Ute Wanner blickt mit Wehmut auf ein Bild ihrer Mutter. Doch sie ist froh, dass sie sie gut vorbereitet bis zum letzten Atemzug begleiten konnte. Foto: Werner Kuhnle

Die Beilsteinerin Ute Wanner begleitete ihre Mutter in deren letzter Lebensphase. Ihr half dabei ein Letzter-Hilfe-Kurs. Sie weiß: „Ich habe nichts falsch gemacht und nichts versäumt.“

„Ich wusste, die Last liegt auf mir – aber ich würde es jederzeit wieder genauso machen.“ Ute Wanner hat noch heute Tränen in den Augen, wenn sie an ihre im vergangenen Jahr verstorbene Mutter denkt. Doch zugleich ist sie glücklich darüber, dass sie sie bis zum letzten Atemzug begleitet hat: „Ich bin so ganz bei mir, ich weiß: Ich habe nichts falsch gemacht und nichts versäumt und konnte meine Mutter in Frieden gehen lassen. Der Kreis ist vollendet.“

 

Diese Sicherheit, nichts versäumt und nichts falsch gemacht zu haben, hat ihr ein Letzte-Hilfe-Kurs der ökumenischen Hospizgruppe Oberes Bottwartal vermittelt. Denn nicht nur Erste Hilfe, sondern auch Letzte Hilfe, also die Begleitung beim Sterben, ist „Ausdruck gelebter Mitmenschlichkeit“, so der Palliativmediziner Georg Bollig. Er hat das Konzept der kostenlosen Kurse, die bundesweit angeboten werden, entwickelt. Sie sollen nicht nur Basiswissen über Dinge wie Mundpflege, die richtige Lagerung und Massagen vermitteln, sondern vor allem auch Selbstvertrauen für einen offenen Umgang mit den Themen Sterben und Tod aufbauen. Denn der Tod gehört unausweichlich zum Leben.

Angehörige und Freunde sind oft rat- und hilflos

Dennoch wird der Gedanke daran gern verdrängt, solange es nur geht. Und wenn es nicht mehr geht, sind Angehörige und Freunde oft hilflos. Was soll man tun, was soll man lassen, wo findet man Unterstützung?

Ute Wanner war beim Tod ihrer Mutter gut vorbereitet. Denn vor einigen Jahren hatte sie bei der Ökumenischen Hospizgruppe Oberes Bottwartal einen Kurs in letzter Hilfe absolviert. Der Grund dafür war ein beinahe tragischer: Ihr Mann Günter konnte im Jahr 2018 nur dank einer Organspende quasi in letzter Sekunde gerettet werden. „Und da kommt man ins Nachdenken“, erinnert sich die Beilsteinerin. Hinzu kam, dass ihre Eltern bereits auf die 90 zugingen. Ihre Mutter war da schon dement, konnte dank der Tagespflege der Diakonie aber noch in ihrem eigenen Zuhause leben. „Für mich war es immer selbstverständlich, dass ich sie nicht in ein Heim geben würde, wenn es einmal nicht mehr ginge. Ich wollte meiner Mutter alles geben und beim Sterben bei ihr sein“, sagt Ute Wanner schlicht.

Wissen vermittelt Sicherheit in der Sterbebegleitung

Als ihre Mutter einen Schlaganfall erlitt und schwerst pflegebedürftig wurde, habe sie alleine entschieden: Wir holen sie nach der Entlassung aus dem Krankenhaus heim und ermöglichen es ihr, zu Hause zu sterben. Ihr Mann Günter und auch ihr Bruder unterstützten diese Entscheidung, ebenso ihr Vater, der so am Bett seiner Frau sitzen oder sich auch zurückziehen konnte, wenn es ihm zu viel war.

Natürlich mache man viele Dinge ganz automatisch, beispielsweise die Hand des geliebten Menschen halten oder streicheln, sagt Ute Wanner. Doch die Intuition alleine reiche nicht aus. „Für mich war es unheimlich wichtig zu wissen: Was geht beim Sterben im Körper vor sich? Wie kann man helfen, unterstützen und für Erleichterung sorgen? Und vor allem: Wo finde ich selbst Hilfe von außen, wenn es beispielsweise um das Verabreichen von Medikamenten geht oder um die Körperpflege?“

All das habe der Kursleiter Holger Hessenauer, der Gemeindediakon in Großbottwar, vermittelt. In ihrem Fall half die ambulante Palliativpflege in Weinsberg, die man rund um die Uhr anrufen könne. „Ich wusste vorher gar nicht, dass es so etwas gibt.“

Unnötiges Leid vermeiden und Linderung verschaffen

Ohne eine solche Unterstützung, ist Ute Wanner überzeugt, wäre Sterbebegleitung nicht möglich. Denn es gebe immer wieder herausfordernde Momente, beispielsweise, wenn Atemnot dazukomme. „Da kommt Panik auf. Man möchte ja den Sterbenden nicht unnötigem Leid aussetzen.“

Sie habe im Kurs zudem gelernt, dass das Gehör ganz am Schluss sterbe. „Ich selbst habe meiner Mutter geistliche Lieder vorgespielt. Man sollte aber auch darauf achten, was man spricht.“ Wichtig sei für sie auch gewesen zu erfahren, dass man Sterbende zu nichts zwingen solle, selbst wenn manches für einen selbst schwer zu ertragen sei. Beispielsweise, wenn Menschen am Ende ihres Lebens keine Nahrung und keine Flüssigkeit mehr zu sich nehmen wollten. „Eine Magensonde legen zu lassen, kam deshalb nicht in Frage“, sagt sie. Mundpflegestäbchen halfen dabei, die Mundschleimhaut zu befeuchten und Durstgefühl zu lindern.

In Ruhe Abschied nehmen können

Ein weiterer wichtiger Programmpunkt im Letzte-Hilfe-Kurs war der Hinweis auf die Wichtigkeit von Patientenverfügungen und notariellen Vollmachten. Ihre Eltern hätten glücklicherweise ihre Wünsche schon rechtzeitig festgehalten und ihr eine notarielle Vollmacht übertragen. „So wusste ich genau, was meine Mutter gewollt hätte und was nicht“, sagt Ute Wanner.

Auch nach deren Tod habe ihr das im Kurs Gelernte noch geholfen. „Ich wusste beispielsweise nicht, dass ich die letzte Waschung und das Ankleiden selbst durchführen kann. Oder dass meine Mutter nicht sofort abgeholt werden musste.“ Dadurch habe sie in aller Ruhe von ihr Abschied nehmen können, was ihr auch bei der Trauerbewältigung geholfen habe.

Informationen zu Kursen

Anbieter
Im Kreis Ludwigsburg werden, meistens von Hospizgruppen, viele Kurse angeboten, die zum Teil schnell ausgebucht sind. Denn die Teilnehmerzahl wird bewusst gering gehalten, damit genügend Zeit für Fragen bleibt. Zu finden sind Termine und Veranstaltungsorte auf www.letztehilfe.info/kurse. Die Teilnahme ist in der Regel kostenlos, eine Spende für die Hospizarbeit ist aber willkommen.

Kursinhalte Diese Themen werden in den Kursen behandelt: Sterben als Teil des Lebens, Vorsorgen und Entscheiden, Leiden lindern, Abschied nehmen vom Leben.

 Kurse im Februar
Im Kreis Ludwigsburg waren bei Redaktionsschluss diese Kurse noch nicht ausgebucht: 4.2. in Pleidelsheim, Veranstalter ist die ambulante ökumenische Hospizgruppe. 21.2. in Möglingen (ökumenische Hospizinitiative Hospizgruppe nördliches Strohgäu), 25.2. Kornwestheim (ökumenische Hospizgruppe Kornwestheim), 28.2. Neckargröningen (ökumenische Hospizinitiatve Hospizgruppe Ludwigsburg), ebenfalls 28.2. Eberdingen-Hochdorf (Hospizgruppe Vaihingen/Enz).