Die S-Bahn kommt. Und dann? Wernau diskutiert, wie es mit der Mobilität in der Stadt weitergehen soll. Foto: Pressefoto Horst Rudel

Im Rahmen eines breit angelegten Beteiligungsprozesses sollen die Wernauer sagen, wo sie der mobile Schuh drückt. Der Fokus liegt auf Maßnahmen, die dann auch umgesetzt werden können.

Wernau - Die Sorgen hätten andere Kommunen dieser Größenordnung wohl nur zu gerne: Wernau verfügt über einen S-Bahn-Anschluss, hat einen Stadtbus, einen Bürgerbus, kostenlose Park-and-Ride-Plätze und liegt am Neckartalradweg. Autofahrer freuen sich über die vor der Haustüre liegende Bundesstraße 313, die sowohl die Bundesstraße 10 nach Stuttgart oder Ulm, als auch die Autobahn 8 Stuttgart-München in Steinwurf-Weite rückt. Kurz: Im Verkehrsschatten liegt die 12 500 Einwohner zählende Stadt am Neckarknie nicht. Trotzdem „macht Wernau mobil“. So lautet das Motto einer breit angelegten Bürgerbeteiligung, in der Ideen für eine bessere Mobilität auf den Tisch kommen sollen.

„Nichts ist so gut, als dass man es nicht verbessern könnte“, sagt der Wernauer Bürgermeister Armin Elbl. 1000 Bürger sind angeschrieben worden, um in einer Reihe von moderierten Workshops ihre Vorstellungen zur Zukunft der Mobilität in der Stadt auf den Prüfstand zu stellen. Den Anstoß zu der Mobilitätsoffensive hat nicht die Stadtverwaltung, sondern die Paul Wilhelm von Keppler-Stiftung, die das Seniorenzentrum St. Lukas in der Stadt betreibt, in Zusammenarbeit mit dem angegliederte Netzwerk VERA gegeben. VERA steht für „vernetzt und aktiv im Alter“ und ist ein Kooperationsverbund der Stadt Wernau, der Wohnbau Wernau, der katholischen Sozialstation und der beiden Kirchengemeinden.

Keine Insellösung

Auch wenn der Impuls aus dem Umfeld eines Seniorenheims kommt, verfolgt das Projekt „Wernau macht mobil“ einen generationsübergreifenden Ansatz. „Wir wollten keine Insellösung für die Generation 65 plus, sondern die gesamte Wernauer Bürgerschaft an der Diskussion beteiligen“, sagt die VERA-Koordinatorin Andrea Albig, bei der die organisatorischen Fäden des Projekts zusammenlaufen. Das auf Personal- und Organisationsentwicklung spezialisierte Beratungsbüro Maile und Partner aus Nürtingen hat in ihrem Auftrag die Blaupause für den fünf Schritte umfassenden Beteiligungsprozess gefertigt.

Nach der Auftaktveranstaltung am Dienstag, 1. Oktober, im Bürgersaal der Stadthalle Quadrium setzen sich Mobilitätsnutzer (Busunternehmer, Stadtverwaltung, Bürgerbus-Betreiber) und Mobilitätsanbieter (Vereine, Kirchen, Geschäftsleute) in zwei getrennten Sitzungen zusammen, um ihre Vorstellungen zu konkretisieren. Die Ergebnisse der ersten drei Veranstaltungen werden dann zuerst mit allen Beteiligten noch einmal hinter verschlossenen Türen diskutiert, bevor sie am Mittwoch, 6. November, im Rahmen einer Abschlussveranstaltung der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Ergebnisorientierter Ansatz

„Am Schluss muss was rauskommen“, formuliert der Moderator Peter Maile den Anspruch. Um diesen Anspruch auch einzulösen, werde jede vorgeschlagene Maßnahme auf ihre Umsetzbarkeit geprüft. „Das ist Teil des Prozesses und baut falschen Erwartungen vor“, sagt Maile.

„Es ist ja nicht so, dass wir uns bisher noch nicht mit der Fragestellung beschäftigt hätten. Aber möglicherweise kommen auch Ideen auf den Tisch, an die wir bisher nicht gedacht haben“, sagt Elbl. Einen speziellen Mitteltopf zur Umsetzung möglicher kostenträchtiger Mobilitätsvorschläge hat die Stadt seinen Worten zufolge nicht eingerichtet. „Wir warten ganz gelassen, was auf uns zukommt“, sagt der Schultes. Bewegten sich die Wünsche in größeren Dimensionen, müsste ohnehin der Gemeinderat entscheiden.

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