Leonberg ist geheimer Weinhotspot in der Region: Im Nebenerwerb pflegen hier Hobby-Winzer die Weinhänge – drei von ihnen präsentieren ihre edlen Tropfen alljährlich beim Wengerterfest.
Auf ihr Wengerterfest freuen sich die Leonberger alle Jahre wieder: Die Gäste genießen vier Tage lang ein idyllisches Plätzchen mitten in den Eltinger Weinbergen, bei heimischem Wein, Secco oder Sekt und in netter Gesellschaft. Zur Eröffnung treffen sich bei leichtem Regen bestens gelaunte Gäste sowie regionale Politprominenz zum regen Austausch, darunter Staatssekretärin Sabine Kurtz, Oberbürgermeister Martin Georg Cohn und Landrat Roland Bernhard.
Was aber alles dazugehört, um aus den zum Wein-Nebenerwerb und gärtnerisch genutzten Flächen eine Festzone zu machen, sehen die Besucher nicht - und das ist gut so. „Die Gäste sollen sich einfach hier nur wohlfühlen und die Zeit genießen,“ sagt Albert Kaspari, Ehrenvorsitzender des Obst-, Garten- und Weinbauvereins Eltingen-Leonberg. Er unterstützt die teilnehmenden Wengerter organisatorisch.
Damit alles klappt, gibt es eine mehrseitige Checkliste
Die Arbeit im Vorfeld und im Hintergrund des Festes sei für den gesamten Ablauf und die Sicherheit der Gäste sehr wichtig, sagt er. Damit alles klappt, führt Kaspari eine mehrseitige Checkliste: „Dazu gehören der Kontakt zu verschiedenen Behörden der Stadtverwaltung, eine Begehung mit der Feuerwehr, die Absperrungen und die Pressearbeit.“ Und nach dem Fest ist vor dem Fest, schon jetzt steht der Termin für das nächste Jahr, es ist der 31. Juli bis 3. August 2026.
Auch der Aufwand für die Lauben der Wengerter ist immens. Stromkabel und Lichterketten müssen verlegt, Kühlschränke, Herde, Toiletten organisiert werden. Getränke und Speisen werden geordert und vorbereitet. Gerade kommt Marc Schmidt mit seinem Schwiegervater Wolfgang Bühler mit der letzten Wasserladung vor dem Wengert an. Denn hier oben gibt es keine Wasserleitung. „Den ganzen Nachmittag haben wir zuhause Wasser geholt und hier oben im Wengert in die Zisterne gepumpt. Viermal sind wir gefahren“, erzählt Marc Schmidt.
Der Garneleneintopf ist inzwischen legendär
Das Wasser wird für die Spülmaschine oder auch zum Händewaschen benötigt. Die Schwiegereltern sind extra aus Brasilien gekommen, um die Schmidts beim Fest zu unterstützen. Mutter Lucia hütet das Kleinkind, damit Marcs Frau Monique in der Küche werkeln kann. Der Garneleneintopf, den die Brasilianerin kocht, genießt bei den Besuchern des Wengerterfests mittlerweile legendären Ruf. Währenddessen schneidet Vater Hansi Schmidt Zwiebeln und Radieschen für den Wurstsalat. Der Wein, den Familie Schmidt in der Feinau anbaut, reicht gut für das Wengerterfest. Im letzten Jahr gab es wegen späten Frosts und einem verregneten August weniger Trauben. Für dieses Jahr sieht es mit den Trauben dagegen bis jetzt sehr gut aus, „sie könnten nur im Moment etwas mehr Sonne gebrauchen“, ergänzt Marc Schmidt.
Fritz Röckle wird bei den Vorbereitungen und beim Fest von der Familie und Freunden unterstützt. Deshalb er sich auch nach deren Zeitplan richten. „Die Zelte haben wir schon vor zwei Wochen aufgebaut“, erzählt er. „Ich muss das machen, wenn meine Jungs, sprich Sohn und Schwiegersohn, Zeit haben.“ Selbst die Enkel helfen mittlerweile mit. In der Scheuer wird die Küche aufgebaut, eine Spüle ist vorhanden, aber alles andere wird extra für das Fest installiert, wie die Spülmaschine und zwei Gasgrills. Insgesamt sind 32 Helferinnen und Helfer bei Röckles im Einsatz. Er bietet einen Rotling an. „Mit dem Fest ist der Wein dann auch immer weg.“
Was eingenommen wird, fließt wieder in den Weinberg
Wengerter Christian Bock muss bei dem Fest auf bezahlte Servicekräfte zurückgreifen. Auch wenn der Umsatz gut ist, bleibt deshalb sein Engagement für den heimischen Weinbau ein Hobby für ihn. Einen Großteil der Einnahmen investiert er wieder in den Weinberg und in neue Gerätschaften.
Wie wichtig das Engagement der Wengerter nicht nur für das Fest, sondern für den Erhalt der heimischen Kulturlandschaft ist, betont derweil Staatssekretärin Sabine Kurtz. „Das Wengerterfest ist ein Hotspot für Multiplikatoren, wir sind alle Botschafter für den heimischen Wein. Die Landschaft würde anders aussehen, wenn die Weinhänge nicht bewirtschaftet würden.“
Zur Unterstützung der Wengerter bietet der Obst-, Garten- und Weinbauverein Eltingen-Leonberg im Jahresverlauf zahlreiche Veranstaltungen rund um den Weinbau an, darunter eine Rebpflanzaktion, Rebschnittkurse, Vorerntebesichtigungen und die Jungweinanalyse. „Außerdem wird bei unseren Veranstaltungen heimischer Wein ausgeschenkt“, so Martin Esslinger, Vorsitzender des Vereins. „Das kommt sehr gut an.“