Friedrich Merz gilt als einer von möglichen Nachfolgern für den CDU-Parteivorsitz. Foto: AFP/Odd Andersen

Wer könnte die Nachfolge für Annegret Kramp-Karrenbauer antreten? Noch halten sich die Favoriten zurück. Doch wie lange?

Berlin - Es gibt hundert verschiedene Arten zu schweigen. Wer da gerne Feldforschung betreiben will, sollte sich in der CDU umhören. Er hört nichts. Nur eine hat gesprochen. Annegret Kramp-Karrenbauer hat erkannt, dass sie ihren Anspruch auf die Kanzlerkandidatur nicht aufrecht erhalten kann und gleichzeitig den Parteivorsitz räumen wird. Zu groß die Widerstände, zu zahlreich die Kritiker.

 

Entscheidung erst Ende des Jahres?

Das ist eigentlich ein Startschuss. Nun könnten sich die Bewerber ins Spiel bringen. Ansprüche anmelden, das Terrain sondieren. Noch passiert das nicht. Nur gute Worte für Kramp-Karenbauer, sonst halten sich diejenigen, die Ambitionen haben zurück. Das ist nicht das betroffene Schweigen aus Schockstarre. Wirklich überraschend kam wohl nur noch der Zeitpunkt der Ankündigung. In der CDU herrscht eher das lauernde Horchen, das wortlose Belauern der Hoffenden, das berechnende Stillhalten der sich berufen Fühlenden, das stumme Anspannen aller Energien vor dem Losstürmen.

Wer sind mögliche Kandidaten?

Noch aber wirft niemand den Hut in den Ring. Spekulationen müssen deshalb vom wenigen Handfesten ausgehen, das „AKK“ mitgeteilt hat. Sie findet, dass Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur wieder in einer Hand vereint sein sollen. Und sie möchte, dass die CDU an ihrem Zeitplan festhält. Die Entscheidung soll letztlich auf dem Bundesparteitag, im Dezember im Stuttgart fallen. Manchem in der Partei erscheint das zu lang. „Das stehen wir nicht durch“, sagt der Nürtinger Bundestagabgeordnete Michael Hennrich. „Spätestens bis zum Sommer müssen die Weichen gestellt sein.“ Längst aber hat hinter den Kulissen das Wiegen und Wichten der Kandidaten begonnen. Wir stellen die Personen vor, die das Rennen wohl unter sich ausmachen werden.

Markus Söder

Auch wenn der CSU-Chef keine eigenen Ansprüche erhebt, braucht der künftige Kanzlerkandidat den Segen aus München. Söder hat sich seit seinem Amtsantritt als Ministerpräsident durch einen klaren Abgrenzungskurs zur AfD profiliert. Noch vor der Bundes-CDU war er es, der das Thüringer Wahlergebnis vehement verurteilt hatte. Zudem zeigt Söder großen Ehrgeiz, die CSU ökologisch zu modernisieren. Das alles rückt er in eine gewisse Distanz zu Friedrich Merz. Er hat viel mehr eine Nähe zu seinem Parteikollegen Jens Spahn. Dennoch verkündete Söder am Montagabend, dass er sein Bundesland vorerst nicht verlassen will. „In Bayern ist mein Standort und mein Anker, ich bin bei den bayerischen Wählerinnen und Wählern im Wort“, sagt er dem Bayerischen Rundfunk.

Armin Laschet

Laschet ist Vize-Bundesvorsitzender der CDU, Chef des größten Landesverbandes und Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten Bundeslandes. Damit ist er das größte politische Schwergewicht. Ob er Chancen hat, entscheidet sich an inhaltlichen Fragen. Die CDU muss klären, welchen Kurs sie künftig steuern will. Wenn die Auswahl des Kanzlerkandidaten als Scherbengericht über Angela Merkel und eine Abkehr von ihrem Kurs gedacht ist, dann wäre Laschet der falsche Kandidat. Er ist ein Merkel-Mann, der die sozialen und liberalen Wurzeln der Union betont. Entschieden und kompromisslos ist er gegen jeden Kurs der Annäherung an die AfD aufgetreten. Er will die Partei fest in der Mitte und anschlussfähig an die liberal-ökologisch orientierten städtischen Milieus halten. Allerdings hat er sich durch sein hartes Durchgreifen gegen Clan-Kriminalität auch bei den Konservativen Respekt erworben. Vorteil: Er genießt bei der FDP als auch bei den Grünen einen guten Ruf.

Jens Spahn

Spahn hatte bei der Vorsitzenden-Wahl als dritter Kandidat neben AKK und Friedrich Merz ein respektables Ergebnis eingefahren und hat sich danach weiterhin als fleißigster Minister im Kabinett profiliert. Spahn gilt als undogmatischer und moderner Konservativer. Wer den Merkel-Kurs als zu beliebig oder zu wenig konservativ ansieht, Friedrich Merz aber als zu gestrig einstuft, könnte sich ins Spahn-Lager begeben. Spahn ist mit 39 Jahren der mit Abstand jüngste potenzielle Bewerber, könnte aber genau deshalb auch noch abwarten.

Friedrich Merz

Abwarten kann Friedrich Merz gewiss nicht mehr. Wenn er seinen Traum von der Macht realisieren will, dann jetzt. Und es hat den Eindruck, dass er wirklich will. Sein am Mittwoch bekannt gegebener Rückzug von seinem Spitzenposten bei der Fondsgesellschaft „BlackRock“ war in der Partei als deutliches Signal verstanden worden. Auch die Entscheidung für Merz wäre eine Richtungsentscheidung. Mit ihm nähme die CDU auch inhaltlich Abschied von den Merkel-Jahren.

Oder doch Mister oder Misses X?

Gibt es noch einen Mister X, für den Fall, dass sich kein Bewerber klar durchsetzen kann? Unwahrscheinlich, aber wenn, richten sich alle Augen auf den Fraktionschef im Bundestag, Ralph Brinkhaus, dessen Arbeit viel Anerkennung genießt.