Wie sollen Wähler noch den Durchblick haben? Franziska Giffey bei einem Wahlkampftermin mit Olaf Scholz? Foto: dpa/Wolfgang Kumm

In der Hauptstadt zeigt sich: Taktisches Wählen wird immer schwieriger. Das kann aber auch ein Vorteil sein, kommentiert Tobias Peter

Viele Berliner quälen sich bei der Wiederholungswahl mit ihrer Entscheidung wie noch nie. Ein Problem: Durch das immer kleinteiligere Parteiensystem ist für die Wähler nicht absehbar, was mit ihrer Stimme passiert. Mit CDU, SPD und Grünen gibt es drei Parteien, die hinterher die Regierung führen könnten. Die Lage vor der Wahl ist unübersichtlich.

 

Lohnt es sich, in der Hauptstadt CDU zu wählen – oder ist das eine verschenkte Stimme, weil die Union keine Koalitionspartner findet? Ist eine Stimme für die Grünen vielleicht sogar eine gegen das rot-grün-rote Bündnis, weil die SPD sich einer Koalition unter Führung der Grünen verweigern würde? Geht es Franziska Giffey bei der Wahl der Koalitionspartner um mehr als darum, dass sie Regierende Bürgermeisterin bleibt?

Eine freie Entscheidung

Die neue Unübersichtlichkeit in der bunten Republik hat aber auch einen Vorteil: Wenn taktisches Wählen nahezu unmöglich wird, können die Menschen sich einfach fragen, welche Partei ihnen am nächsten liegt. Oder welchem Kandidaten sie zutrauen, die Stadt voranzubringen. Danach können sie, frei von anderen Erwägungen, ihre Entscheidung treffen. Das ist schwierig genug.