Aufbruchsstimmung in Renningen: Mealnie Hettmer gewinnt am 13. Oktober die Bürgermeister-Wahl. Foto: Simon Granville

Kommunalpolitik ist zumeist am Konsens orientiert. Das ist gut so, wird in Wahlkampfzeiten aber schwieriger, meint unser Leonberger Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski.

Vornehmlich düstere Aussichten und kaum Optimismus haben rund um den Jahreswechsel die Stimmung im ganzen Land, genau wie bei uns vor der Haustür geprägt. Krisen und Kriege weltweit, Flüchtlingskrise und Wirtschaftsflaute in Deutschland, deren Auswirkungen selbst im reichen Ländle zu spüren sind, wie etwa bei Bosch oder Trumpf.

 

Läuft es wenigstens in der Kommunalpolitik rund? In Renningen steht die frisch gewählte und recht junge Bürgermeisterin Melanie Hettmer für einen zuversichtlichen Blick nach vorne. Mit Jens Millow in Weissach, Alexander Noak in Korntal-Münchingen, Dirk Oestringer in Gerlingen, Thomas Schäfer in Hemmingen und Christian Walter in Weil der Stadt sind ebenfalls vergleichsweise junge Chefs mit modernem Führungsstil in den Rathäusern. Wobei letzterer in der heftigen Debatte um für ein Neubaugebiet gefällte Bäume erstmals den rauen Wind zu spüren bekommt, der fast allen Verantwortlichen früher oder später entgegenschlägt.

Michael Makurath in Ditzingen und Susanne Widmaier in Rutesheim kennen diesen schon länger. Wobei Widmaier die kontroversen Jahre vornehmlich als Erste Beigeordnete in Weil der Stadt erlebt hat. Als Bürgermeisterin von Rutesheim hat sie es mit einem Gemeinderat zu tun, der als Musterknabe in Sachen Einigkeit gilt. In Ditzingen sind die Diskussionen forscher, unter dem Strich aber konsensorientiert.

Und in Leonberg? Da steht in diesem Jahr ein Führungswechsel an. Martin Georg Cohn, seit sieben Jahren an der Spitze der Großen Kreisstadt, wird sich im September nicht erneut um das Amts des Oberbürgermeisters bewerben. „Das notwendige Band des Vertrauens spüre ich nicht mit der notwendigen Stärke“, sagt der Sozialdemokrat und hat dabei vor allem den Gemeinderat, selbst seine eigene Fraktion, im Blick. Die meisten im Gremium sind spürbar auf Distanz zum Vorsitzenden des Rates gegangen, den ein OB qua Amt inne hat.

Immer noch attraktiv

So sind denn viele erleichtert über Cohns frühzeitige Verzichtserklärung, die ermöglicht hat, dass sich nun alle Beteiligten ein Stück weit unverkrampfter begegnen. Wichtig ist jetzt, dass die politische Arbeit professionell weiter geht, was nicht leicht sein wird. Einerseits dürfte sich, wie in allen anderen Kommunalparlamenten ebenfalls, der Bundestagswahlkampf auf den Umgangston in den Debatten vor Ort auswirken. Er könnte wieder schärfer werden.

Andererseits ist in Leonberg keine Wahlkampfpause zu erwarten. Im September, nach den Sommerferien, sollen die Menschen ihr neues Stadtoberhaupt bestimmen. Bei der Bürgermeister-Wahl im Oktober in Renningen gab es lediglich zwei Kandidaturen, von der nur eine ernsthafte Aussichten auf Platz 1 hatte. Doch das ist in Leonberg allen Unkenrufen zum Trotz, dass die Stadt durch das ganze Hickhack an der Rathausspitze einen ernsten Imageschaden erlitten habe, nicht unbedingt zu erwarten.

In der Tat waren und sind die Querelen nicht förderlich, doch die Stadt ist nach wie vor ein attraktives Mittelzentrum, das einer engagierten Führungskraft vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Es ist schwer vorstellbar, dass es nicht genügend Aspiranten aus der zweiten Reihe gibt, die hier eine große Chance auch für sich selbst sehen.

Hier lohnt erneut der Blick nach Renningen: Jan Hambach, junger Chef der dortigen SPD-Fraktion mit Ambitionen auf Höheres, holte im März bei der Bürgermeisterwahl in Freiberg am Neckar unter anderem deshalb fast 80 Prozent, weil er frühzeitig seinen Hut in der Ring geworfen hatte und die Zeit nutzte, um sich bei Bürgern und Vereinen bekanntzumachen. Ähnlich sah das Erfolgsrezept von Melanie Hettmer aus. Mal schauen, wann der erste Hut im Leonberger Ring liegt.