Der Belag des Rondells vor der Eishalle ähnelt stark dem des Nürburgrings. Foto: Horst Rudel

Männer in getunten Autos driften seit Jahren nachts über eine Fläche vor der Wernauer Eishalle und verursachen so Lärm und Gestank. Indem sie Hindernisse aufstellt, will die Stadt den Ruhestörern nun einen Strich durch die Rechnung machen.

Wernau - Eigentlich diente das Rondell vor der Wernauer Eishalle einst als Ausstellungsfläche für die Messe „Schwäbischer Fleiß“. Die Leistungsschau gibt es schon lange nicht mehr. Dafür aber eine Nachnutzung des Kreisels, die mit Fleiß rein gar nichts zu tun hat und zudem bei einigen Wernauern großen Ärger verursacht. Denn des Nachts wird die Fläche am Festplatz schon seit vielen Jahren regelmäßig von jungen Anhängern getunter Boliden für Schleudertrainings genutzt. Die Stadt will dem lauten und qualmenden Vergnügen Einzelner jetzt Einhalt gebieten und die Miniatur-Rennstrecke mittels zweier großer, mittig platzierter Steinquader für die driftwütigen Fans von Spoilern und XXL-Schlappen blockieren.

Die alle zwei bis drei Tage wiederkehrende Ruhestörung zu später Stunde hat es inzwischen auch auf die Tagesordnungen der städtischen Ausschüsse und des Gemeinderats geschafft. Der Bürgermeister Armin Elbl hat Verständnis für den Unmut und die Beschwerden jener lärmgeplagten Menschen, die in der direkten Umgebung und im etwas erhöht liegenden Baugebiet Obere Zeil leben. Sie hätten auch schon eine Protestliste mit rund 25 Unterschriften im Rathaus eingereicht. Elbl schätzt, dass es hochgerechnet etwa 100 Menschen sind, die durch das Heulen radierender Reifen und das Röhren PS-starker Motoren allzu oft um den Schlaf gebracht werden. Die Ruhestörer seien von Betroffenen auch schon zur Rede gestellt worden. Aber was sie da zu hören bekommen hätten, sei „nicht zitierfähg“.

Walter Röhrl für Arme

Ein direkter Anwohner berichtet, dass sich das illegale Motorsportspektakel meist erst nach 1 Uhr abspiele. Seine Tochter wache stets davon auf und sei dann „wie gerädert“. Zudem wabere anschließend ein beißender Gestank von verbranntem Gummi und Abgase über den Platz und direkt in die Wohnung, wenn die Fenster nicht schnell genug geschlossen würden. Woher die Rowdys kommen, sei schwer zu sagen. Er vermute, sie stammten noch nicht einmal aus der Stadt. Auch Armin Elbl, weiß nicht, wer sich dort als Walter Röhrl oder Sebastian Vettel für Arme versucht. Nur so viel zu der Szene: „Es scheint eine Gruppe von Leuten zu geben, die Spaß daran haben, ihre Reifen runterzuschrubben.“ Es habe einige Zeit sogar ein Video des Geschehens im Internet kursiert, erzählt der Anwohner. Das habe wohl zusätzlich für den Platz als Motodrom geworben. Einmal hätten die PS-Enthusiasten einen Mülleimer in Brand gesteckt und diesen mit den Autos durch die Gegend geschoben.

Die Polizei zu rufen habe noch nie zum Erfolg geführt. Denn nach einer viertel oder halben Stunde sei der Spuk meist vorbei. Zudem vermutet Elbl, dass Kameraden der selbst ernannten Motorsportler Schmiere stehen und die Piloten rechtzeitig warnen. Dank zweier Zufahrtswege zu dem auf dem städtischen Sportgelände gelegenen Rondell, sei eine Flucht nicht schwer. Der direkte Nachbar sagt, er habe einmal einen Porsche nach dessen Drift verfolgt. Allerdings nur kurz, denn der sei mit mehr als 200 Sachenin Richtung Plochingen davon gerast. Das Kennzeichen habe er jedoch notiert und es habe sich herausgestellt, dass der junge Fahrer den Sportwagen von seinem Vater zwar „ausgeliehen“, aber vergessen hatte, seinen Erzeuger zuvor darüber zu informieren.

Lauter als die Musik in der Eishalle

Frank Schlesinger, der Pächter der Eishalle, hat sie schon einige Male beobachtet, die schleudernden VW Golfs, BMW und Mercedes. Die Fläche sei bei den ungekrönten Driftkönigen besonders beliebt, wenn sie mit Schnee oder Eis bedeckt sei. Sie seien auch schon vorgefahren, als in der Eishalle noch Betrieb herrschte: „Von unserer Musik hat man da nicht mehr viel gehört.“

Die zunächst angedachten Lösungsansätze der Stadt, den Platz mit Schwellen unbefahrbahr zu machen, ihn zu umzäunen oder die Zufahrten zu sperren, wurden als wenig praktikabel verworfen. Doch mit zwei großen Steinquadern als Hindernisse, die laut Armin Elbl „die Torte halbieren“, soll nun Abhilfe geschaffen werden. Die Maßnahme, von der Elbl glaubt, dass sie den Driftern das Vergnügen vermiest, werde voraussichtlich rund 1000 Euro kosten und hoffentlich für Ruhe in Wernau sorgen.

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