Von der Auto-Raststätte zum Bistro: Wirtin Rita Hess inmitten ihres neuen Wirkungskreises Foto: Horst Rudel

Das Bistro Geckos, untergebracht in einer ehemaligen Tankstelle, ist durch seine Lage und Konzeption eine originelle Bereicherung der Wernauer Gastroszene.

Wernau - Gastliche Stätten greifen gern zu Namen­, die dem Tierreich entlehnt sind. Da gibt es den Hirsch und den Adler, den Falken und den Fuchs, den Löwen­ und das Rössle, den Ochsen und den Pfauen. Kleingetier tummelt sich auf diesem Terrain weniger – es sei denn, mangelnde Größe und naturgegebene Unscheinbarkeit wird durch exotischen Charme aufgewogen. Und so gibt es seit kurzem in Wernau ein Bistro, das eine Eidechsenart zum Wappentier erkoren hat: den südländischen Kletterkünstler Gecko. Dies ist nicht die einzige Besonderheit des Neulings im örtlichen Gastroreigen: Das Lokal befindet sich nämlich im Kassenhäusle einer ehemaligen Tankstelle in der Esslinger Straße 17.

Die Raststätte als Rast-Stätte

Der nostalgische Glasbau aus den 50er Jahren schien der Fellbacherin Rita Hess (45) bestens geeignet, um für ihre Servicekenntnisse und ihre experimentierfreudige Lust am Kochen sowie ihr Faible für allerlei Kulturelles den passenden Rahmen abzugeben. Was Lage und Ambiente des Bistros angeht, das einer Melange aus Ausflugslokal und Raststätte gleicht, so lässt sich gar von einer kommerziellen – und wohl auch ideellen – Symbiose sprechen. Denn in der Zusammenarbeit mit Gunter Jacob, der gleich nebenan im einstigen Tankstellengebäude als Landschaftsbauer und Freiraumgestalter firmiert und residiert, sind die Außenanlagen und zwei Terrassen zu Musterschauen in Sachen Baustoffvielfalt gediehen. Zudem stand der Gecko in Jacobs Firmenlogo Pate beim Bistronamen.

Das wuselige Reptil eignet sich auch als Leittier, um innerhalb und außerhalb des Kassenhäusles auf Entdeckungstour zu gehen. Im Glasbau setzt Rita Hess’ Ehemann Stefan künstlerische Akzente, die von naturalistischen Holzskulpturen auf der Fensterbank bis unter die Decke reichen, wo ein Beleuchtungssystem aus Kupferrohrgestängen die technische Vorgeschichte der Örtlichkeit aufzugreifen scheint. Zur Kunst und zum Kulinarischen kommt als drittes K noch die Kultur im weitesten Sinne, sowohl (Nachwuchs-)Musiker als auch Kunstschaffende der verschiedensten Disziplinen werden von der Bistro-Chefin ausdrücklich aufgefordert, sich für Auftritte und Ausstellungen zu bewerben.

Ihr gastronomisches Angebot fasst die Fellbacherin unter „kleine Küche mit regionalem und saisonalem Einschlag“ zusammen. Dazu gehören Nudelgerichte und Salatvariationen, Grillspezialitäten, darunter insbesondere „Südstaaten-Burger“. Und jeweils am ersten Samstag im Monat ist von 12 bis 20 die „Flammende Liebe“ angesagt – dahinter verbergen sich Flammkuchen aus dem Holzbackofen.

Samstags gibt es flammende Liebe

Das Bistro Geckos knüpft gewissermaßen an eine nahrhafte Tradition an der alten­ Bundesstraße nach Plochingen an. Auf alten Fotografien weisen Schilder auf die „Auto-Raststätte Wernau“ hin – und es wird noch für das längst versiegte Plochinger Waldhornbier geworben. „Heisse belegte Brötchen“, so ist weiter zu lesen, gab es damals für 50 Pfennig. An Kundschaft dürfte es nicht gemangelt haben – besonders wenn auf dem Freigelände gegenüber die Leistungsschau „Schwäbischer Fleiß“ ihre Angebote präsentierte. Beherbergte das Tankstellengebäude lange Zeit das Café Eitel, wie sich mancher Wernauer noch erinnert, so diente das Haus bis vor etlichen Jahren als Gaststätte.

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