Wortduelle gegen Fachkräftemangel beim Recruiter-Slam im Römerkastell in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Beim Recruiter-Slam im Römerkastell versuchen sich Personalwerber als Entertainer. Rund 300 Zuschauer haben sich eingefunden, um sich von den Fachkräften unterhalten zu lassen. Einige sind auch gekommen, um auf Tuchfühlung mit künftigen Arbeitgebern zu gehen.

Stuttgart - Wird in der Pharmaindustrie hinter verschlossenen Türen die Peitsche geschwungen? Bernd Schmitz behauptet, er habe eine von einem Vorstandsvorsitzenden geerbt.

Der Mann mit dem Hut ist Head of University & Talent Relations bei der Bayer AG. In Stuttgart wird er zum Vetter von Indiana Jones und präsentiert Einblicke in sein wildes Leben als Recruiter. Schmitz ist einer von sechs Anwärtern auf das Goldene Mikrofon beim Recruiter-Slam in der Phoenixhalle des Cannstatter Römerkastells.

Recruiter sind Botschafter der Unternehmenskultur. Redegewandtheit gehört zum Geschäft. Schließlich sollen sich Fachkräfte angezogen fühlen. Der Unterhaltungswert steht dabei normalerweise nicht im Vordergrund. Wenn die T-Online-Mitarbeiterin Ute Neher aus Stuttgart ihrer „Magenta-Familie“ von der Bühne aus mit einer übergroßen, aufblasbaren Hand zuwinkt, dann ist das Neuland für sie.

Die Teilnehmer sind Pioniere

Neu ist auch die Idee des wortreichen Wettstreits am Freitagabend: Die Teilnehmer sind Pioniere beim weltweit ersten Recruiter-Slam. Rund 300 Zuschauer haben sich eingefunden, um sich von den Fachkräften unterhalten zu lassen. Einige sind auch gekommen, um auf Tuchfühlung mit künftigen Arbeitgebern zu gehen.

„Wir haben etwa 40 Studierende im Publikum“, schätzt Michael Witt, der Ideengeber der Veranstaltung. „Dass es nicht mehr sind, ist wohl der Premierensituation geschuldet. Wenn wir so etwas häufiger veranstalten würden, kämen sicher noch mehr Arbeitssuchende. So ist es eben eher ein Business-to-Business-Event.“

Der Gewinn: eine Trophäe und eine Flasche Whiskey

Dass sich auch im Publikum etliche Recruiter befinden, tut der Stimmung keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die Lacher zeigen, dass die von den Slammern skizzierten Situationen und Charaktere Wiedererkennungswert haben. Auch wer nicht vom Fach ist, kann sich amüsieren, wenn der Holländer Martijn Smit sich als „Che Guevara des Recruitments“ präsentiert und auf Englisch zum Besten gibt, wie er versuchte, sich hierzulande als „Rekrutenberater“ durchzuschlagen.

Launig sind auch die Anmerkungen von Jan Hawliczek und Tobias Ortner zum Recruiting über die Internet-Dating-Plattform Tinder. Als erste Slammer des Abends haben die Abgesandten des Fahrzeugtechnikentwicklers BFFT keinen leichten Stand. „Der letzte Platz ist uns sicher“, stellt Tobias fest und lacht. Dabei sein ist alles.

Mehr Fingerspitzengefühl bei der Suche nach Arbeitskräften

Sein Kollege verrät, man habe sich erst auf der Anfahrt von Ingolstadt vorbereitet. Beide sind mit viel Herzblut und Spaß bei der Sache. An der Wertung der Publikumsjury ändert das nichts. In der Pause werden die sympathischen Herren aber mit Fragen bedrängt. Die Botschaft, dass BFFT mit seinem Altersschnitt von 32 ein junges, dynamisches Unternehmen ist, bleibt hängen. Mission erfüllt.

Das Rennen macht letztlich Henrik Zaborowski. Der Recruiting-Coach aus Bergisch Gladbach trifft mit seinem poetisch verpackten Plädoyer für mehr Fingerspitzengefühl bei der Suche nach Arbeitskräften ins Schwarze. Er darf sich neben der Slam-Trophäe über eine Flasche Whiskey freuen.

Michael Witt und sein Poetry-Slam-erfahrener Kompagnon Tobias E. Meinhold, der durch den Abend führt, sind ebenfalls zufrieden. Das Konzept, Arbeitgeberprofile kurzweilig zu präsentieren, hat offenbar Potenzial. Kein Wunder, dass eine Fortsetzung bereits angedacht ist.

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