Werder-Coach Viktor Viktor Skripnik Foto: Bongarts

Viktor Skripnik ist in diesen Tagen nervös. Er weiß nur zu gut, dass die grundsätzliche Qualität der Mannschaft sich durch seine bloße Präsenz nicht gleich verdoppelt hat. Aber er scheint der richtige Mann zur richtigen Zeit zu sein.

Bremen - Viktor Skripnik wird in diesen Tagen das Teetrinken auf ein Minimum reduzieren, so viel steht fest. Denn der neue Trainer von Werder Bremen ist aufgeregt. Vor seinem ersten Heimspiel als Chefcoach der Bundesligamannschaft gegen den VfB Stuttgart ist das Lampenfieber derart hoch, dass selbst die einfachsten Hausmittelchen nicht mehr helfen. An Schlaf ist deshalb in den vergangenen Nächten nur selten zu denken gewesen. „Selbst Gute-Nacht-Tee hilft nicht“, sagt Skripnik.

Mit derlei Sätzen punktet der Ukrainer derzeit wie am Fließband. Manch einer in Bremen fühlt sich schon zurückversetzt in die Anfangszeit eines Thomas Schaaf. Auch der später so knorrige und mürrisch daherkommende langjährige Erfolgstrainer der Grün-Weißen erlangte in seiner Anfangszeit bundesweiten Kultstatus wegen seiner knappen, aber stets markigen Sprüche. Nun hat Viktor Skripnik das Sagen, und innerhalb einer Woche mit zwei Siegen scheint all jenes wie weggewischt, was sich in den vergangenen eineinhalb Jahren ins Bewusstsein der Bremer eingebrannt hat.

Dass der allseits geschätzte „Werder-Weg“ in der heutigen Zeit eben doch nicht mehr funktioniert, dass es wohl einfach einen finanzstarken Investoren braucht, um Schritt zu halten. Diese wunderbar romantische Mär von dem etwas anderen hanseatischen Club, sparsam und fleißig, war bereits in die Fabelwelt verbannt – und jetzt das. Da kommt dieser Viktor Skripnik, in Bremen seit je nur liebevoll „Beckham der Ukraine“ genannt, und siegt mit einer bis dato für ligauntauglich gehaltenen Mannschaft zweimal in Folge.

An seiner Seite steht mit Torsten Frings eine weitere Clublegende, den Aufsichtsratsvorsitz hat Ehrenspielführer Marco Bode übernommen. Und plötzlich kennt der Glaube an das gute Ende keine Grenzen mehr – trotz Tabellenplatz 18.

Auch deshalb ist Viktor Skripnik in diesen Tagen so nervös. Er weiß nur zu gut, dass die grundsätzliche Qualität der Mannschaft sich durch seine bloße Präsenz nicht gleich verdoppelt hat. Aber er scheint der richtige Mann zur richtigen Zeit zu sein. Wo sein Vorgänger Robin Dutt allzu oft einen geradezu wissenschaftlichen Ansatz des Spiels hatte, pflegt der 24-fache ukrainische Nationalspieler einen deutlich simpleren Ansatz. „Der Trainer impft uns frisches Blut ein“, sagt Zlatko Junuzovic. „Wir spielen vielleicht etwas mutiger“, meint Felix Kroos. Und Fin Bartels hat festgestellt: „Er hat eine klare Ansprache.“

Der neue Trainer ist in Bremen verwurzelt, seit 1996 im Verein, und er lief in acht Spielzeiten 138-mal für Werder in der Bundesliga auf. Danach machte er seine Trainerausbildung und arbeitete sich über diverse Jugendteams zur Regionalligamannschaft nach oben. Nun also das erste Bundesliga-Heimspiel. Natürlich sei er nervös. „Ich weiß nicht, was mich erwartet“, sagt Skripnik. Das gilt auch in Bezug auf den VfB Stuttgart.

Das 5:4 in Frankfurt hätte ihn regelrecht begeistert. „Das hat mich an Werder in seinen besten Tagen erinnert.“ Es ist ein hinkender Vergleich. Denn die früheren Meister laufen der Musik schon länger hinterher. In Bremen ist man dennoch heilfroh, dass mit Viktor Skripnik nun einer das Sagen hat, der zumindest noch aktiv an den großen Erfolgen beteiligt war. Das garantiert zwar keine Siege, fühlt sich aber irgendwie besser an.

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