Kai Schubert und Marion Deimling und ihr Weingut in Neuseeland Foto: Rathgeb

Vor gut 20 Jahren ist der Waiblinger Kai Schubert gen Neuseeland gezogen – um Topspätburgunder zu machen. Ein Großteil seiner Weine wird mittlerweile in 43 Länder exportiert.

Martinborough - Im März beginnt der meteorologische Herbst in Neuseeland. Die Laubbäume leuchten dann in brillanten Gelbtönen und in kräftigem Orange. Und das alles unter einem Himmel, der fast zu blau ist, um wahr zu sein. Kai Schubert, Wengerter mit Waiblinger Wurzeln, wird dann – kurz vor der Weinlese – auf einer seiner vier Terrassen, die sein rotes Holzhaus von 1920 umgeben, nicht nur die Sonne, sondern vor allem eine Gewissheit genießen. Diejenige nämlich, dass lange, windstille Sonnentage seine Lieblingstrauben zu etwas ganz Besonderem reifen lassen.

Wenn es um seine bevorzugte Rebsorte geht, ist Kai Schubert kein Weg zu weit. Für sie verließ er 1998, mit Lebensgefährtin Marion Deimling, die schwäbische Heimat im Remstal. Kein Trollingerwengert in Waiblingen, wo er einst aufgewachsen ist, sondern ein eigenes Weingut auf der südlichen Erdhalbkugel. Eines, das einen herausragenden Pinot Noir in die Regale und ein Lächeln auf das Gesicht der Genießer zaubert, so der Traum.

Junge Weinbau-Geschichte

Die kapriziöse Diva unter den Rebsorten hat, soll sie diesem Anspruch gerecht werden, so einige Anforderungen. Kalkhaltiger Boden, Cold Climate und bitte nicht zu viel Getätschel vom Winzer. Unweit der Marlborough Sounds, am untersten Zipfel der Nordinsel, wurde das Paar tatsächlich fündig. Aber die internationale Reise geht weiter, denn: 90 Prozent der Schubert-Weine werden mittlerweile in 43 Länder exportiert, und die Tropfen der beiden Geisenheim-Absolventen sind in den weltbesten Restaurants gelistet. Damit der Wein in aller Munde ist, braucht es mehr als ein exquisites Produkt. Das weiß der Schwabe, der im Team Schubert/Deimling für das Networking verantwortlich ist und deshalb vier bis fünf Monate im Jahr auf Reisen geht.

Ein guter Wein erzählt eine Geschichte, heißt es. Dass diese Geschichte sich bei Weinen aus Neuseeland nicht von alleine erzählt, hat vor allem einen Grund: Es ist eine sehr junge Geschichte. Zwar wurden die ersten Rebstöcke bereits im 19. Jahrhundert gepflanzt, modernen Weinbau gibt es im Land der Kiwis allerdings erst seit 40 Jahren. Das Image des neuseeländischen Weins? Für den Waiblinger Schubert noch nicht auf dem Stand, auf dem es sein sollte. „Das traditionelle Bild vermittelt Europa als Zentrum des qualitativ hochwertigen Weinbaus“, so Schubert.

Schubert kommt ins Remstal

Dem charismatischen Wahl-Kiwi ist aber nicht nur wichtig, die Sichtbarkeit seiner Weine und somit auch des Standorts Neuseeland zu erhöhen. Bei einer Blickveränderung auf das, was da aus Neuseeland kommt, geht es ihm auch darum, dass das „Weinland Neuseeland“ mehr als Sauvignon blanc ist. Der macht nämlich stolze 85 Prozent der Exporte aus. Aber das landschaftlich und klimatisch vielschichtige Land bietet eben mehr, genauso wie es nicht nur separiert Strand, Berge oder Dschungel ist.

Der Önologe ist so weitaus mehr als ein leidenschaftlicher Pinot-Noir-Winzer aus Neuseeland geworden. Er ist die gelebte Botschaft, dass sich ein differenzierter Blick nicht nur auf ein Land, sondern auch auf seine Erzeugnisse lohnt.

Die Geschichte des Weinguts Schubert und Geschichten rund um den Pinot Noir aus Neuseeland kann man sich demnächst höchstpersönlich von Kai Schubert hier im Remstal erzählen lassen. Beispielsweise beim Weinevent im Sternerestaurant Goldberg in Fellbach am Donnerstag, 26. März, ab 19 Uhr. Und wer den Schwaben-Pinot aus Neuseeland lieber ganz alleine genießen will, dem sei der problemlos übers Internet erhältliche Block B Pinot Noir 2017 empfohlen. Der Genuss hat mit 49 Euro aber seinen Preis.

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