Seite 3Wenn das geliebte Haustier stirbt Ruhiges, sanftes Hinübergleiten

Von Markus Brauer 

Kittys letzter Tag kam plötzlich. Am Abend zuvor lag sie zusammengekauert in der Küche vor der Katzenklappe, das Atmen fiel ihr sichtlich schwer. Am nächsten Morgen fuhr ihre Familie mit ihr voller Sorge und einem ziemlich unguten Gefühl zur Tierärztin. Dort wurde sie untersucht und geröntgt. Dann schüttelte die junge, freundliche Veterinärin nur den Kopf. „Es ist leider nichts mehr zu machen“, sagte sie.

Kittys letzter Weg war ein ruhiges, sanftes Hinübergleiten. Umgeben von bekannten, geliebten Personen. Begleitet von leisem Zureden, Streicheleinheiten und Geschichten aus dem gemeinsamen Leben mit ihrer Familie.

Und dann . . . hörte Kitty auf zu atmen. Ihr Herz schlug nicht mehr, ihre Augen blinzelten nicht mehr. Sie war für immer eingeschlafen – und ließ trauernde Menschen zurück.

„Ich vermisse Kitty. Kitty ist jetzt im Himmel“

Bei der zehnjährigen Tochter von Freunden aus der Nachbarschaft war die Trauer besonders groß. Sie weinte den ganzen Tag, als sie vom Heimgang ihrer Lieblingskatze erfuhr. Am nächsten Tag ging sie zu Kittys Grab unter dem großen Kirschbaum, wo sie im Sommer am liebsten war. Legte selbst gepflückte Blumen darauf und sprach mit ihr, wie es sie es immer getan hatte. „Ich vermisse Kitty. Kitty ist jetzt im Himmel“, sagte sie und lächelte wieder so, wie es sie es immer getan hatte, wenn sie Kitty zärtlich im Arm hielt und die Katze behaglich schnurrte und ihren Kopf an ihr rieb.

Kommen Katzen in den Himmel? „Resurrexit a mortuis“ – Auferstehung von den Toten? Eine kindliche Vorstellung, dass Tiere im Jenseits weiterleben. „Auch Erwachsene glauben an einen Tierhimmel und dass Tiere eine Seele haben“, berichtet Krematorium-Betreiber Rupff. Die Hoffnung, dass mit dem Tod nicht alles aus sei, tröste sie über den großen Verlust hinweg.

„Ich glaube an einen Himmel, in den ich nicht komme, doch wo er mich erwartet“

Selbst überzeugte Atheisten wie der chilenische Lyriker und Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda (1904-1973) bekennt in seinem Gedicht „Mein Hund ist gestorben“: „Und ich, Materialist, der nicht daran glaubt, dass es den verheißenen himmlischen Himmel für irgendeinen Menschen gibt, glaube für diesen Hund oder für jeden Hund an den Himmel, ja, ich glaube an einen Himmel, in den ich nicht komme, doch wo er mich erwartet.“

Der Bonner Psychologe und emeritierte Professor Reinhold Bergler widerspricht solchen Vorstellungen vehement: Die Idee eines Tierhimmels sei bloß Projektion einer „fast schon abgöttischen Beziehung zwischen Mensch und Tier. Hier liegt eine radikale Vermenschlichung von Tieren vor.“

Jenseitsglaube und Totenkult ums Tier als Gipfel der Gefühlsduselei? Es gebe keinen Grund nicht anzunehmen, dass Tiere in den Himmel kommen, meint Kurt Kotrschal. „Wenn ich an die Seele und an den Himmel glaube, dann gibt es keinen Grund, dass wir Menschen dahin kommen, Hunde und Katzen aber nicht.“

Der Schweizer Theologe und Kapuzinermönch Anton Rotzetter, Mitbegründer des Instituts für Theologische Zoologie in Münster, hält es für „überholtes Denken“ zu glauben, die Ewigkeit sei für den Homo sapiens reserviert. „Warum sollte Gott etwas erschaffen, was er dann wieder vernichtet. Was Gott erschafft, bleibt. Sonne und Mond, Mensch und Tier – alles bleibt.“

Alles bleibt, auch die geliebte Kitty – nur an einem anderen, schöneren Ort.

Hier geht es zu unserem Special rund um Tierheime und ihre Bewohner

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