Seite 2Wenn das geliebte Haustier stirbt Tier und Mensch – einfach beste Freunde

Von Markus Brauer 

Unser Verhältnis zu Tieren ist befremdlich und paradox. Sie gelten als die besten Freunde des Menschen, werden verhätschelt, liebkost und umsorgt. Andererseits landen sie in den Regalen der Supermärkte, nachdem sie qualvoll leben und elendig sterben mussten. Eingepfercht als Mastvieh in engen Ställen und Käfigen, in denen sie sich kaum bewegen, geschweige denn artgerecht verhalten können.

„In der heutigen Zeit sind Haustiere mehr als nur ein Freund des Menschen. Sie werden immer öfter als Familienmitglied, Partner- oder Babyersatz angesehen“, sagt Walter Rupff, ein gelernter Tierpräparator, der in Remseck-Aldingen ein Krematorien für Hausiere betreibt.

Aus biologischer Sicht sei das Verhältnis von Tier und Mensch eine echte Sozialpartnerschaft und Freundschaft, erklärt der Biologe und Verhaltensforscher Kurt Kotrschal, der als Professor an der Universität Wien lehrt und Leiter der Konrad Lorenz Forschungsstelle im österreichischen n Grünau ist. „Für manche Menschen haben Tiergefährten eine größere Bedeutung als andere Menschen, weil unter Umständen die Beziehung auf einer viel tieferen emotionalen Basis funktioniert als mit den Mitmenschen.“

Tiere empfinden Freude und Trauer, Zuwendung und Schmerz

Bis vor wenigen Jahrzehnten galten Tiere unter Forschern noch als eine Art Verhaltensroboter, die nur auf äußere Reize reagieren, genetisch auf bestimmte Verhaltensweisen konditioniert sind und durch Versuch und Irrtum lernen. Spätestens seit den Verhaltensforschungen des österreichischen Zoologen und Ethologen Konrad Lorenz (1903–1989) weiß man, dass die These vom Homo sapiens als „Krone der Schöpfung“ ebenso kühn wie unsinnig ist.

Tiere können denken, fühlen und empfinden. Sie verfügen über Emotionalität, Erkenntnisvermögen, ein komplexes soziales Zusammenleben und echte Lernfähigkeit. Sie empfinden Freude und Trauer, sie nehmen Zuwendung und Schmerzen wahr, sie können Liebe empfangen und Liebe schenken.

Wenn Tiere in freier Wildbahn spüren, dass ihr physisches Ende naht, ziehen sich zurück. Instinktiv wollen sie sich und ihre Artgenossen vor Feinden schützen. Auch eine Hauskatze oder ein Hund wird ähnliches empfinden. Sie bereiten sich auf das Sterben vor. Nicht in Panik und Todesangst, sondern in der Gewissheit, dass ihre Zeit gekommen ist und sie gehen müssen.

„Heiterkeit der Seele“

Zurück bleiben Herrchen und Frauchen – und der Schmerz, die Trauer, die Leere. Vielen Tierbesitzern hilft es, wenn sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen – wie dies Hans Brunnengräber getan hat. Der ehemalige stellvertretende Vorstandschef der Magirus-Deutz AG schrieb sich 1978 im „Manager-Magazin“ die Trauer über den Verlust seines 15-jährigen Dackels Josef in einem wunderbaren Nachruf von der Seele:

„Wir haben uns gestritten, beleidigt, die Zähne gezeigt; wir haben uns verstanden, akzeptiert und geliebt, wir haben aufeinander aufgepasst und hielten gegenüber Dritten, die uns nicht gebührend respektierten, wie Pech und Schwefel zusammen. Der Tod eines kleinen Hundes hat etwas bewirkt. Er war in meinem Leben der Garant für viele kleine Freuden. Denn nicht die großen Ereignisse unseres Lebens machen es aus, ob wir glücklich sind und froh. Die Heiterkeit der Seele bedarf der kleinen täglichen Dosis von Zuneigung und Vertrauen.“

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