Herr Ramsauer, können Sie absehen, ob die Kosten bei der Neubaustrecke Wendlingen– Ulm im Plan bleiben?
Jeder, der schon mal gebaut hat, weiß, dass Bauen mit Unwägbarkeiten verbunden ist. Bei derart großen Projekten, die technisch schwierig sind und Jahrzehnte dauern, wird immer wieder nachgerechnet und die Zeit- und Kostenplanung angepasst. Nach Baupreisen 2004 lagen die Kosten bei knapp zwei Milliarden, heute sind wir bereits bei rund drei Milliarden Euro. Der Baupreisindex steigt jährlich. Wichtig ist, dass Kostenentwicklungen nachvollziehbar sind und transparent kommuniziert werden.
Ein Tunnelbau ist immer eine Rechnung mit Unbekannten – wie hoch sind die Finanzrisiken?
Tunnelbauen ist nach wie vor eine der faszinierendsten ingenieurtechnischen Aufgaben. Bei diesen Tunneln durch die
Schwäbische Alb werden modernste Maßstäbe angelegt, sowohl was Umweltschutz, Sicherheit und Bautechnik anbetrifft. Der Steinbühltunnel wird mit einer eigenen Röhre pro Gleis gebaut. Insgesamt müssen rund 1,2 Millionen Kubikmeter Gestein ausgeräumt werden. Wir bauen für die Baustelle einen direkten Anschluss an die A 8, um Anwohner vor Baustellenverkehr zu schützen. Im für die Schwäbische Alb typischen Karst können, trotz umfangreicher Erkundungen, Überraschungen nicht gänzlich ausgeschlossen werden.
Wird die Bahnstrecke im weiteren Verlauf, also von Ulm über Augsburg und München ausgebaut und damit für Bahnfahrer schneller?
Ja. Die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm ist Teil einer europäischen Magistrale, die von Paris über Stuttgart, Ulm, Augsburg und München weiterführt nach Österreich und Ungarn. Wir bauen die Strecke in Etappen aus. München–Augsburg ist 2011 fertig gestellt worden. Jetzt schließt sich Wendlingen–Ulm an, danach folgt der Ausbau der Strecke Ulm–Augsburg.
Es hieß immer, der Albaufstieg soll auch für Autos weniger beschwerlich werden. Wie steht es mit dem Versprechen, die A 8 zu modernisieren?
Zu dem Versprechen stehe ich. Zunächst bauen wir östlich vom Albaufstieg die A 8 durchgängig 6-streifig mit Seitenstreifen aus, damit sie den verkehrlichen und sicherheitstechnischen Anforderungen besser gerecht wird. Auf dem bayerischen Abschnitt der A 8 machen wir das – erfolgreich – mittels Öffentlich-Privater Partnerschaften (ÖPP), einer alternativen Beschaffungsform durch Privatfirmen und staatlichen Stellen. Auch für den baden-württembergischen Engpass der A 8 im Zuge des Albauf- und Albabstiegs zwischen Mühlhausen und Hohenstadt wird mit einer vertieften Untersuchung die Eignung dieses Streckenabschnitts für ÖPP geprüft. Diese Untersuchung wird derzeit ausgewertet.
Was passiert dann?
Danach wird – in Abstimmung mit dem Land Baden-Württemberg – der weitere Fahrplan für den Bau des Albauf- und Albabstiegs festgelegt. Bevor der Ausbau weiter vorangehen kann, muss das Land Baden-Württemberg aber erst einmal Baurecht schaffen.