Werden sehr gerne mit Werbung beklebt: Laternenmasten an Straßen. Foto: Holowiecki

Der Stadtbezirk Stuttgart-Sillenbuch ist zugepflastert mit Werbeplakaten für Veranstaltungen. Zurzeit ist wieder Kleiderbörsenzeit, wie die Pfosten an den Straßen eindeutig verraten. Doch die Zettel kleben nicht selten an verbotenen Stellen...

Sillenbuch - Endlich März. Krokusse und Schneeglöckchen zaubern bunte Fleckchen in die Landschaft. Und noch etwas bringt unübersehbare Farbtupfer: Flugblätter für Kindersachenmärkte. Jetzt ist Klamottentauschzeit, kaum ein Kindergarten, der keinen Basar anbietet. In Sillenbuch führt das zu einer wahren Werbeflut im öffentlichen Raum. In manchen Straßenzügen haben etliche Laternenmasten eine geklebt bekommen – oder zwei oder drei. Ob Ladenzentrum, Spazierweg oder Durchgangsstraße, die Plakate künden von vergangenen und zukünftigen Märkten und sind in bester Gesellschaft. Dienstleister, Messe- und Theaterveranstalter buhlen mit privaten Verkäufern, Wohnungssuchenden und Jobanbietern um Aufmerksamkeit. Das Schaufenster der geschlossenen Bäckerei Unger ist längst das neue Schwarze Brett in Sillenbuch.

Am Samstag verkauft das Team aus dem Riedenberger Kindergarten Rosa Elefant – und wirbt ebenfalls im Vorfeld an Masten für das Angebot, erklärt eine Veranstalterin, die namentlich ungenannt bleiben will. Irgendjemand habe das mal angefangen in Sillenbuch, jetzt sei man etwas unter Zugzwang. „Man muss schon auffallen, ohne Werbung geht es nicht“, sagt sie. Immerhin kämen die Einnahmen aus Tischmieten oder Kuchenverkäufen den Kindern zugute. Bei der Werbung gelte es, die Ausgaben kleinzuhalten. Den Druck der Plakate und Flyer finanziere die Kirchengemeinde als Trägerin, die Verteilung erfolge durch Freiwillige. Auch in der Tageseinrichtung in der Gorch-Fock-Straße würden für den jüngsten Basar 30 bis 40 Kleinplakate ausgehängt, sagt die Elternbeiratsvorsitzende Hsiao-Ni Anthony. Ebenfalls an Masten, aber vor allem in Bäckereien, Praxen oder Apotheken, das habe sich als besonders effektiv erwiesen. So bestätigt es auch Carina Tenzer vom Kinderhaus Sillenbuch, das dieser Tage den ersten Basar überhaupt ausgerichtet hat, um den Bau eines neuen Spielplatzes zu finanzieren. „Tatsächlich sind viele Basarbesucher Flugzettel gewöhnt und halten gezielt Ausschau danach“, sagt Tenzer. Diese Erfahrung hat Elisabeth Köppel vom Elternbeirat der Kita Bernsteinstraße auch gemacht: „Die Zettel an den Masten werden sehr gut gelesen. Ich habe einige Leute auf dem Flohmarkt gefragt, woher sie die Info hatten, die meisten kamen aufgrund der Aushänge.“

Vereine dürfen zweimal im Jahr maximal 30 Plakate aufhängen

Was bei der Klebeflut überrascht: Das Werben an Masten ist gar nicht erlaubt, erklärt Jana Steinbeck, eine Rathaussprecherin. „Das gilt für den Kinderbasar wie für die Wohnungssuchenden.“ Eine Sondernutzungserlaubnis gibt es lediglich für Wahlplakate, Zirkusse und Vereine. Clubs dürfen zweimal jährlich in ihrem Bezirk maximal 30 Plakate an Laternenmasten aufhängen, etwa, um für eine Fete zu werben. Ampeln und Verkehrszeichen sind tabu. Das wird sogar überwacht. „Das Plakatieren wird von unserem Vertragspartner Stadtkultur Stuttgart kontrolliert und vom Amt für öffentliche Ordnung sanktioniert – sofern ein Verursacher ermittelt werden kann.“ Das mögliche Bußgeld liege zwischen 100 und 500 Euro. Eine Ordnungswidrigkeit werde allerdings in der Regel bei großflächigen Wildplakatierungen verhängt, kleinere Hinweise würden erst nach massiven Beschwerden zur Anzeige gebracht.

Wind und Wetter werden schon aufräumen

Das Team vom Rosa Elefanten ist erstaunt und betont: „Dann werden wir die Laternenmasten künftig weglassen, das ist nicht ausschlaggebend.“ Alle Befragten stellen aber klar: Nach den Veranstaltungen schwärmen stets Teams aus, um die eigenen Werbezettel wieder einzusammeln. „Schon während die Veranstaltung läuft, sprechen wir darüber. Das ist Routine“, sagt etwa Hsiao-Ni Anthony. Die Praxis aber zeigt: Nicht alle sind so gewissenhaft. Vor allem Veranstalter von auswärts überlassen das Aufräumen nicht selten Wind und Wetter. So weisen Plakate in Sillenbuch auf eine Theateraufführung hin, die bereits im Januar war.

Termine:

An diesem Samstag sind mehrere Märkte. Unter anderem das Rosa-Elefant-Team verkauft zwischen 11 und 13 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum Riedenberg und im Kindergarten selbst, fast zeitgleich ist der Kinderkleider- und Spielsachen-Flohmarkt im katholischen Gemeindesaal Sankt Thomas Morus in Heumaden. Eine Woche drauf sind Kleiderverkäufe für Jugendliche und Erwachsene in den evangelischen Gemeindehäusern in Riedenberg und Birkach.

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