Der linke Vogel kommt dem von KNITZ doch recht nahe. Foto: dpa/Marcus Führer

Kolumnist KNITZ über sein Verhältnis zu Vögeln. Und wer ihn die Sprache der Wellensittiche gelehrt hat.

Ja, liebe Leserinnen und Leser, Sie haben richtig gelesen. Es geht um Sittichwächter. Nicht zu verwechseln mit Sittenwächtern, aus der Warte von KNITZ eine unangenehme Sorte von Mensch. Ganz anders verhält es sich mit einem Sittichwächter.

 

In einem Nachbarschaftsportal im Internet las KNITZ, dass jemand eine Urlaubsbetreuung für seinen Wellensittich sucht. Wenn KNITZ die Sache recht verstanden hat, geht es nicht darum, mit dem Vogel in den Urlaub zu fliegen. Die Flatter macht der Besitzer des Vogels. Und während dieser aushäusig ist, sollte jemand nach dem daheimgebliebenen Vogel schauen.

Ob man so eine Tätigkeit annimmt, will gut überlegt sein.

KNITZ ist am Überlegen, ob er sich melden soll. Immerhin kennt er sich aus mit Vögeln, ganz speziell mit der Vogelart Wellensittich, noch spezieller mit der Unterart Wellensittich in Gelb.

Ob man so eine Tätigkeit annimmt, will allerdings gut überlegt sein. KNITZ schätzt, dass es nicht reicht, den Wellensittich jeden Tag mit Körnern, einem Hirsekolben und frischem Wasser zu versorgen. So ein Vogel braucht eine Ansprache. Das weiß KNITZ seit seiner frühen Jugend. Das Tier, auf dem seine Erfahrungen fußen, hieß Bubi.

Wellensittich Bubi half bei den Hausaufgaben

Bubi war das, was man gemeinhin als zutraulich bezeichnet. Bubi nahm gern auf der Schulter von KNITZ platz, um am Ohr zu zupfen. Bubi half bei den Hausaufgaben, indem er sich auf den Füllfederhalter setzte. Wenn Essen auf den Tisch kam, ließ Bubi sich nicht lange bitten. Mutmaßlich handelte es sich um einen Wellensittich schwäbischer Herkunft, dies würde Bubis Vorliebe für Spätzle erklären.

Apropos Mundart. Natürlich konnte Bubi sprechen. Zumindest war KNITZ davon überzeugt, wobei so eine Erkenntnis natürlich im Ohr des Betrachters liegt. Der junge KNITZ war auch der Meinung, dass sein Meerschweinchen Struppi menschenähnliche Grunzlaute von sich geben konnte.

Ein Sprachtalent wie jener Wellensittich, auf den KNITZ in einem historischen WDR-Beitrag von 1965 aus der Reihe „Wunder der Natur“ stieß, war Bubi allerdings nicht. Der Wellensittich Peter aus Coesfeld hatte nicht nur einen erstaunlichen Wortschatz. Er konnte sogar kurze Sätze von sich geben – angeblich kannte er sogar seine Adresse.

Eines Tages nahm er durch ein offen gelassenes Oberlicht Reißaus

Das wäre im Fall von Bubi auch praktisch gewesen. Denn eines Tages nahm er durch ein offen gelassenes Oberlicht Reißaus. Nicht weil er freiheitsliebend war, sondern weil er durch eine von einem Windstoß zugeschlagene Tür so erschrak, dass er das Weite gesucht hat.

Weit kam er nicht. Ein paar Straßenzüge weiter sah eine Bekannte den Vogel, sie rief „Hansi“ – und Bubi kam zu ihr. Wohl hatte er sich verhört. Ein paar Tage später erfuhr die Frau von dem entflogenen Vogel. So kam Bubi wieder heim.

Schade, dass so ein Wellensittich kein Zugvogel ist

Auch wenn bis heute unklar ist, wie ausgeprägt das Sprachvermögen von Bubi war, KNITZ kann für sich in Anspruch nehmen, dass er von dem Vogel Zwitscherlaute angenommen hat, mit denen er heute noch als Wellensittich durchgeht.

Schade eigentlich, dass so ein Wellensittich kein Zugvogel ist. Sonst könnte man getrost in den Urlaub fliegen, in der stillen Hoffnung, dass der Vogel nachkommt.