich technisch und wissenschaftlich der beste Standort auf der Welt.“

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