Am Samstag startete das Böblinger Freibad in die Saison. Der Besucherstrom hielt sich in Grenzen – die Freude bei vielen war dagegen schon grenzenlos. Aber es gibt auch Kritik.
Samstagnachmittag, der Himmel ist leicht bewölkt, das Thermometer zeigt 21,5 Grad – nach Freibadwetter fühlt sich das nicht unbedingt an. Dennoch ist zum Saisonstart in Böblingen bereits einiges los. Im rund 23 Grad kühlen 50-Meter-Becken ziehen ein paar Unerschrockene ihre Bahnen – darunter der 50-jährige Stefan, der seine Kraultechnik verbessern will, um im September in Sindelfingen beim Jedermann-Triathlon nicht badenzugehen.
Im Nichtschwimmerbecken tummeln sich bei 25 Grad einige ballspielende Kinder mit ihren Eltern, auf einer der Liegewiesen spielt eine Gruppe junger US-Amerikaner Football, auf einer anderen genießen Jugendliche die warme Sonne – und vielleicht auch die Aussicht auf ein paar leicht bekleidete Exemplare des anderen Geschlechts.
„Wenn man länger im Wasser bleibt, ist es eigentlich ganz angenehm“, sagt der 15-Jährige Francis, der sich mit seinem gleichaltrigen Kumpel Lucas gerade für die nächste Schwimmrunde fertigmacht. Die Jungs wohnen nicht weit vom Freibad. Für sie war es klar, dass sie gleich am Eröffnungstag am Start sein wollten. Auch wenn die Temperaturen noch alles andere als hochsommerlich sind, könne man es schon gut aushalten, finden die zwei. „Nur der Wind stört halt, wenn man aus dem Wasser kommt“, meint Francis.
Böblinger Unfallchirurg Manfred Maurer ist Stammgast seit 1953
„Das Wetter ist sch. . .egal“, sagt Manfred Maurer. „Wenn ich Zeit habe, schwimme ich jeden Tag meine 1000 bis 2000 Meter“, erzählt der Böblinger Unfallchirurg im Ruhestand. Hier im Freibad ist er Stammgast – und das von Kindesbeinen an. „Als das Bad 1953 eröffnet wurde, war ich drei Jahre alt. Von da gibt’s noch ein Bild von mir in gestrickter Badehose“, erzählt der 76-Jährige und lehnt sich lächelnd auf der Sitzbank am Nichtschwimmerbecken zurück.
„Das ist das Schwätzbänkle“, sagt er mit Blick zu dem Ehepaar neben ihm – sie 79, er 80 Jahre alt. Albert Egerter kommt seit 1970, seine Frau Marianne ebenfalls schon seit der Eröffnung vor 73 Jahren regelmäßig hierher. Dasselbe gilt für Hans Neuberger. Der 85-Jährige, der einst 1964 mit den Kickern der SV Böblingen den Aufstieg in die 1. Amateurliga schaffte, weiß noch gut, wie früher „dia Sendelfenger über’s Elefantabrückle nach Beblenga g’laufe send“, weil es in der Nachbarstadt damals noch kein Freibad gab.
Beim Gespräch über alte Zeiten kommen viele Erinnerungen hoch, zum Beispiel daran, wie man früher mit Anlauf vom damals noch geöffneten Zehner gehüpft sei – „Um die Leute im Schwimmerbecken zu erschrecken“, wie Maurer grinsend erzählt.
Heute lassen es die ergrauten Wasserratten etwas ruhiger angehen. Sie kommen weiterhin gerne her, allerdings finden sie nicht mehr alles gut in ihrem Stammfreibad. Vor allem stören sie sich an den geänderten Öffnungszeiten. Zwar öffnet das Bad bereits um 6.30 Uhr, allerdings ruht – in Anpassung an die Personalsituation – neuerdings der Schwimmbetrieb wochentags zwischen 9 und 11 Uhr. „Das ist eigentlich genau die Zeit, in der wir bisher hier zum Schwimmen gekommen sind“, sagt Marianne Egerter. Und noch etwas stört: „Das Wasser ist hier um zwei Grad kälter als in Sindelfingen“, sagt Maurer, der nicht versteht, warum man eigentlich nicht die Abwärme vom Thermalbad direkt daneben nutzen könne.
„Mir passt die kühlere Wassertemperatur eigentlich ganz gut“, sagt dagegen Lotte Eckert. Mit ihrem Mann Harald komme sie seit 30 Jahren jeden Sommer rund dreimal die Woche zum Schwimmen her. Dafür, dass es – wie im letzten Sommer – gelegentlich zu Personalengpässen kommt und jetzt erhöhte Eintrittspreise gelten, hat das Böblinger Ehepaar Verständnis. „Ich denke, wir können froh sein, dass wir so ein schönes Bad haben. Das ist doch ein Luxus“, findet Harald Eckert.
Unmut über abgezäunte Calisthenics-Anlage und Basketballfeld
Ein vorerst wohl gestrichener Luxus ist die Calisthenics-Anlage mit dem danebenliegenden Basketball-Feld. Weil die Stadt dieses Sportangebot für die Allgemeinheit zugänglich machen wollte, ist das Areal jetzt durch einen Zaun vom Freibadgelände abgetrennt und für Badegäste nicht mehr zugänglich. „Wir haben das nicht gewusst“, sagen zwei Jungs im Alter von 15 und 16 Jahren, die eigentlich vor allem zum Trainieren an den Fitnessgeräten herkommen seien. Stattdessen bibbern sie jetzt im Sportbecken.
Über die gestiegenen Eintrittspreise hört man dagegen zumindest an diesem ersten Saisontag keine Klagen unter den Gästen. „Die meisten persönlichen Gespräche – so spiegeln es uns die Mitarbeitenden – verlaufen verständnisvoll und mit Akzeptanz der neuen Tarifstruktur“, sagt Birte Engel, Pressesprecherin bei den Stadtwerken Böblingen. Es handele sich ja auch um eine sehr moderate Anpassung – und dazu die erste Preiserhöhung seit sieben Jahren.
Der Irankrieg zeigt bisher noch keine Auswirkungen
Der Irankrieg zeige bisher noch keine Auswirkungen. Das zum Heizen benötigte Gas habe man wie üblich schon zwei Jahre im Voraus eingekauft. Allerdings stehe demnächst der Einkauf für die nächste Saison an. „Das wird für uns unter Umständen höhere Ausgaben bedeuten“, sagt Birte Engel.
Die Anpassung der Öffnungszeiten waren laut Stadtwerken notwendig, „um einen sicheren und stabilen Bäderbetrieb zu gewährleisten, dessen Anforderungen durch die Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen e. V. sowie die Vorgaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung definiert sind“.
Gebühren und Öffnungszeiten
Mehr Eintritt
Eine Einzelkarte für Erwachsene kostet jetzt fünf statt 4,80 Euro. Kinder- und Jugendliche von vier bis 16 Jahren zahlen künftig 30 Cent mehr, nämlich drei Euro.
Weniger Badezeit
Am Wochenende und an Feiertagen ist durchgehend von 9 bis 19 Uhr geöffnet, wochentags von 6.30 bis 9 Uhr und danach wieder von 11 bis 19 Uhr. Bis 2025 war wochentags durchgehend Betrieb bis 19.30 oder 20 Uhr, am Wochenende von 8 bis 19.30 oder 20 Uhr.